Riesenrad, Autoscooter, Schießen: Diese Schausteller sorgen am Further Volksfest für Spaß

Am Eingang begrüßt die Besucher schon als erste Attraktion ein nicht allzu großes Riesenrad – ein „Kleinrad“? Andererseits fügt es sich perfekt in die Beschaulichkeit des Volksfestes ein. Dabei gibt es auf dem ersten Further Drachenstichvolksfest im Landkreis Cham auf dem neuen Festplatz nach der Landesgartenschau noch einiges mehr zu entdecken. Besonders die Schausteller und Beteiligten haben viel zu erzählen. Und für die MZ-Reporterinnen auch auszuprobieren.
Seit Samstag hat das Volksfest geöffnet und ist trotz der heißen Temperaturen gut besucht. Vor allem Familien und Besucher des Drachenstichs werden von dem Angebot der Buden und Fahrgeschäfte angezogen.
Von jeder Seite schallt Musik, die Sinne werden geflutet mit bunten Lichtern, Stimmengewirr und Essengerüchen. Dabei gehen diejenigen, die das Volksfest erst so richtig zum Leben erwecken, oft unter: die Schausteller. Ohne sie gäbe es keine Dosen zum Umwerfen, keine Preise bei der Schießbude zu gewinnen und kein Karussell zu fahren. Nur wenige dürften die Geschichten und Gesichter hinter den Buden kennen. Und das, obwohl die meisten buchstäblich „geborene Schausteller“ sind und viel zu erzählen haben. Hier sollen sie zu Wort kommen und selbst ins Scheinwerferlicht gestellt werden.
Der „Wilde Böhme“: Michael Böhmes Riesenrad ist nicht zu übersehen und kein Gast ist sicher vor Schabernack
Michael Böhme hat seinen Spitznamen vor zehn Jahren gemeinsam mit dem Wachstum seines wilden Bartes erlangt: Beides trägt er seit zehn Jahren. Sein 15 Meter hohes Riesenrad indes hat er schon im Jahr 2000 gekauft und seine Go-Kart-Bahn dadurch ersetzt. Die Gäste des Riesenrads seien ihm nämlich lieber.
Während er sich bei seiner Kartbahn wohl öfter über die Kunden geärgert hat, „ärgert“ er die bei seinem Riesenrad lieber selbst. Verschlossen hinter den Türen der Gondeln sind sie wehrlos unvorhersehbaren Wasserfontänen ausgesetzt. Bei der Hitze ist das allerdings für die meisten eine sichtlich willkommene Abkühlung. Sein Riesenrad ist vielleicht nicht das weltgrößte – oder landkreisgrößte –, aber Böhme macht es durch den „Schabernack“, den er mit seinen Besuchern treibt, dennoch zu einer Attraktion.
Bei mir wirds nicht langweilig.Michael Böhme
„Bei mir wirds nicht langweilig“, stellt er sich dem Klischee der trägen Riesenradfahrt entgegen. „Aber jetzt gerade ists langweilig“, stellt er fest, dreht sich abrupt um und schnappt sich seine Wasserpumpe. „Frisch gewaschen!“, verkündet er, als er unter fröhlichem Gekreische der Kinder und Erwachsenen die Gondeln einer kalt-nassen Dusche unterzieht.
Der 65-Jährige mit dem prägnanten Bart kommt selbst nicht aus Furth, sondern aus Karlsruhe. Mit seinem kleinen Riesenrad ist er aber in ganz Süddeutschland unterwegs. Dem „Wilden Böhme“, der ohne seinen Bart einst der „Zahme Böhme“ war, wie er selbst sagt, gefällt alles an seiner Arbeit, besonders aber, dass er sein eigener Chef ist und „nicht mehr Sklave seiner Arbeit“. Hart arbeitet er trotzdem: Mit nur einem Helfer baut er selbst jedes Mal das Riesenrad innerhalb von nur acht Stunden auf.
Geschäftlich ist er heuer das erste Mal in Furth, bisher gefällt es ihm gut – „nett und gemütlich“, wie er sagt. „Nur ein bisschen kühler könnte es um die Mittagszeit sein“, findet er.
Der Optimist: Autoscooter-Inhaber Adolf Sonntag hofft auf Zukunft des Festes

