Zwei Mark pro Person: Als der erste Volksfestbus durch Neumarkt fuhr

Von Nicole Selendt · 12. August 2026 um 19:00

Wer auf dem Volksfest ein bisschen zu tief ins Glas geschaut hat, der fährt natürlich nicht mehr mit dem Auto heim. Es gibt ja den Volkfestbus. Ganz früher gab‘s das nicht. Erst im Jahr 1985 wurde in Neumarkt erstmals ein solches Angebot eingeführt. Warum ein Neumarkter Brauerei-Chef darüber erstmal gar nicht glücklich war, verrät Franz Xaver Gloßner, damaliger Chef der Neumarkter Glossner-Bräu.

Gloßner war zusammen mit seinem früheren Einkaufsleiter Kaspar Baumeister Initiator der Buslinien. Die Brauerei verlangte im ersten Jahr 1985 für den Heimfahr-Service mit einer der acht Linien zwei Mark. Eine Busflotte der Firma Merz Reisen fuhr um 22.45 Uhr ein erstes Mal los und brachte Volksfestbesucher bis in die äußersten Ecken des Landkreises Neumarkt nach Hause. Eine zweite Flotte startete dann nochmal um Mitternacht und fuhr die restlichen Gemeinden und Städte an.

Auch die Bundesbahn zog mit: Halber Preis für Volksfestbesucher

Wie Gloßner und Baumeister auf die Idee gekommen waren, die Busse anzubieten? „Damit die Leute sicher und gesund nach Hause kamen“, sagt Baumeister. „Und damits noch eine Maß mehr trinken konnten“, sagt Gloßner augenzwinkernd. Auch drei Jahre später, in den Jahren 1988 und 1991 – die Glossnerbrauerei belieferte das Volksfest erneut mit Festbier – wurden wieder die Volksfestbusse angeboten. Diesmal zwar nur innerhalb der Stadt Neumarkt, dafür aber stündlich von 17.30 Uhr bis spät in die Nacht hinein – für einen Unkostenpreis von einer Mark, bzw. 1,50 Mark pro Person. Kinder bis sechs Jahre fuhren umsonst.

Und auch die Bundesbahn ließ sich darauf ein, Volksfestbesucher vergünstigt zu befördern. So zahlten Passagiere aus Amberg, Velburg, Altdorf und Freystadt nur die Hälfte des Fahrpreises, um zum Volksfest oder wieder heim zu kommen.

Nach 1991 übernahmen dann die Stadtwerke die Volksfestlinien – und weiteten schließlich das Angebot auf das ganze Jahr aus: Der Neumarkter Stadtbus war geboren. Und so profitierten in den folgenden Jahren auch die anderen beiden Neumarkter Brauereien davon, dass ihre Gäste sicher und bequem von Volksfest nach Hause kamen. Allerdings erinnert sich Gloßner noch gut daran, dass sich einer der anderen Brauerreichefs bei ihm über die Busse beschwert hatte. Warum?

Stadtwerke übernehmen das Angebot, Brauereien zahlen weiter mit

Gloßner hatte mit den Stadtwerken ausgehandelt, dass die Brauereien sich auch weiterhin an der Finanzierung der Volksfestlinien beteiligen. Denn die seien angesichts der niedrigen Fahrpreise von teil nur „einem Markl“ von Anfang an ein Draufzahlgeschenk gewesen. So sollte pro Hektoliter ausgeschenktem Bier die Brauerei, die das Volksfest grade beliefert, jeweils einen Euro mitfinanzieren. Bei einer jährlich ausgeschenkten Biermenge von etwa 1000 Hektoliter eine stolze Summe von 1000 Euro. Welcher der beiden anderen Brauereichefs Gloßner diesen Handel übel genommen haben soll, will Gloßner mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht allerdings nicht mehr verraten.

Heute gibt es in Neumarkt für die Zeit des Volksfestes erneut Buslinien mit einem detaillierten Fahrplan, der online abrufbar ist. Es sind Einzelfahrkarten, ermäßigte Tarife und Familientarife möglich. Wer ein Volksfest-Ticket für einen längeren Zeitraum kauft, bekommt bei einem Familien-Ticket noch eine Essensmarke im Wert von sechs Euro mit dazu, bei einem Einzelticket eine Essensmarke im Wert von vier Euro.

An Aktionstagen wie den Familiennachmittagen, dem Seniorennachmittag oder dem Tag der Pferde- und Fohlenschau am Montag gelten die Fahrkarten schon ab Mittag bwz. ab Betriebsbeginn, ansonsten ab 17.11 Uhr.