Ab Herbst könnte es mehr Hilfe für Kelheims psychisch angeschlagene Kids geben

Im Kreis Kelheim suchen Betroffene bislang vergebens nach kinder- und jugendpsychiatrischen Angeboten. Aber jetzt gibt es Hoffnung, dass sich die Situation im Herbst entscheidend verbessert, bestätigt der Ärztliche Kreisverband Kelheim.
Im Landkreis Kelheim gibt es derzeit keine niedergelassenen Fachärztinnen und -ärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) und erst recht kein klinisches Angebot. Wer Hilfe benötigt, muss sein Heil zum Beispiel in Regensburg suchen, oder an der KJP-Bezirksklinik Landshut. Experten kritisieren dieses Defizit in Kelheim seit Jahren. Im Herbst könnte es nun eine entscheidende Verbesserung geben, bestätigt der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands (ÄKV) Kelheim, Hubert Faltermeier.
„Es konnte eine Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie gefunden werden, die sich im Landkreis niederlassen möchte“, bestätigt Faltermeier. Der promovierte Facharzt für Orthopädie, Unfall- und Allgemeinchirurgie leitet seit Dezember den ÄKV leitet. Nun ist der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern am Zug.
Antrag beim Zulassungsausschuss ist gestellt
Dieses Gremium, paritätisch besetzt mit ärztlichen bzw. therapeutischen Vertreter/innen und denen der Krankenkassen, entscheidet über Zulassungsfragen; es tagt wieder im Herbst. Den Antrag auf Niederlassung habe die interessierte Kinder- und Jugendpsychiaterin dort bereits gestellt, so Faltermeier. Ihre Bereitschaft, tätig zu werden, wäre für den Kreis Kelheim ein Glücksfall, denn generell ist der fachärztliche Mangel in der KJP groß.
Der sich abzeichnenden Lösung gingen langwierige Verhandlungen voraus, berichtet Faltermeier. „An einem ,round table‘ konnten unter Federführung des ärztlichen Kreisverbandes Kelheim Steine, manchmal auch Felsbrocken aus dem Weg geräumt werden“ – man möge ihn „aber bitte nicht fragen, wie viel Blut und Wasser ich bei den unzähligen Sitzungen geschwitzt habe."
Der ÄKV-Vorsitzende hebt auch die Rolle der „Gesundheitsregion plus“-Koordinatorin am Landratsamt, Franziska Neumeier, hervor. Unter dem Dach der „Gesundheitsregion plus“ sei das Versorgungsdefizit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie „als brennendes Thema priorisiert“ und mit vielen Akteuren besprochen worden, unter anderem von der Regierung von Niederbayern, den Bezirkskliniken Landshut und Regensburg, der Kassenärztlichen Vereinigung, von Landkreis und ÄKV. „Wäre fantastisch wenn’s klappt!“, bilanziert Faltermeier.
Region gilt als „überversorgt“
Die Schwierigkeit steckt nach Auskunft des Landratsamts in der „bestehenden, faktischen Überversorgung des Planungsbereichs“, zu dem der Landkreis Kelheim gehört. Darauf hat die Kelheimer Landtagsabgeordnete Petra Högl hingewiesen, die das Versorgungsdefizit im Gesundheitsausschuss des Landtags thematisiert hatte.
Laut Kassenärztlicher Vereinigung KVB bilden die Kreise Kelheim, Cham, Neumarkt sowie Stadt und Kreis Regensburg die „Raumordnungsregion Regensburg“, so Högl im Januar auf Anfrage unserer Zeitung. Die ärztliche Versorgung werde für die Gesamtregion geplant; und dabei die KJP voriges Jahr eine 174-prozentige Versorgung aus. Damit galt die Region als „überversorgt“, was Neuniederlassungen an sich ausschließt. Unter bestimmten Bedingungen könne aber laut Bayerischem Gesundheitsministerium eine Sonderbedarfszulassung erteilt werden, so Högl damals.
„Alarmierende Unterversorgung“
In der Tat herrsche im Kreis Kelheim jedoch eine „alarmierende Unterversorgung“ in der KJP, hatten Fachleute beim ersten Landkreis-Gesundheitsforum im November 2022 beklagt.
