Übung am Ostbayernring bei Schwarzenfeld: Retter kletterten am Mast bis auf 50 Meter

Von Edgar Pielmeier · 18. Juni 2023 um 19:00

Für den Ostbayernring baut Netzbetreiber Tennet aktuell zwischen den Umspannwerken Etzenricht und Schwandorf neue Masten. Mast Nummer 83 bei der Kapelle Irrenlohe war am Samstag Schauplatz eines besonderen Trainings.

Tennet stellte den Mast, der zwar fertig, aber noch nicht in Betrieb ist, den freiwilligen Feuerwehren des Landkreises für eine Absturzsicherungsübung zur Verfügung und bezahlte die Anleiter.

Solche Übungen gehören zum regulären Ausbildungsplan der Freiwilligen Feuerwehren. Ein solcher Strommast als Übungsobjekt ist allerdings eine Besonderheit. Hans-Jürgen Schlosser, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Schwandorf, bedankte sich bei der Firma Tennet und betonte, dass es eine Reihe dieser Masten im Zuständigkeitsbereich der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Schwandorf gebe. Insofern sei diese Übungsmöglichkeit besonders für die Wehren im Trassenbereich wichtig.

Retter hatten Respekt vor der Aufgabe

Geübt werden sollten an diesem Tag die Theorie und die Praxis. Die Kommandanten beschäftigten Fragen wie zum Beispiel: Wie geht man als Einsatzleiter systematisch vor? oder Welche Hilfsmittel kommen zum Einsatz? Die Praktiker sollten die 50 Höhenmeter sicher bewältigen.

Schlosser unterschied die aktuelle Übung zur Absturzsicherung von einer sogenannten Höhenrettung. Diese falle in den Zuständigkeitsbereich der Berufsfeuerwehren entweder in Regensburg oder in Nürnberg. An der Übung beteiligten sich die Freiwilligen Feuerwehren aus Schwarzenfeld, Schmidgaden, Wernberg, Ettmannsdorf, Dürnsricht, Dachelhofen, Trisching, Krondorf-Richt, Gösselsdorf, Oberköblitz, Kaspeltub sowie die Regionalstelle des Technischen Hilfswerks.

16 Männer und zwei Frauen wollten an diesem Tag die Besteigung des Masts wagen. Voraussetzung war laut Schlosser die „G 26.3“, eine gesundheitliche Tauglichkeitsprüfung. Eine Übung in dieser Dimension führe man zum ersten Mal durch. Alle hätten Respekt vor der Aufgabe und stünden unter einer gewissen „Übungsanspannung“, so Schlosser.

Als Anleiter fungierten erfahrene Profis. Sie sind Mitarbeiter der Firmen Cteam Group, Electron Leitungsbau GmbH und SPie SAG GmbH, die im Streckenabschnitt Etzenricht- Schwandorf für Tennet die Masten aufstellen. Die tägliche Arbeit dieser Männer ist es, diese Masten aus vorgefertigten Einzelelementen zu errichten und in schwindelnder Höhe Teile zu verschrauben.

Sie erklärten das Sicherungssystem und kontrollierten das richtige Anlegen der Ausrüstung. Bevor es dann für die Teilnehmer auf den Mast ging, gab es noch Tipps wie: „Die Kraft muss aus den Beinen heraus kommen, nicht aus den Armen“. Als erstes nahmen dann die Profis ihre Positionen auf dem Mast ein. In fünfzehn Metern Höhe gab es für die Kletterer einen Zwischenstopp. Dort fand noch einmal ein Sicherheitscheck statt, bevor es dann auf die volle Höhe von 50 Metern ging.

Standardmast bei Irrenlohe ist 72 Meter hoch

Johannes Reinoso Guerra, Pressesprecher bei Tennet, erklärte, dass der Standardmast bei Irrenlohe 72 Meter hoch sei. Das Fundament mit einer Fläche von 13 mal 13 Meter bestehe aus 170 Kubikmetern Beton. Aufgrund der zunehmenden Einspeisung regenerativer Energien gerate der Ostbayernring regelmäßig an seine Kapazitätsgrenzen. Um die Versorgung für Oberfranken und die Oberpfalz auch zukünftig sicherzustellen, müsse man die Transportkapazitäten deutlich erhöhen.

Die erste Traverse des Masts auf 50 Metern Höhe bot den Übungskandidaten die Möglichkeit, sich kurz auszuruhen, bevor dann die nächste Herausforderung zu bewältigen war: Der Umstieg auf ein Seil, an dem sie anschließendend langsam in die Tiefe glitten. Dort wurden sie von den Kollegen in Empfang genommen und, als Fortsetzung der Übung, zur medizinischen Kontrolle in einen Krankenwagen gebracht. Vor Ort waren die Johanniter und das BRK.

Kreisbrandrat Christian Demleitner freute sich, dass eine Ausbildung unter solchen Gegebenheiten möglich war. Diese Einsatzübungen seien enorm wichtig, denn die Absturzsicherung sei Teil der regulären Feuerwehrausbildung. Er bedankte sich bei den beteiligten Feuerwehren für ihren Einsatz und den reibungslosen Ablauf. Jasmin Danisch fasste ihren Eindruck von der Kletterei so zusammen: „Saugeil“.

Einweisung in das Sicherungssystem: Mitarbeiter der Firmen, die die Masten errichten, fungierten als Anleiter. Foto: Pielmeier
Vor dem Aufstieg wurde an einem Simulator geübt. Foto: Pielmeier