Organisation hilft Waldbesitzern in Neumarkt, ihre Wälder klimaresistent zu machen

Neumarkt. Im Landkreis Neumarkt gibt es 13000 Waldbesitzer. Viele von ihnen bewirtschaften ihren Wald aktiv – entweder selbst oder mit Hilfe einer Waldbesitzervereinigung, von denen es in der Region zwei gibt. Doch der Großteil kümmert sich nicht, noch nicht oder nur wenig um seinen Wald. Diesen Waldbesitzern will nun die gemeinnützige Organisation „Tree Planting Projects“ (TPP) unter die Arme greifen.
Und zwar vor allem beim Umbau zu einem Wald, der den neuen klimatischen Bedingungen trotzen kann. Die „Tree Planting Projects“ verstehen sich als Vermittler für Waldbesitzer, die aus verschiedenen Gründen ihren Wald nicht selbst so umbauen können, dass es ihn in einigen Jahrzehnten überhaupt noch gibt. Denn reine Kiefern- und Fichtenwälder verschwinden langsam, sie halten die immer wärmeren und trockeneren Sommer nicht aus. Neue Bäume zu pflanzen, die an ihre Stelle treten, hat sich die Organisation auf die Fahnen geschrieben.
Erste Informationen über TPP, seine Ziele und Preise für die Leistungen gibt es am Montag, 26. Juni, um 19 Uhr im Berggasthof Sammüller von TPP-Gründer Stefan Klingner. Mit dabei ist auch der Flächenbetreuer für die Region Neumarkt, Marlon Schäfer. Er kümmert sich nebenberuflich um Waldbesitzer in der Region Neumarkt, übernimmt den Austausch mit Behörden, Gespräche mit dem verantwortlichen Förster, beauftragt bei Bedarf Drittfirmen, organisiert Arbeitseinsätze mit Ehrenamtlichen und vieles mehr. Kurzum: Schäfer übernimmt all die Aufgaben, die ein Waldbesitzer selber übernehmen könnte, für die er jedoch keine Zeit oder Lust hat.
Viele Waldbesitzer im Landkreis Neumarkt erreichen
Als Partner wünscht sich Schäfer da vor allem die Waldbesitzervereinigungen im Landkreis – die WBV Parsberg und die WBV Berching-Neumarkt. Denn TPP strebe keine Konkurrenzsituation an, vielmehr eine Zusammenarbeit. Tatsächlich sei TPP bereits auf die WBV Berching-Neumarkt zugegangen, wie deren Geschäftsführer Daniel Rübens auf Anfrage unseres Medienhauses bestätigt. Er werde am Montag beim Infoabend auf Einladung der TPP ebenfalls anwesend sein und die Arbeit der Waldbesitzervereinigungen vorstellen.
Rübens hat vor allem eine Hoffnung: Dass „Tree Planting Projects“ diejenigen Waldbesitzer zu erreichen vermag, die bisher noch nicht in einer WBV organisiert sind. Und dabei geht es ihm vor allem um „urbane Waldbesitzer“ – Menschen, die einen Wald geerbt haben und schon lange nicht mehr in der Region wohnen. Angesichts dessen, dass es im Landkreis Neumarkt 13000 Waldbesitzer gibt, davon aber nur rund 5000 in einer WBV Mitglied sind, hat er keine Bedenken wegen einer Konkurrenz. Im Gegenteil: „Wir haben ein gemeinsames Ziel.“
Für Wald- oder Flächenbesitzer sieht die Kooperation mit TPP einen Dienstleistungsvertrag vor, der sieben Jahre lang läuft. So lange brauchen die Flächenbetreuer, um den Umbau mit den Waldbesitzern zu planen, alles Nötige mit den Behörden abzuarbeiten, Förderungen zu beantragen und die neu gepflanzten Flächen entsprechend zu pflegen. Ohnehin ist in den Förderrichtlinien eine Betreuungsdauer von fünf Jahren vorgesehen.
Wie Martin Schade, bei TPP verantwortlich für die externe Kommunikation, erklärt, seien für den Anschluss an den Dienstleistungsvertrag noch weitere Betreuungsverträge vorgesehen. Soweit ist man bei „Tree Planting Projects“ aber noch nicht. Denn die Organisation gibt es erst seit 2019. Seither hat TPP bereits 160000 Bäume gepflanzt und betreut rund 250 Hektar Wald – vor allem im Bereich Mittelfranken.
Expertise über Waldbau kommt vom Förster
Zunächst gehe es darum, Flächenbesitzer dazu zu animieren, mit ihrer Mitwirkung etwas für das Klima zu tun und beim Waldumbau mitzuhelfen. Die Teilnahme an der Infoveranstaltung ist für Interessenten kostenlos.
Wo die Expertise für den Waldumbau herkommt, erklärt wiederum Marlon Schäfer: Weil TPP bei der Betreuung von Waldbesitzern nur in einer Vermittlerrolle auftrete, komme die Expertise vor allem von den Förstern der Behörden, mit denen die Flächenberater die Förderanträge für die Bäume ausarbeiten. Aber dennoch: Die Flächenberater kommen vornehmlich aus der Forstwirtschaft, der Landwirtschaft und aus dem Garten- und Landschaftsbau.
Schäfer selbst absolviert derzeit ein Studium an der Fachakademie für Landwirtschaft, Fachrichtung Ernährungs- und Versorgungsmanagement, in Triesdorf. Die Arbeit für TPP macht er nebenbei. Jedoch könne er sich vorstellen, die Betreuung der Waldbesitzer in Neumarkt später hauptberuflich zu machen. Es gefällt ihm, dabei zu helfen, den Wald für kommende Generationen umzubauen und das Bewusstsein der Menschen fürs Klima zu wecken: „Ich bin froh, mit dieser Tätigkeit etwas Sinnstiftendes gefunden zu haben.“
