"Wir trauern lebenslänglich"
Kelheim (DK) Ihre Eltern beschreiben Margit Ruhstorfer als offen, lebensfroh und allseits beliebt. 20 Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter ist deren Wesen Renate und Karl Ruhstorfer noch sehr präsent. Dabei fand das Leben der 31-Jährigen ein jähes Ende. Am 9. Juni 1997 begegnete sie beim Joggen auf einem Waldweg beim Kelheimer Frauenhäusl zufällig ihrem Mörder - und wurde von dem Schreinergesellen erwürgt.
Der Joggerinnen-Mord ist noch heute im kollektiven Gedächtnis der Region gegenwärtig. Nach den damaligen Erkenntnissen des Gerichts muss die Sozialpädagogin verzweifelt um ihr Leben gekämpft haben. Doch gegen den 1,91 Meter großen und kräftigen 19 Jahre alten Täter, der mit einem dünnen Stahlseil bewaffnet war, hatte sie keine Chance. Die Polizei überprüfte daraufhin rund 8500 Mofafahrer und mehr als 1000 VW-Golf-Besitzer. Die ermittelnden Beamten nahmen beim bis dahin größten Kriminalgentest Bayerns Speichelproben. Die 420. Probe, die genau ein Jahr nach dem Mord genommen wurde, führte zum Ermittlungserfolg. Die Eltern, Karl und Renate Ruhstorfer, haben nun über das tragische Geschehen gesprochen.
Herr und Frau Ruhstorfer, welche Gefühle und Erinnerungen haben Sie heute nach 20 Jahren an die damaligen Ereignisse?
Karl und Renate Ruhstorfer: Obwohl wir täglich in Gedanken bei Margit sind, fehlt sie uns, den Eltern, dem Bruder Karl mit seiner Familie und auch ihrem Lebensgefährten Thomas und dessen Schwester Christiane sehr. Unsere Tochter hatte einen großen und innigen Freundeskreis. Sie hat so gerne gelacht. Margit war für jeden Menschen da, schon ihr Beruf sagt das aus. Sie suchte immer Gerechtigkeit. Margit war durch ihr angenehmes und einfühlsames Wesen sowie durch ihre überaus große Hilfsbereitschaft geschätzt und beliebt.
Wie haben Sie die schweren ersten Jahre nach dem Tod Ihrer Tochter meistern können?
Karl und Renate Ruhstorfer: Wir trauern lebenslänglich. Der Mörder hat nicht nur das Leben unserer Tochter, sondern auch unser Leben zerstört. Wir mussten unsere Metzgerei aufgeben, weil wir es gesundheitlich nicht mehr schaffen konnten. Aber wir sind noch heute dankbar, dass uns nach dieser so unmenschlichen und furchtbaren Tat so viele Menschen zur Seite standen. Wir denken da zunächst an unsere Verwandten, guten Freunde und Bekannten, aber auch an die große Anteilnahme der Abensberger Bevölkerung.
Sie erwähnten auch den Weißen Ring.
Karl und Renate Ruhstorfer: Dem Weißen Ring gebührt ganz großer Dank. Die damaligen Leiter dieser Einrichtung, die Familie Henning aus Ihrlerstein, haben großen Anteil daran, dass wir mit diesem schmerzlichen Schicksal nicht nur leben lernten, sondern es dann auch einigermaßen konnten. Wir sind mit den Hennings heute noch eng verbunden.
Wie ist das Leben ohne Margit?
Karl und Renate Ruhstorfer: Immer wiederkehrende Tage sind besonders schwer, Weihnachten, Geburtstage, Muttertag. Margit war Taufpatin von Marina, der Tochter ihres Bruders Charly. Sie wollte immer, dass es uns allen gut geht. Nach außen sind wir wohl gefasst und anders, aber in unseren Herzen herrscht tiefe Traurigkeit und Schmerz. Wir sagen, immer wenn wir traurig sind, leidet sie darunter.
Es gibt ja immer wieder Verhandlungen wegen der Sicherungsverwahrung und sogar Schadenersatzforderungen des Täters gegenüber dem Freistaat.
Karl und Renate Ruhstorfer: Eigentlich wollten wir dazu nichts mehr sagen. Aber wenn man sieht, wie nobel dieser Mörder untergebracht ist und dass er vor einigen Monaten noch eine Entschädigung von mehreren Tausend Euro bekommen hat, dann gibt uns das einen Stich mitten ins Herz. Das ist eine Verhöhnung des Opfers und der Hinterbliebenen. Es ist schlimm, dass sich Rechtsanwälte für so etwas hergeben. Manchmal haben wir das Gefühl, dass Täterschutz höher gewichtet wird als der Opferschutz. Ist das Gerechtigkeit? Das verstehe, wer will.
Das Gespräch führte
Peter Hübl.