Aufgepasst: Ein Paar aus Neutraubling betreibt eine Sicherheitsfirma – mit 750 Mitarbeitern

Ob Baustellen oder Flüchtlingsunterkünfte: Ein wachsames Auge ist in vielen Bereichen nötig. Damit kennen sich Christina und Arben Fetoshi aus Neutraubling aus: Sie betreiben mit der AF Security Group eine große Sicherheitsfirma.
Auch in München hat die Firma AF Security Group aus Neutraubling seit 2019 eine Niederlassung. In der Landeshauptstadt ist zum Beispiel das Finanzministerium in der Obhut der Firma. „Das Sicherheitsbedürfnis steigt“, sagt Christina Fetoshi.
Das Unternehmen bietet zum Beispiel regelmäßige Streifenfahrten an, installiert und überwacht ausgeklügelte Alarmsysteme und kümmert sich darum, dass es auf Baustellen keinen Vandalismus gibt. Schwerpunkt ist der Bereich Objekt- und Werkschutz. Ein Kunde ist zum Beispiel die Regierung der Oberpfalz mit ihren Asylunterkünften.
AF Security: Einsatz im Ankerzentrum Regensburg
Die Neutraublinger bewachen auch das Ankerzentrum und seine Dependancen in Regensburg. „Dort sind vor allem Mitarbeiter im Einsatz, die Arabisch sprechen“, erzählt die 33-Jährige. In Einrichtungen für Menschen aus der Ukraine werde darauf geachtet, dass das Sicherheitspersonal Russisch spreche. Mögliche Konflikte könnten so im Keim erstickt werden. „Da kann man Personal auch nicht durch Technik ersetzen“, sagt Fetoshi. Auch wenn Flüchtlinge in der Nacht ankommen, sind die Neutraublinger zur Stelle. „Unsere Leute arbeiten rund um die Uhr.“ Etwa zwanzig Mitarbeiter seien allein beim Ankerzentrum beschäftigt.
Für Kunden in ganz Deutschland übernehmen die Neutraublinger seit drei Jahren die Überwachung aus der Ferne. Dafür werden Objekte mit Alarm- und Kameratechnik ausgestattet und dann aktiv von der Notruf- und Serviceleitstelle in Neutraubling überwacht. Macht sich ein Einbrecher zu schaffen, kann er live per Lautsprecher angesprochen werden. Eine sehr produktive Methode sei das: „Dann suchen die meisten schnell das Weite“, erzählt Arben Fetoshi. Die Neutraublinger alarmieren in solchen Fällen auch die Polizei.
Kuriose Szene im Finanzministerium
Das imposanteste Objekt des Sicherheitsdienstes ist das Münchener Finanzministerium. Seit zwei Jahren haben es die Neutraublinger in ihrer Obhut. Mitunter komme es dort zu kuriosen Szenen. Zum Beispiel habe einmal ein Bürger mit einem vermeintlich fehlerhaften Steuerbescheid Einlass begehrt, um sich persönlich beim Finanzminister zu beschweren. „Da mussten wir dann einschreiten.“
Auch die Regensburger Universität zählt zu den Kunden. Dort hat die Firma den Wach- und Schließdienst übernommen und stellt Empfangskräfte in den Lesesälen. Neben Auftraggebern aus dem öffentlichen Bereich werden auch Firmen und Privatkunden betreut. „Da ist alles dabei.“ Auch der FC Bayern habe schon mehrfach angefragt, „Aber mit Fußball haben wir nichts am Hut, auch sonst betreuen wir keine Veranstaltungen mehr.“ Clubs würden ebenfalls nicht überwacht. „Das haben wir anfangs gemacht.“
2010 hat Arben Fetoshi den Betrieb gegründet, als kleine Security-Firma mit einer Handvoll Mitarbeiter. Bis heute fungiert der 42-Jährige als Geschäftsführer. Seine Frau stieg nach ihrem Lehramtsstudium mit ein und ist Prokuristin. Zuvor hatte sich das Paar in einer Regensburger Disko kennengelernt, wo beide jobbten.
Arben Fetoshi lebt seit 1992 in Neutraubling, gebürtig kommt er aus dem Kosovo. Seine Frau ist aus Regensburg. Das Paar wohnt mit den beiden sechs und sieben Jahre alten Töchtern gleich hinter dem Firmensitz in Neutraubling – bestens überwacht, versteht sich. Christina Fetoshi engagiert sich im Vorstand der Neutraublinger Aufbaugemeinschaft. Überdies ist sie Prüferin bei der IHK und unterrichtet angehende Lehrer an der Universität Regensburg im Fachbereich Sport.
AF Security: Bis zu 70 Bewerber täglich
Die Auftragsbücher der Firma sind gut gefüllt. Auch Personal ist kein Problem: „50 bis 70 Bewerber melden sich pro Tag.“ Die Bezahlung erfolgt nach Tarif. Zulagen machen das Gehalt attraktiv: Mehr als 30 Euro brutto pro Stunde sind für leitende Tätigkeiten möglich. Mitarbeiter müssen laut Fetoshi nicht nur freundlich, zuverlässig und kommunikativ sein, sondern vor allem absolut integer. Extreme Einstellungen – sei es politisch oder religiös – würden nicht toleriert. „Aber Quereinsteiger haben in unserer Branche gute Chancen.“
Der Betrieb
Sitz: Die AF Security Group sitzt in der Waldkraiburger Straße in Neutraubling. Dort arbeiten rund 40 Leute, vor allem in der Verwaltung. Insgesamt beschäftigt die Firma 750 Mitarbeiter und betreut rund 200 Kunden.
Büro: Der Familienbetrieb ist in einem Bürohaus mit mehreren Etagen untergebracht, auch eine Lagerhalle für Sicherheitstechnik gehört dazu.