Zu den gestiegenen Zahlen essgestörter Mädchen: Knochen? Très chic!
Dünn sein ist in. Das ist aber kein neuer Trend. Wer als junge Frau in den 2000er und 2010er Jahren aufgewachsen ist, hat so manche Stunden vor dem Spiegel verbracht und vermeintliche Speckröllchen gezählt. Warum sieht mein Lieblingsstar so perfekt aus – und ich nicht? Würde Heidi mich auserwählen, um über den Laufsteg von „Germanys Next Topmodel“ zu staksen? Dass viele prominente Frauen persönliche Trainer und Köche haben, um ihren Körper, ihr Kapital, so zu erhalten, wussten wohl die wenigsten Teenager. Dennoch war die Enttäuschung groß, als die Waage trotz Kurzdiät aus der „Bravo“ weiter Normalgewicht anzeigte.
Früher zerstörten Klatschblätter und Castingshows das Selbstbewusstsein junger Mädchen, heute sind es die sozialen Medien. Und obwohl eine nicht unbedeutende Gegenbewegung dem Körperkult den Kampf ansagt und regelrecht „Iss die verdammten Pommes und sei glücklich!“ schreit, gehen diese Stimmen im Algorithmus vieler Nutzer unter. Auf TikTok und Co. interessiert eben mehr, wie viele Apfelschnitze Influencer am Morgen essen und ob sich die Internetstars der 2020er Jahre auch mal Kohlenhydrate gönnen.
Egal, ob junges Mädchen oder erwachsene Frau: Jede muss den Druck, schön zu sein, aushalten. Dass immer mehr ihren Kampf mit dem eigenen Körper in Kliniken austragen müssen, wundert nicht. Wenn sichtbare Rippen und Hüftknochen als Hashtags viral gehen, steht fest: Der Algorithmus frisst uns einmal alle auf.