Nur ein paar Apotheken im Landkreis halten die Stellung – Ruhiger Protest

Von Tanja Fenzl · 14. Juni 2023 um 19:00

Schniefend steht die junge Frau im weißen Sommerkleid vor der einen Spaltbreit geöffneten Schiebetür der Marien-Apotheke auf dem Chamer Marktplatz. Unbeeindruckt vom Apotheker-Streik im Landkreis will sie nur eins: so schnell wie möglich ihre verordnete Medizin. Die Informationsblätter, die an der Glastür kleben, und die Infotafel vor dem Eingang, die die Protestaktion erklären, interessieren sie nicht.

Überhaupt: Der Andrang bei der einzigen geöffneten Apotheke in Cham an diesem Mittwoch hält sich in Grenzen.

Kurzer Andrang mittags

Nur über die Mittagszeit stehen einmal kurze Zeit drei Personen gleichzeitig an – das sei aber auch während eines normalen Wochenend-Notdienstes durchaus üblich, sagt eine Angestellte der Apotheke, die dem Kunden vor ihr eine Packung Tabletten durch das Notdienstfenster reicht.

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Wie berichtet, hatten sich die Apotheker im Landkreis wie in ganz Bayern der bundesweiten Aktion der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände angeschlossen. In der Ankündigung des Protesttags machten die Apotheker auf die Engpässe bei verschiedenen Medikamenten aufmerksam, aber auch auf den zunehmenden Mehraufwand der Pharmazeuten in Sachen Bürokratie. „Auf Bundesebene müssen deshalb die Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es den Apotheken insbesondere im ländlichen Raum ermöglichen, auskömmlich zu arbeiten“, so eine der Forderungen.

Apotheker fordern mehr Geld

Dazu gehöre zum Beispiel, dass der Bund die eingeführte Erhöhung des Apothekenabschlags wieder streiche und die Festzuschläge, die seit zehn Jahren nicht erhöht worden seien, anpasse, damit die Leistungen der inhabergeführten öffentlichen Apotheken angemessen und gerecht honoriert werden. „Auch die Entschädigung für das Management bei den vielen Lieferengpässen ist mit 50 Cent pro Fall unangemessen niedrig“, betonen die Apothekerverbände.

Rechenbeispiel aus der Praxis

Ein Rechenbeispiel dazu liefert auch Wilfried Eschenwecker, Inhaber der Marien-Apotheke. „Bei einem Arzneimittel, das zum Preis von 100 Euro inklusive Mehrwertsteuer abgegeben wird, verdienen wir unterm Strich 8,54 Euro.“ Der Betrag setze sich zusammen aus dem so genannten Fixzuschlag in Höhe von 8,35 Euro plus 2,19 Euro variablem Zuschlag (drei Prozent) abzüglich zwei Euro „Zwangsrabatt für die Krankenkassen“, erläutert Eschenwecker, der seit 1978 die Apotheke am Chamer Marktplatz betreibt. Die letzte größere Preiserhöhung hat er vor 20 Jahren miterlebt. „Wenn man rundherum schaut, was sich in 20 Jahren alles um wie viel verteuert hat, ist das schon traurig“, sagt der Pharmazeut. Neben der schlechten Honorierung – „der Staat verdient an dem 100-Euro-Medikament deutlich mehr als wir Apotheker, circa 16 Euro“ – macht Eschenwecker wie all seinen Kollegen auch der zunehmende bürokratische Aufwand zu schaffen. „Wir müssen immer mehr dokumentieren, gleichzeitig haben wir, wie in vielen Berufen, mit einem zunehmenden Personalmangel zu kämpfen.“

Hopp unterstützt Aktion

Unterdessen wurde am Mittwoch bekannt, dass die CSU-Fraktion die Rahmenbedingungen für Apotheken verbessern will.

Mit einem Dringlichkeitsantrag unterstütze die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag die Apotheken in Bayern und im Landkreis Cham, teilte der Rundinger Landtagsabgeordnete Gerhard Hopp mit. „Apotheker sind Gesundheitsdienstleister ganz nah an den Patienten. Ziel ist es, in Bayern die bewährte flächendeckende Arzneimittelversorgung über die Apotheken vor Ort zu erhalten und deren Leistungen angemessen und gerecht zu honorieren.“ Die Fraktion unterstütze Bayerns Gesundheitsminister, Klaus Holetschek, der frühzeitig agiert habe - Stichworte „Task force“ und Vorgehen gegen Arzneimittelengpässe. Bayern handle, der Bund müsse dem Beispiel endlich folgen - und die Sparmaßnahmen rückgängig machen, betonte Hopp weiter. „In den vergangenen Monaten und Jahren haben unsere Apotheken Herausragendes geleistet, um die Herausforderungen durch Corona, Grippe, Lieferengpässe bei verschiedensten Medikamenten oder Fachkräftemangel zu meistern. Die Ampelregierung im Bund darf die Herausforderungen der Apotheken nicht länger ignorieren – gerade an einem Tag wie heute stellen wir uns an die Seite der Apotheken.“

Kunden reagieren verständnisvoll

Die Kunden, die von dem Protest Notiz nahmen, hätten im Übrigen sehr verständnisvoll reagiert, sagt Apotheker Eschenwecker, der am Mittwoch aufgrund des regulären Notdienstplans wie drei seiner Kollegen im Landkreis in Schorndorf, Waldmünchen und Arnschwang die Notversorgung mit Medikamenten im Landkreis aufrecht hielt. „Es waren auch ein paar mehr als in einem üblichen Notdienst“, sagt er, doch habe er eigentlich im Vorfeld mit mehr Andrang gerechnet.

Eine Frau im schwarzen T-Shirt stoppt kurz darauf abrupt vor der verschlossenen Apothekentür. „Was ist denn da los?“ – Sie hat von dem Protest nichts mitbekommen.

Frustiert wegen Honorierung und Bürokratie: Apotheker Wilfried Eschenwecker begrüßt die bundesweite Protestaktion.