Das Tiefenbacher Kriegerdenkmal birgt immer noch Geheimnisse

Von Petra Schoplocher · 5. Juli 2023 um 05:00

Es könnte ein Funken Neid gewesen sein, der sich da kurzzeitig im Gemeindearchiv breit gemacht hat. Denn neben all den zahlreichen und bemerkenswerten Unterlagen zum Tiefenbacher Kriegerdenkmal schießt ein Fahnenband vom 8. Juli 1923 den Vogel ab. Das hat eine eigene Geschichte.

Gehört es doch der Feuerwehr Katzelsried. Sie hat es in ihrem Schatzschrank aufbewahrt. Dort ist es Johann Müller aufgefallen, seines Zeichens einer der beiden Gemeindearchivare. Bürgermeister Ludwig Prögler durfte es daraufhin kurz ausleihen...

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Dabei darf sich das, was sich im Archiv befindet, durchaus mindestens „von“ schreiben. Von Vereinen angelegte und der Spitzengesellschaft verwaltet Sparbücher, um das Denkmal zu finanzieren. Entwürfe – der erste aus dem Jahr 1916, als noch eine Gedächtniskapelle angedacht und von einem Kriegerdenkmalfonds die Rede war. Über deren geplanten Standort ist allerdings nichts bekannt. Dann eine aufwendige und sehr gut erhaltene Skizze im Maßstab 1:10 mit einer Bavaria auf dem Sockel sowie dem Hinweis, dass sie durch jede andere Figur ersetzt werden könnte. Wurde sie – durch den heiligen Georg.

Schreiben des Bischofs

Das Schreiben des Bischöflichen Ordinariats vom 7. Juni 1923, in dem die Weihe genehmigt wird. Ein Gemeinderatsbeschluss, dass an besagtem 8. Juli Tanz verboten ist. Nicht zuletzt: Das Festprogramm mit Feldmesse und Zugfolge (an neunter Stelle die Feuerwehr Katzelsried) und den Gaststätten, in denen die 41 Vereine im Anschluss verköstigt werden sollten.

Unvorstellbare Dimensionen

Dimensionen, wie „man sie sich heute nicht mehr vorstellen kann“, sagt Franz Hoffmann, Vorsitzender der Soldaten-, Reservisten- und Kriegerkameradschaft (SRuKK) Tiefenbach. Der fehlt, wie vielen anderen, der Nachwuchs, so dass Ressourcen fehlen, um etwas Großes auf die Beine zu stellen. „Ich‘ hab nur gut eine Handvoll, auf die ich bauen kann“, erläutert Hoffmann und verweist auf das Durchschnittsalter von 63,5 Jahren.

Verein hat Nachwuchssorgen

Totreden will er den Verein ebenso wenig wie das Jubiläum vorbeiziehen zu lassen. So wird es am 15. Juli Gottesdienst, Ansprachen, Gedenkfeier und eine Kranzniederlegung geben. Gleichzeitig mitgegangen wird an dem Tag das 155-jährige Bestehen des – so der damalige Name – Veteranenverein.

Wobei sich um dessen Anfänge eine andere Besonderheit zuträgt: Eindeutig ist die Jahreszahl der Gründung auf der Bildtafel nicht zu erkennen. Eine 8, oder eine 9? Es sieht ein wenig mehr nach neun aus, die Urkunden belegen aber 1868, erste Treffen der Männerrunde sind zwei Jahre früher datiert.

Bedeutsame Bildtafel

Auch die Bildtafel als solche ist eine Rarität. Die Rückseite kann ausgeklappt werden, so dass die Namen aller 252 Gründer erscheinen. Kunstvoll angebracht, wie später die Ehrenmitglieder nach und nach ergänzt. Und eine ausradiert...

Die Kosten? Nicht belegt

Aller Recherche und Unterlagen (inklusiven Pfandbriefen) zum Trotz ist über die Kosten für das Denkmal in Granit und Tuffstein nichts in Erfahrung zu bringen, verdeutlichten Müller und „Co-Archivar“ Bruno Servi.

Das ist ärgerlich, weil 1923 das Jahr der Weltwirtschaftskrise und von starker Inflation geprägt war. „Man muss sich eigentlich wundern, dass sie das noch hingebracht haben“, sagt Müller hochachtungsvoll in Richtung der Altvorderen.

Kirchen- wurde Gemeindegrund

Ursprünglich hatte der gemeindeeigene Grund, auf dem das Ehrenmal steht, der Kirche gehört, haben Servi und Müller in Erfahrung gebracht – ein Griff in das entsprechen katalogisiert/inventarisierte Archivfach, und die entsprechende Überlassung liegt vor. Das denkmalgeschützte Bauwerk hat sein Gesicht im Laufe der Zeit (zwangsläufig) verändert, zuletzt, weil es in den 2010er-Jahren im Zuge der Dorferneuerung teilsaniert wurde. Die Namen, die einst seitlich in den Stein eingraviert waren, sind nicht mehr lesbar. Die Platten mit den Namen der Gefallenen, die offenbar „irgendwann nicht mehr gehalten haben“. Sie sind im Eingang zur Leichenhalle konserviert.

Der Waldmünchner Grenzbote

Die Einweihung des Denkmals vor fast 100 Jahren selbst habe „bei herrlichem Wetter“ stattgefunden, so ist es im – keine Frage, natürlich in Tiefenbach ebenso archivierten – Waldmünchner Grenzboten nachzulesen. Vielleicht ein gutes Vorzeichen für das Jubiläum – und für die Botschaft, die davon ausgeht: Es heißt zwar Kriegerdenkmal, hat aber ein Vorzeichen: Frieden.

GEDENKEN

Anlass: An die Einweihung des Kriegerdenkmals vor 100 Jahren erinnern die Verantwortlichen am Samstag, 15. Juli. Gleichzeitig wird der offiziellen Gründung des Kriegervereins vor 155 Jahren gedacht.

Programm: Einem Gottesdienst mit Ansprachender Ehrengäste in der Pfarrkirche St. Vitus Tiefenbach um 18 Uhr folgt eine kurze Gedenkfeier mit Kranzniederlegung um 19 Uhr am Kriegerdenkmal selber. Zum Ausklang ist im Gasthaus Bronold in Irlach 20 Uhr ein Kameradschaftsabend geplant.

Die Protagonisten: (von links) Bürgermeister Ludwig Prögler, die Archivare Johann Müller und Bruno Servi sowie Franz Hoffmann, Vorsitzender der SuRKK.
Welches Jahr? Die Gründungstafel des Kriegervereins wirft Fragen auf.
Rarität aus dem Archiv: Von der Einweihung des Kriegerdenkmals am 8. Juli 1923 existiert eine Fotografie. Johann Müller hat sie digitalisiert. Foto: Gemeinde Tiefenbach
Das Programm für die Einweihung ist noch erhaltem.
Ein alter Plan, damals noch mit Bavaria
Kostbar: Die Rückseite der Gründungsbildtafel mit 252 Namen der Gründungsmitglieder