Die morgendlichen Probefahrten, die macht Adolf Sonntag immer noch gerne, auch wenn er sonst nicht mehr fährt: „Es macht immer noch Spaß“, sagt der Betreiber des Autoscooters. Schon seit 38 Jahren dürfen sich dank Sonntag Groß und Klein in Furth bei Musik, Nebel und bunter Beleuchtung durch die Bahnen jagen.
Die Zeiten seien schneller geworden, das merkt auch er: „Früher war es gemütlicher.“ Insgesamt sei Sonntag auf ungefähr zehn Volksfesten jedes Jahr. Auf die Zukunft des Further Volksfests, an dem er immer noch sehr gerne teilnimmt, blickt er optimistisch. Sein Motto als Schausteller lautet: positiv bleiben.
Auch wenn sich die zwei Jahre Pause auf das Verhalten der Further auswirken könnten: Das Volksfest sei eine Tradition, die einen festen Platz in der Jahresplanung der Further gehabt hätte. Durch die Pause sei das verworfen worden und müsse sich jetzt erst wieder aufbauen, sagt der 60-Jährige. „Es wäre schade, wenn so eine Tradition kaputt gehen würde.“ Adolf Sonntag hofft jedenfalls, dass sich das Volksfest halten kann und in den kommenden Jahren weiter belebt wird. Denn Drachenstich und Volksfest: „Das gehört einfach zusammen.“ mk
Die Münchnerin: Mit Laura Schulze gibt es wieder ein Labyrinth auf dem Volksfest

Das erste Mal seit zehn Jahren gibt es das Jumanji-Labyrinth wieder auf dem Further Volksfest. Zuletzt waren noch Laura Schulzes Eltern auf dem Fest vertreten – heuer tritt sie gemeinsam mit ihrem Mann Anthony Schulze in deren Fußstapfen. Die Münchnerin ist Schaustellerin „seit meiner Geburt und in der dritten Generation", wie sie selbst sagt.
Mit ihrem Labyrinth ist die Firma Schulze deutschlandweit unterwegs. Auf dem Oktoberfest unterhalten die Schausteller sogar schon seit 28 Jahren die zahlreichen Besucher – mit Glaslabyrinth, Wackelbrücken, Balancehindernissen, Luftstößen und Rutsche. mk
Die „Scharfschützin“: Brigitte Hahn steht schon ihr ganzes Leben in der Schießbude

Jemanden zu finden, der länger im Schaustellergeschäft ist als Brigitte Hahn, scheint beinahe unmöglich. Die 79-Jährige trifft der Volksfestbesucher in der Schießbude gegenüber des Festzeltes, die sie Jahrzehnte lang ihr Eigen nannte. Heute hilft sie gemeinsam mit ihrer Schwiegertochter eigentlich nur aus, denn das Geschäft hat sie schon weitergegeben.
Die Frage, wie lange sie schon Schaustellerin sei, beantwortet sie ganz einfach: „Schon mein ganzes Leben!“. Ihre Mutter stammt aus der alten und bekannten Schaustellerfamilie Kollmann, sie selbst sei in die Schaustellerei hineingeboren worden.
Neben dem Schießstand betrieb Hahn bis vor wenigen Jahren noch weitere Stände und Fahrgeschäfte auf den Volksfesten, wie zum Beispiel ein Kettenkarussell. Nach zwei Todesfällen in der Familie habe sie den Bestand allerdings reduziert. In den vergangenen Jahren war sie ausschließlich im Landkreis auf Festen unterwegs, früher unterhielt sie Festgänger auch im Raum Deggendorf und Plattling.
Obwohl sie ihrer Tätigkeit schon seit Jahrzehnten nachgeht, werde sie ihr nie langweilig. „Mir macht alles daran Spaß!“, sagt sie. Besonders schön findet Hahn es, wenn sie Menschen als Erwachsene wieder trifft, die als Kinder schon bei ihr am Stand waren.
Mit der Schießbude ist sie sogar zweifach in ihrem Element: mit der Schaustellerei an sich, aber auch mit dem Schießen im Speziellen. Früher, in ihren „jungen Jahren“, war Hahn im Schützenverein. „Da hats noch mehr Spaß gemacht – gegen die Männer vor allem“, sagt sie mit einem Zwinkern. Wie gut sie ist, bestätigt ein Standbesucher. „Irre!“, kommentiert er. „Sie ist eine Scharfschützin!“ mk
Der Festwirt Markus Späth freut sich über Zuspruch

Das durchweg positive Feedback, das Festwirt Markus Späth von Gästen des Volksfests entgegenschlägt, lautet: „Endlich gibt es wieder was!“ Seit einer Weile habe es kein Fest mehr in der Größe in Furth gegeben, bis er mit Michael Mühlbauer die Initiative ergriff. Die Organisation sei eine Herausforderung gewesen, verrät der Festwirt.
Man habe das Fest „von Null auf 100 aus dem Boden gestampft“. Umso mehr freue ihn der Zulauf. Nachdem das Zelt beim Einzug schon einmal voll war, rechnete Späth abends wieder mit rund 1600 Gästen. Etwa 40 Angestellte sind rund um Zelt und Bar im Einsatz, um diese zu bedienen.