Ein Kämpfer für Schwache: Bernhard Schinner gibt die Leitung der Caritas-Kreisstelle ab

23 Jahre hat Bernhard Schinner die Kreisstelle der Caritas in Neumarkt geleitet. Seitdem hat er nicht nur mehrere Umzüge organisiert und das Personal verfünffacht. In dieser Zeit hat er vor allem um Unterstützung gekämpft: „Das Soziale ist ein Stiefkind“, sagt der 65-Jährige.
Am Freitag hat der Sozialpädagoge seinen letzten Arbeitstag. Dann beginnt die Freistellungsphase der Altersteilzeit. Eigentlich hatte er schon viel früher gehen wollen, doch dann standen große Aufgaben an, die er noch erledigen wollte. „Jetzt kann ich gehen.“
Bernhard Schinner ist ein Kämpfer, ein Mensch, der nicht aufgibt. Schon als Jugendlicher hatte er in seinem Heimatort Ebnath im Landkreis Tirschenreuth dem Pfarrgemeinderat und Pfarrer die Stirn geboten, weil er sich für Jugendliche einsetzte, die im Dorf kein gutes Ansehen genossen. Dem 16-Jährigen waren die Jungs, die mit Bierflasche in der Hand und ihrem knatternden Mofa eher unangenehm auffielen, wichtig. Er hieß sie in der Kolping-Jugendgruppe, die er selbst gegründet hatte, willkommen. „Gerade diese Jugendlichen sollten doch einbezogen werden.“
Bernhard Schinner: Erst Realschule, dann Universität
Dieses Schlüsselerlebnis habe ihn damals bewogen, Sozialpädagoge zu werden. Deshalb besuchte er nach dem Realschulabschluss die Fachoberschule und begann ein Studium in Regensburg. Nach Stationen in der Drogenklinik in Parsberg und im Bezirkskrankenhaus in Regensburg wechselte er zur Caritas nach Neumarkt, wo er im Jahr 2000 von Konrad Fersch die Leitung der Kreisstelle übernahm.
Nur vier Mitarbeiter zählte sie damals, erinnert sich Schinner: zwei Verwaltungsangestellte, ein Sozialpädagoge und der Leiter. Trotzdem seien die Aufgaben immer mehr geworden: Schuldner-, Flüchtlings- und Allgemeine Sozialberatung, die rechtliche Betreuung sowie die Kleiderkammer, die heute zu den größten in der Diözese Eichstätt zähle.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie oder BRK mit dem Staat vereinbart, einige soziale Leistungen im Auftrag zu übernehmen. Im Gegenzug gewährt die öffentliche Hand Zuschüsse. „Die Kleiderkammer und die Allgemeine Sozialberatung jedoch zählen zu den freiwilligen Leistungen der Kirche“, erklärt Schinner. Wobei das nicht heißt, dass die Caritas für die anderen Aufgaben mit ausreichend staatlicher Unterstützung rechnen kann. „Bei der Flüchtlingsarbeit zahlen wir am meisten drauf.“ Schuldnerberatung und rechtliche Betreuung seien „einigermaßen auskömmlich“.
„Wir mussten immer um die Refinanzierung und die Stellen kämpfen“, sagt Schinner rückblickend. Jahrelang habe die Schuldner- und Insolvenzberatung mit nur einer halben Stelle auskommen müssen. Erst in jüngster Zeit habe sie bedarfsgerecht auf zwei Vollzeitstellen aufgestockt werden können.
„Die soziale Schere geht auch im Landkreis Neumarkt immer weiter auseinander. Und das wird auch weiter so bleiben.“ Trotzdem fehle die politische Unterstützung bedauert Schinner. Er vermisst die Wertschätzung der Arbeit, die für sozial benachteiligte Menschen geleistet werde – und damit wohl auch für die Menschen selbst.
Anstatt rechtzeitig zu handeln und Strukturen zu schaffen, um hilfsbedürftige Personen aufzufangen, werde die Aufgabe vertagt. Gleichzeitig nehme aber die Zahl dieser Menschen zu: Personen mit psychischen Belastungen, alte Menschen ohne Familienangehörige, die sich vor Ort um sie kümmern könnten, Menschen mit Schulden, Flüchtlinge sowie Menschen mit Behinderung. Und: „Wir haben immer mehr junge lebensuntüchtige Leute.“
Immer mehr Hilfsbedürftige im Landkreis Neumarkt
Darüber hinaus erfolgten Behandlungen heute zunehmend ambulant statt stationär, so dass Hilfsbedürftige häufiger einen Betreuer brauchten. Doch davon gebe es viel zu wenige. Auch an Sozialpädagogen mangele es. Dabei werde die Allgemeine Sozialberatung heute so stark in Anspruch genommen wie selten zuvor. „Es war ein großer Kampf in den letzten Monaten, die offenen Stellen zu besetzen“, sagt Schinner. Doch es sei geglückt.
Das wollte er noch selbst erledigen, bevor er zum 1.Juli die Leitung der Kreisstelle an seinen Nachfolger Michael Glaser übergibt. Obwohl zwei schwere Erkrankungen in den vergangenen Jahren sicher Grund genug gewesen wären, dem Berufsalltag schon eher den Rücken zu kehren. Aber Bernhard Schinner ist keiner, der aufgibt.
„Meine christliche Prägung hat mich schon getragen.“ Bernhard Schinner
Sein Glaube, seine humanitäre Grundhaltung und viele Stunden mit dem Fotoapparat in der Natur haben ihm dafür Kraft gegeben. „Meine christliche Prägung hat mich schon getragen.“ Und wenn er in der Friedensstraße vor dem ehemaligen Missionsseminar der Comboni steht, freut er sich über das, was er mit seinen inzwischen 21 Mitarbeitern erreicht hat. Gemeinsam mit der Diakonie unter einem ökumenischen Dach sei ein Sozialzentrum entstanden.
Dabei erinnert sich der 65-Jährige noch gut daran, wie er damals zusammen mit seinem Vorgänger Konrad Fersch im Sozialministerium von Norbert Blüm vorgesprochen und um Zuschüsse gebeten habe. „Es war eine Herausforderung und ein Abenteuer“, sagt Schinner. „Aber wer soll es sonst tun, wenn nicht wir?“