Eine Bodenplatte für etwas Herausragendes in Furth im Wald – die Pläne von Mario Binder

Nichts lässt ahnen, dass hier etwas Herausragendes entsteht am Pastritzweg. Noch ist es nur eine Bodenplatte, die da gegossen wird. Doch schon Ende 2024 sollen in einem dreistöckigen Gebäude insgesamt 30 Patienten in drei Wohngemeinschaften Intensivpflege erfahren oder wegen ihrer Demenz betreut werden. Für dieses Projekt hat sich Mario Binder die Stadt Furth ausgesucht.
Die drei ambulant betreuten Wohngemeinschaften werden im Hinblick auf Belegungs- und Baukonzept in Ostbayern einzigartig sein, verspricht Binder. Zum einen, weil im Erdgeschoss zehn Patienten unterkommen werden, die intensivpflegebedürftig sind und beatmet werden müssen.
Gut versorgt, energieautark
Kombiniert mit zwei weiteren Wohngemeinschaften mit 20 Menschen mit Demenz stellt das eine einzigartige Versorgungsform dar. Dazu kommt noch der komplett energieautarke Bau.
Verantwortlich dafür ist Mario Binder. Er betreibt mit seiner Familie Intensivpflege mit dem Hauptstützpunkt in Neukirchen beim Hl. Blut. Dazu gibt es weitere Stützpunkte in Roding, Lam, Regen und Grafenau. Auch in Furth im Schießstättenweg gibt es bereits fünf Patienten, die von der „Außerklinischen Intensivpflege Mario Binder“ betreut werden. Sie werden später umziehen in den Neubau.
Binder wirft einen langen Blick auf die riesige Baustelle, die 1500 Quadratmeter Grundfläche hat und 13 Besucherparkplätze. 3,5 bis 4 Millionen Euro wird er investieren, bis alles fertig ist. „Ich hätte das nie gemacht ohne meine Familie“, sagt er.
Binder weiß, dass es auch nach ihm noch weitergeht. Denn neben seiner Ehefrau Maria, die als gelernte Krankenpflegerin in der Verwaltung arbeitet, ist auch Sohn Florian schon eingestiegen und der zweite Sohn Fabian ist auf dem Sprung ins Familienunternehmen Binder, das 140 Pflegefachkräfte beschäftigt.
Für seinen Beruf als Krankenpfleger hat Mario Binder keine Zeit mehr. Vor zwölf Jahren hat er sich selbstständig gemacht und eine Zusatzausbildung als Atmungstherapeut. So kann er heute die Beatmungsgeräte seiner Patienten selbst nach deren Bedarf einstellen. „Wir sind keine Palliativstation. Ein Teil unserer Patienten kann nach drei bis fünf Jahren wieder entlassen werden. Andere bleiben für immer, manche sterben“, sagt er.
Seine Tätigkeit beschreibt er mit einem Augenzwinkern: „Ich suche immer. Entweder Patienten oder Pflegekräfte.“ Und das, obwohl er nur eine geringe Fluktuation von rund 1,5 Prozent bei seinen Mitarbeitern habe. „Wir zahlen vernünftig und haben einen vernünftigen Umgang. Es beschäftigt einen aber trotzdem ausreichend, immer gute Leute zu haben.“
Binder will in Furth nicht irgendwas bauen, sondern hat einen hohen Anspruch: Das Gebäude soll energieautark werden: Ein Niedrigenergiehaus mit Nachhaltigkeitsklasse ist das Ziel.
Neben speziellen Bausubstanzen soll es eine 30-KW-Photovoltaik mit einem 20-KW-Speicher geben. „Vom Fenster bis zur letzten Wand ist alles auf Nachhaltigkeit zertifiziert. Die Bürokratie ist zwar der Wahnsinn, aber wir ziehen das jetzt durch“, sagt er. Trotzdem müsse man die Kosten im Blick behalten. „Schließlich soll sich das in 25 Jahren rechnen und irgendwer muss das ja zahlen.“ Den Spagat beschreibt Binder so: „Ich will die Patienten nicht überlasten, ohne selbst beim Bürgergeld zu landen.“
Für den Neubau hat sich Binder deshalb entschieden, weil das Heim am Schießstättenweg in die Jahre gekommen ist und er täglich erlebt, dass Menschen mit Intensivpflege und Demenz in ganz Ostbayern keine Betreuungsplätze finden. Ende 2024 soll der Bau fertig sein – samt allen Außenanlagen.
Für das große Vorhaben in Furth hat sich Binder einen Partner gesucht: Markus Schmitt. Er wird verantwortlich sein für die Betreuung der beiden Demenzkranken-WGs. Schmitt sitzt in Köln und wollte eigentlich Steuerberater werden. Dann hat er Zivildienst gemacht und blieb in der klassischen Ambulanten Tourenpflege hängen. Als seine Großmutter dement wurde, lernte Schmitt kennen, was Angehörige und Kranke erleiden, wenn Pflege nicht gut läuft.
Was ist eine Demenz-WG?
Bei der Intensivpflegegruppe Opseo stieß er irgendwann auf das Konzept der Demenz-Wohngemeinschaften, das von Köln aus nun bundesweit verbreitet werden soll. Furth soll nach Bolsterlang im Allgäu und Krumbach der 3. Standort in Bayern werden.
Aber was ist eine Demenz-WG? Laut Schmitt unterscheidet sie sich von der stationären Altenpflege grundlegend durch die strikte Einbindung der Angehörigen. Unsere Pflegekräfte bekommen das Prinzip mit auf den Weg: „Wir sind nur Gäste.
Schmitt berichtet von Wohngemeinschaften, die selbst entscheiden, wie weit die Pflege gehen soll und was ihre Angehörigen wollen. Er erzählt von verteilten Verantwortlichkeiten für den Kanarienvogel und den Handwerker.
Und das funktioniert so reibungslos? Nein, sagt Schmitt. Das müsse man sich vorstellen wie in jeder Wohngemeinschaft. Die entstehenden Reibungsflächen wenn auf 500 Quadratmetern zehn Patienten und die Angehörigen aufeinandertreffen, müssten durch viel Kommunikation aufgearbeitet werden. Manchmal auch durch professionelle Mediation. “Das wird aber durch die Vorteile dieses Systems bei weitem ausgeglichen. Durch die weitestgehende Selbstbestimmung in einem direkten Umfeld des bisherigen Lebens und durch die Möglichkeit, ganz genau einzugrenzen, welche Hilfe man für den Angehörigen in Anspruch nehmen will. Dafür gebe es dann auch Zuschüsse aus der Pflegekasse.
Wie soll es nun in Furth konkret weitergehen? Schmitt will vier bis fünf Monate vor der Eröffnung des Heimes eine Pflegeleitung einstellen, die dann weitere Pflegekräfte sucht. Pro WG zwei für den Tag und eine für die Nacht. „Das ist ein sehr guter Schlüssel“, sagt Schmitt. Das System: „Mario Binder vermietet an uns, wir vermieten weiter an die Patienten.“ Wie langfristig? 15 Jahre plus X, sagt Schmitt, im Grunde für immer.