Drei Pfarrer des evangelisches Bayerwald-Dekanats taufen zehn Kinder im Regenfluss

Von Maja Schoplocher · 26. Juni 2023 um 16:30

Nasse Füße, ein nasser Talar, Steine, die weh tun. Pfarrerin Lisa Hacker lächelt alles weg, schließlich „diente“ das Alles einem höheren Zweck: Zum ersten Mal hatte das evangelische Bayerwald-Dekanat zu einem gemeinsamen Tauffest eingeladen – und mit diesem nicht nur acht Familien ein wunderbares Zusammentreffen beschert, sondern auch ein Ausrufezeichen gesetzt, was und wie Glaube, was und wie Kirche heute ist, sein kann.

Es sollte ein fröhlicher, ungezwungener Gottesdienst sein, den Dekanin Ulrike Dittmar und ihre Kollegen Hacker und Beck (aus Neunburg vorm Wald) konzipiert hatten. Und er war es: Entspannt versammelten sich Familien aus Roding, Cham, Neunburg und Zwiesel auf den Ufertreppen.

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Auf denen – einer wunderbaren, eigenen Choreographie folgend – das Kirchengeläut der Kirche St. Pankratius („unserer katholischen Kollegen“) die besonderen Geschehnisse im wahrsten Sinne des Wortes einläutete. Dass die Kleinen (die nach der Idee der Initiatoren ohnehin im Mittelpunkt stehen sollten) das ein oder andere Mal kicherten, sich anderen Dingen als den Geschehnissen auf der Bühne zuwandten oder Richtung Wasser ausbüxten, machte den Samstag Nachmittag nur authentischer.

Gerhard Beck maßschneiderte das Evangelium auf die Kleinsten: „Für Jesus gibt es kein ,zu klein‘“, ließ er die Jungen und Mädchen sowie die großen Zuhörer (und einige verweilende Zaungäste) wissen. Weiter gedreht: Jeder ist wichtig, dass er ist; wie er ist.

Auf dem Lebemsfluss...

Die Örtlichkeit mit dem vobei fließenden Regen nahm Dekanin Ulrike Dittmar zum Anlass für einige Gedanken. Lebensfluss. Mit Gegenwind, mit Momenten des Sich-treiben-Lassens... Verstehend um die Schwierigkeit für Eltern auf dem schmalen Grat zwischen Schutz und Begleitung und Loslassen.

Mit der Erfahrung, dass auf einem Segelboot ein sicheres Weiterkommen nur dann möglich sei, wenn alle zusammenhelfen. „Gott ist es, der uns auf dem Lebensfluss begleitet“, betonte und ermutigte sie.

Rodings Pfarrerin Lisa Hacker, die mit vier Täuflingen am meisten „tu tun“ hatte, nahm das Bild gerne auf und betonte, dass Gott den Menschen als Kompass, als Mast und als Anker auf dieser Reise zur Seite stehe. „Vertrauen Sie darauf“, rief sie mutmachend ans Ufer, fanden Pfarrer und musikalische Begleitung doch auf der Regenbrücke dem Publikum gegenüber ihre Bleibe.

Wasserwacht als Retter

Noch einmal Fluss, Regen, Wasser: Die Wasserwacht Roding garantierte mit einigen Helfern, dass nichts passierte.

Gefragt war sie dann in der Tat, allerdings anders als ursprünglich gedacht. Weil das ein oder andere vorab gefaltete Papierschiffchen – aus Umweltschutzgründen aus biologisch abbaubarem Material – wegen geringer Strömung Startschwierigkeiten hatte, stupsten die beiden Frauen im Schwimmdress im Wasser sie kurzerhand an.

Ein Impuls, wie er auch von dem neu konzipierten Tauffest ausgehen darf und wird. Eine Familie sprach von einem „wunderschönen Start für unseren Kleinen in ein christliches Leben“, eine andere fasste zusammen: Wasser, Sonnenstrahlen, Vögelstimmen, fröhliche Menschen – warum sollten wir da zweifeln?

Herausforderung für Ulrike Dittmar und Lisa Hacker war das Anzünden der Taufkerzen im Wind.
Gute Wünsche. Einige las Pfarrer Gerhard Beck vor.
Auf Papierschiffchen durften Familie und Freude Wünsche für ihre Täuflinge schreiben. Sie wurden dann im Fluss „ausgesetzt“.