Metzgerei Weihrich schließt endgültig – Ab September sind alle drei Filialen zu

1966 gründete das Ehepaar Xaver und Rita Weihrich die Metzgerei, die im Landkreis Neumarkt mittlerweile drei Filialen hat. Das Familienunternehmen, das Martina und Stephan Föhl seit 2001 gemeinsam führen, wird ab September vollständig schließen.
„Man kann mit einem solchen Betrieb nicht einfach kürzer treten“, erklärt Stephan Föhl, warum er und seine Frau sich zu dem Schritt entschlossen haben. „Entweder man gibt Vollgas oder man lässt es sein“, pflichtet ihm Martina Föhl bei. Die beiden würden mindestens 70Stunden in der Woche arbeiten, das wollten sie nicht mehr. „Ich bin mittlerweile 60Jahre alt, meine Frau etwas jünger. Wir werden schon weiterhin was machen, aber in einem normalem Ausmaß“, erklären die Föhls ihre Situation.
Fachkräfte fehlen überall
Ebenso seien sie, wie die meisten Branchen im Moment, vom Fachkräftemangel betroffen. Manchmal hätte der Laden am Nachmittag geschlossen, weil das Personal fehle, oder Aufträge hätten nicht angenommen werden können.
Auch der Partyservice kann schon länger nicht mehr wie ursprünglich betrieben werden. „Früher hatten wir immer auch den Service mit im Angebot, aber das können wir nicht mehr machen. Servicekräfte für abends und wochenends findet man einfach nicht“, sagt Stephan Föhl. Er selbst übernehme das auch manchmal, aber irgendwann werde es einfach zu viel. „Es tut auch weh, wenn man merkt, dass man manche Dinge nicht mehr schafft.“
Dabei befände sich das Ehepaar in einer guten Situation, denn sie würden schuldenfrei aus der Selbstständigkeit gehen. Viele wären dazu gezwungen weiter zu machen, weil sie ihre Investitionen abbezahlen müssten.
An Arbeit würde es ihnen aber auch nach der Schließung nicht fehlen. „Wir haben schon mehrere Angebote bekommen, in anderen Metzgereien anzufangen. Heute spielt das Alter da keine Rolle mehr“, erzählt Stephan Föhl.
Martina Föhl ist eine von vier Töchtern des Ehepaares Weihrich. Sie sei bereits mit der Metzgerei aufgewachsen, erzählt sie. „In der dritten Klasse war es normal, dass ich nach der Schule noch im Laden stand.“ Auch ihr Mann hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Er kommt aus einer Metzgerfamilie in Düsseldorf.
Auch eine weitere Erfahrung haben die beiden in ihren Familien gemeinsam. Die Mutter von Stephan Föhl wie auch Xaver Weihrich seien an Krebs erkrankt und hätten den Betrieb noch weiterführen müssen. „Das wollten wir nicht, deshalb hören wir auf, bevor wir zu alt sind“, erzählt Martina Föhl.
Es gibt keinen Nachfolger
Dabei hätten sich die Föhls vorstellen können, die Metzgerei Weihrich in die nächste Generation zu geben, wenn eines ihrer Kinder Interesse gehabt hätte. Allerdings seien diese andere berufliche Wege gegangen. „Wir wurden damals gar nicht gefragt“, sagt Stephan Föhl und lacht.
Einen Nachfolger außerhalb der Familie zu suchen, sei ebenso nicht in Frage gekommen. Einen solchen Betrieb kaufe heute keiner, weil die Fachkräfte weiterhin fehlten. Außerdem hätten sie in einem solchen Fall auch nicht loslassen können. „Man übergibt nicht nur die Schlüssel, sondern arbeitet noch lang mit. Wir könnten uns dann nicht komplett raushalten“, sind sich beide einig.