Vom Dom bis zur Donau: Regensburg bekommt sein eigenes Märchenbuch

Autor und Dozent Dr. Bernd Flessner veröffentlichte im Juli gemeinsam mit seiner Tochter Hannah das „Regensburger Märchenbuch“. Ursprünglich stammt der Autor aus Ostfriesland, aber eine Verbindung zur Oberpfalz und zu Regensburg gab es schon durch ein vorheriges Buch („Die 111 schönsten Orte in der Oberpfalz“) und Freunde in Regensburg. „Wir finden die Stadt traumhaft“, sagt er über sich und seine Frau.
Als der Marzellen Verlag eine Anfrage für ein Regensburger Märchenbuch stellte, übernahm Flessner sofort den Auftrag. Viele bekannte Orte, die die Heldinnen und Helden der Märchen entdecken, sind wiederzuerkennen: so spielen sich die Geschichten beispielsweise im Regensburger Dom, der Steinernen Brücke oder dem Salzstadl ab.
Emotionale Sache
Geld dürfe dabei laut ihm nicht das Motiv sein, für den Autor ist dieses Buch vielmehr eine emotionale Sache. Begonnen hat seine Liebe zum Schreiben und zu Kinderbüchern bei der „Sendung mit der Maus“, zu der er als Student durch Zufall gestoßen war. „Wenn man für die Maus schreibt melden sich verschiedene Verlage bei einem, daher war ich in der glücklichen Lage, nie etwas anbieten zu müssen“, erzählt Flessner über die Branche. Als Zukunftsforscher ist einer seiner Schwerpunkte auch die Zukunft der Medien, also auch des Mediums Buch. „Da ist ein bisschen Krise angesagt, was mit Smartphones und Social Media zusammenhängt.“ Dennoch vertritt Flessner eine optimistische Ansicht: „Das Lesen wird uns aber erhalten bleiben“. Er sehe das bei eigenen Lesungen: wie viele Kinder kommen und wie viel sie auch schon wüssten.

Auch seine Tochter war als Kind bereits viel in seine Arbeit für die Sendung mit der Maus involviert und habe viele eigene Ideen mit eingebracht. Durch die Co-Autorenschaft des Märchenbuches haben die beiden sich bei den insgesamt 18 Märchen immer mit dem Geschichtenschreiben abgewechselt. Das Besondere dabei ist, dass Vater und Tochter die Märchen neu erzählt haben. Da Märchen auf der Oralitätstradition beruhen gibt es so etwas wie ein „Original“ nicht. Trotzdem nutzten die beiden Autoren historische Märchen aus den Regensburger Stadtbibliotheken als Grundlage, die sie aber hier und da anpassten und auch moderner gestalteten. „Sehr wichtig bei einem neu erzählten Märchen ist, dass es eine gute Story ist. Es muss spannend und humorvoll sein, und die Kinderfiguren sollten einen kritischen Abstand zur Erwachsenenwelt haben, damit Kinder sich darin wiedererkennen. Auch Geschlechterneutralität ist uns extrem wichtig, es muss Gleichberechtigung im Märchen herrschen“, erzählt Flessner über das Schreiben. Dabei gelingt ihm der „Reality-Switch“, wie er sagt, zwischen dem Schreiben akademischer Texte und Kinderbücher problemlos. „Kinder verstehen alles ganz anders, sie spinnen alles mit Fantasie weiter“, berichtet Flessner. „Neulich habe ich mal eine Geschichte über ein schwarzes Loch vorgelesen und ein Kind fragte: ‘Wo kann ich das denn kaufen?‘“. Zum Vorlesen ist er selbst öfter in Regensburg in den Stadtbibliotheken zu Besuch. Auch sein eigener vier-jähriger Enkel hört ihm gerne zu.
Persönlicher Erholungsort
Gerade arbeitet Flessner wieder an einem wissenschaftlichen Buch über KI und Medien. „Manchmal nervt es mich aber, wenn ich eine Quelle zum Beispiel nicht mehr finde. Dann öffne ich einfach was anderes und schreibe daran weiter“ – die Kinderbücher sind und bleiben somit auch sein persönlicher Erholungsort.