Vor 1250 Fans: Seebach ärgert Drittligist Regensburg eine Halbzeit – doch Doppelpacker Jakob Seibold macht beim 4:1 den Unterschied

1250 Zuschauer, darunter mehr als 600 lautstarke Jahn-Fans, erleben im Waldstadion einen Pokalabend, der zunächst sogar nach der Sensation riecht. Bei 28 Grad und besten Bedingungen hält der Landesligist den Drittligisten eine Halbzeit lang in Schach – und führt sogar.
Regensburg-Coach Sascha Hildmann rotiert nach dem 5:2 bei Viktoria Köln gewaltig: Nur Erik Majetschak bleibt in der Startelf, zehn Neue beginnen. Im Tor steht Max Schmitt, Jungprofi Jakob Seibold (20) aus Neureichenau erhält ebenfalls seine Chance. Belastungssteuerung ist ein Thema, schließlich wartet am Sonntag das erste Drittliga-Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken.

Seebach muss dagegen improvisieren. Simon Griesbeck wird mit Leistenproblemen gerade noch rechtzeitig fit, Neuzugang Lukas Semmler fehlt wegen der noch ausstehenden Freigabe vom 1. FC Passau. Dann der Paukenschlag: 10. Minute, Elfmeter für Seebach. Griesbeck wird im Strafraum gefoult, tritt selbst an und schickt Schmitt in die falsche Ecke – 1:0. Die Jahn-Bank erstarrt.
Regensburg hat mehr Ballbesitz, findet aber zunächst kaum ins Spiel. Der unebene Rasen kommt dem Außenseiter entgegen. John Xaver Posselt trifft in der 14. Minute nur die Latte, in der 27. kratzt Marius Weiderer einen Schuss von Arian Dizdarevic gerade noch von der Linie. Seebach führt zur Trinkpause tatsächlich noch immer.
Nach 35 Minuten muss Torschütze Griesbeck dann wegen seiner Leiste runter. Kurz darauf fordert der Jahn nach einem Zweikampf zwischen Posselt und Obernhuber Elfmeter – Schiedsrichter Fabian Büchner (Mariakirchen) lässt weiterspielen. Dann fällt doch der Ausgleich: 43. Minute. Der eingewechselte Patrick Hobsch legt für Dizdarevic auf, der trocken ins lange Eck trifft – 1:1.

Nach der Pause wird der Jahn stärker. 59. Minute: Benedikt Bauer wird im Strafraum zu Fall gebracht. Kapitän Robin Ziegele verwandelt den Elfmeter links unten – 2:1. Jetzt bekommt Regensburg Rückenwind. Jakob Seibold zieht in Minute 67 von rechts nach innen und schiebt den Ball flach ins kurze Eck. Ein herrliches Tor des Neureichenauers – 3:1.
Seebach kommt nun kaum noch zu Entlastungsangriffen, gibt sich aber nicht auf. Die Jahn-Fans feiern weiter, während sich die Partie zunehmend beruhigt. Kurios: Wegen der anbrechenden Sonnenfinsternis hätten die Zuschauer auf dem Sportgelände durchaus etwas mehr Licht gebrauchen können; einige verlassen bereits das Stadion, um einen Blick zum Himmel zu erhaschen. Doch Seibold sorgt auf dem Rasen erneut für Erhellung: Freistoß aus 17 Metern – Tor. 4:1 (88.). Damit ist der Pokalabend entschieden. Für Seebach bleibt trotz des 1:4 vor allem eines: Stolz. Der personell gebeutelte Landesligist hat dem Drittligisten lange alles abverlangt und sich teuer verkauft. David fiel nicht – aber er hat Goliath ordentlich erschreckt.
„Ich bin unfassbar stolz auf meine Mannschaft, was sie gegen den Jahn geleistet hat. Wir gehen in der ersten Halbzeit sogar mit 1:0 in Führung. Nach einer Stunde haben wir natürlich dann gemerkt, dass die Kräfte nachlassen. Hut ab, wir haben uns vor dieser Kulisse prächtig präsentiert. Regensburg musste wirklich was tun, um eine Runde weiterzukommen“, sagte nach der Partie Seebachs Coach Andreas Kölbl.
Für Jahn-Coach Sascha Hildmann war es „das erwartet schwere Spiel“. Für Seebach ist es das Spiel des Jahres. „Die haben sich mit allem gewehrt, was sie haben. Dazu kommen noch die schwierigen Platzverhältnisse. Aber heute ist es nicht darauf angekommen, einen Schönheitspreis zu gewinnen, sondern dass wir erfolgreich sind. Dazu musst du einen langen Atem haben, viel Geduld aufbringen. Am Ende haben wir es dann sehr souverän gespielt, ich bin sehr glücklich über den Sieg.“