Übertritt an die weiterführende Schule: Jugendpfleger hilft Lupburger Grundschülern

Es ist ein Schritt in eine neue Welt. Aus der beschaulichen Grundschule in Lupburg wechseln zum neuen Schuljahr 20 Kinder an weiterführende Schulen. Damit dieser Übertritt gut gelingt, haben die Lehrer und Jugendpfleger Niko Bilic ein besonderes Projekt gestartet.
Hintergrund: 95 Schüler, fünf Klassen. Die Schulfamilie in Lupburg ist für alle Protagonisten klein und überschaubar. Jeder kennt jeden, auch das Lehrerzimmer ist für die Kinder kein Sperrgebiet. „Unsere Kinder kennen hier in Lupburg jeden Winkel“, erzählt Rektorin Stefanie Schäffer im Gespräch mit unserer Zeitung und nennt ein Beispiel. Wenn ein Kind sich irgendwo anstößt und Schmerzen hat, bekommt es im Lehrerzimmer einen Kühlpack und sitzt dann bei den Lehrern am Tisch.
Ganz anders wird es aber für die Kinder sein, die mit dem Ende des vierten Schuljahrs diese Idylle verlassen. Der Weg führt vor allem nach Parsberg, Ziele sind die Mittelschule, die Realschule und das Gymnasium, die viel größer und damit auch weniger gut überschaubar sind. Deshalb sei der Übergang für die Schüler oft mit Stress, Unbehagen, Nervosität und einem Gefühl der Ohnmacht verbunden.
Parsberger Jugendpfleger besucht Viertklässler in Lupburg
„Das ist für unsere Kinder eine große Herausforderung. Sie werden sie meistern, aber wir wollen es ihnen so leicht wie möglich machen“, sagt Schäffer. Deshalb habe sie zusammen mit Bilic bei einem Gespräch über die aktuelle Situation an der Grundschule Lupburg überlegt, wie man diesen Schritt an eine weiterführende Schule so angenehm wie möglich gestalten könne.
Gestartet wurde am Donnerstagvormittag. Bilic besuchte zusammen mit den drei Schulsozialarbeitern der Parsberger Schulen die vierte Klasse in Lupburg. „Uns ist es wichtig, dass die Kinder, wenn sie im neuen Schuljahr nach Parsberg kommen, zumindest schon ein bekanntes Gesicht antreffen“, erklärt Bilic die Strategie. „Vor allem wenn es den Kindern nicht gut geht oder sie sich allein und verloren fühlen, sind die Schulsozialarbeiter die richtigen Ansprechpartner“, ergänzt Schäffer. Da sei es hilfreich, wenn man sich vorher schon einmal begegnet ist.
Zweiter Baustein dieses Schulübertrittsprojekts ist ein spezieller Workshop, den Bilic in der kommenden Woche in Lupburg veranstaltet. Dabei geht es laut Bilic neben dem Schulwechsel auch darum, präventive Maßnahmen gegen Gewalt, Aggressionen und Konflikte, die an vielen Schulen immer wieder vorkommen, zu erarbeiten und Lösungsmethoden zu entwickelt.
„Wir haben hier in Lupburg natürlich auch Probleme. Diese gibt es überall. Das fängt schon im Kindergarten an“, sagt Schäffer. Trotzdem lebten die Kinder noch in einer relativen ländlichen Idylle. Als Mutter von zwei Mädchen und einem Buben wisse sie selbst, wie es an größeren Schulen bei den Kindern „untereinander manchmal abgeht“.
Jugendpfleger Niko Bilic setzt auf Training mit Rollenspielen
Schäffer: „Darauf wollen wir die Kinder vorbereiten. Sie sollen das Rüstzeug haben und vorher lernen, wie ihr Verhalten auf andere wirkt. Ziel sei es aber auch, den Kindern beizubringen, wo sie sich bei Bedarf Hilfe holen können. Schäffer: „Wir müssen hier präventiv vorgehen und tätig werden, bevor es die Probleme gibt.“
Bilic nutzt bei seinem Workshop, der für die Schüler freiwillig ist, auch Rollenspiele, bei denen die Kinder lernen, eigene Grenzen zu setzen und die Grenzen anderer Menschen zu erkennen und sie zu beachten. Zudem sollen sie bei einer Selbstbehauptungsübung lernen, deutlich zu sagen, was sie denken, was sie wollen und was nicht.