Bei der Kinderfeuerwehr in Bergham lernen die Kleinen von den Erfahrenen – Jetzt feiert sie Jubiläum

Von Ulrike Wolf · 14. Juni 2023 um 19:00

Erste-Hilfe leisten, einen Notruf absetzen oder das Training mit dem eigenen Löschwagen: Spielerisch lernt der Nachwuchs, was zu tun ist. Kinderfeuerwehren gibt es inzwischen in Fischbach, Bruck, Bodenstein und Bergham.

Viele Vereine bieten schon Kindern im Vorschulalter eine Mitgliedschaft an. Nur bei der Feuerwehr dürfen erst Jugendliche ab zwölf Jahren anfangen. Das müsste doch auch früher gehen, dachte sich Franz Schuierer, der damalige Kommandant der Berghamer Feuerwehr, 2012. Und tatsächlich gab es auch im Landkreis Schwandorf schon in Neukirchen-Balbini eine Kinderfeuerwehr für Kinder ab sechs Jahren.

Schuierer und Reinhard Weber überlegten, ob sich das nicht auch in Bergham umsetzen ließe. Nach einem Infobesuch dort, folgte auch gleich ein Infoabend für die interessierten Eltern. Im Mai 2013 wurde die Kinderfeuerwehr Löschdrachen Bergham als erste Kinderfeuerwehr im KBM-Bereich Nittenau-Bruck gegründet.

Das Ziel: Kindern auf spielerische Weise die Gefahren von Feuer beizubringen. Gleichzeitig sollen der Zusammenhalt und der Gemeinschaftssinn gestärkt werden. Es gibt auch Abzeichen wie die Kinderflamme, bei denen die angehenden Feuerwehrler ihr Wissen beweisen müssen. Durch eine Gesetzesänderung sind Kinderfeuerwehren auch innerhalb des Feuerwehrvereins abgesichert.

Einmal monatlich werden Gruppenstunden in den Kinderfeuerwehren angeboten

Inzwischen gibt es Kinderfeuerwehren in Fischbach, Bruck und Bodenstein. Einmal im Monat bieten die Kinderfeuerwehren eine Gruppenstunde von etwa zwei Stunden Dauer an und das Angebot wird überall gut angenommen. Doch: Was macht man eigentlich in der Kinderfeuerwehr? Die MZ hat bei den Kinderfeuerwehren im KBM-Bereich Nittenau-Bruck vorbeigeschaut.

Die Kinderfeuerwehr Florentine Bodenstein übte im Januar das Absetzen des Notrufes und Erste Hilfe. Vorsitzender Robert Stettner erklärte: „Das Einzige, was ihr falsch machen könnt, ist nichts zu machen.“ Er selbst hat diese Übung organisiert und viel Unterstützung des ganzen Teams erhalten. Das Ziel des Tages war, dass jedes Kind einen Notruf absetzen kann, die stabile Seitenlage beherrscht und einen Druckverband anlegen kann.

Unterstützung erhielt die Gruppe vom First Responder aus Nittenau sowie dem RKT, der einen Rettungswagen samt Besatzung zur Verfügung stellte. Mit Theorie und praktischen Übungen wurde ein kindgerechter Erste-Hilfe-Kurs kreiert. In Rücksprache mit der Integrierten Leitstelle durfte sogar ein richtiger Notruf abgesetzt werden.

Bei den Feuerfunken in Fischbach gab es im Februar spannende Arbeit mit dem Experimente-Koffer. Manuel Huf probierte mit den Kindern aus, was brennt und was nicht. Mithilfe des Brenn-Dreiecks erklärte er, was ein Feuer zum Brennen braucht: Sauerstoff, brennbares Material und die Zündtemperatur. Fehlt eines der Drei, geht das Feuer aus. Die abgedeckte Kerze im Glas ging aus, weil der Sauerstoff fehlte. Auch andere interessante Materialien wie Plastik oder Stahlwolle wurden auf ihre Brennbarkeit getestet. Manuel Huf und Karl-Heinz Pongratz erklärten auch, warum manche Sachen brennen und warum nicht.

Bei der Fischbacher Kinderfeuerwehr sind derzeit 26 Mädchen und Buben. Meist werden sie in zwei Gruppen aufgeteilt und von drei bis fünf Betreuern beaufsichtigt. Auf spielerische Weise werden sie mit den Aufgaben der Feuerwehr vertraut gemacht.

Seit 2019 gibt es eine Kinderfeuerwehr in Bruck, die Brucker Blaulichtbande. Die Leitung hat Jasmin Hecht, vier bis fünf Aktive und einige aus der Jugendgruppe helfen ihr bei der Betreuung. Robert Weinfurtner zeigte mit dem Modellhaus, wie schnell sich Rauch verteilt, wenn man nicht aufpasst. Rauchvergiftungen bei eingeschlossenen Menschen sind nur eine Folge.

Ein Training mit dem eigenen Rüstwagen findet in der Gruppe Löschdrachen Bergham statt

Weinfurtner gab Tipps zum richtigen Verhalten in verrauchten Räumen und wie es am besten gar nicht dazu kommt, dass ein ganzes Haus voll Rauch ist: die Türen und Fenster schließen. So nimmt man dem Rauch die Luft, um sich zum Feuer entwickeln zu können. Beliebt bei den Kids sei auch Jenga-Spielen am Ende der gemeinsamen Treffen. Wichtig sei auch die Kameradschaft, so Hecht.

Die Löschdrachen Bergham durften im Juni die persönliche Schutzausrüstung kennenlernen. Rudi von Bornas zeigte den Kindern, was dazugehört und was nicht. Sie durften auch die Kleidung anziehen und sich wie echte Feuerwehrleute fühlen. Markus Reil machte mit der zweiten Gruppe einen Löschangriff mit dem kleinen Feuerwehrauto, das Thomas Söllner vor einigen Jahren gebaut hatte und das alle Ausrüstungsteile des Rüstwagens hat. Hier galt es, zusammenzuarbeiten: Schlauch ausrollen, an den Hydranten anschließen, Schläuche zusammenkuppeln – Wasser marsch. Und danach natürlich wieder aufräumen.

Viel ist seit der Gründung im Mai 2013 passiert. Inzwischen besuchen bis zu 33 Kinder die Gruppenstunde der Löschdrachen. „Wir werden wohl mehrere Gruppen machen müssen“, meinte von Bornas. Das zehnjährige Bestehen wird mit einem Fest am 8. Juli beim Feuerwehrhaus Bergham gefeiert. Offiziell geht es los ab 16Uhr mit einer Vorführung der Kinderfeuerwehr für alle Eltern und Besucher. Alle Interessierten sind selbstverständlich eingeladen. Die Löschdrachen freuen sich, wenn viele mitfeiern.

Zum Üben des Löschangriffs haben die Löschdrachen aus Bergham ihr eigenes Fahrzeug. Foto: Ulrike Wolf
Der neugierige Nachwuchs durfte probeweise in den Schutzanzug schlüpfen. Foto: Ulrike Wolf