Als ein Modell der Befreiungshalle durch die Straßen von Kelheim gezogen wurde

Von Mittelbayerische Zeitung · 7. August 2026 um 05:00

Neben dem 825. Geburtstag der Stadt Kelheim und illegalen Sandentnahmen im Naturschutzgebiet nordwestlich von Offenstetten beschäftigte auch der neue Kocher der Bayerischen Zellstoff in Kelheim die MZ-Redakteure vor Jahrzehnten.

■ Vor 20 Jahren: Um Punkt 15 Uhr – just zum Beginn des Festzuges zum 825. Geburtstag der Stadt Kelheim – hatte es zu regnen begonnen. Aber Petrus ließ sich überzeugen: Die 1700 Umzugsteilnehmer (vom Kleinkind bis zum Greis) aus 75 Vereinen stimmten den Herrn über Wind und Wetter um. „Es ist eine überwältigende Kulisse“, schwärmte Bürgermeister Fritz Mathes, der mit den Kelheimer Stadträten an dem nicht enden wollenden Festzug teilnahm. Die Kutschen und Fußgruppen – dabei mehrere Sparten des ATSV sowie weitere Sport- und Tanzvereine, die Musikschule und andere Musikanten, die Kelheimer Feuerwehr, Trachtenvereine, Abordnungen aus Nachbargemeinden und noch viele, viele mehr – schlängelten sich durch die Innenstadt. Vorbei an über 10.000 Zuschauern.

■ Vor 30 Jahren: Illegale Sandentnahmen im Naturschutzgebiet nordwestlich von Offenstetten gefährdeten seltene Pflanzen und Insekten. Erst vor Kurzem wurde aus einer der geschützten Binnendünen vermutlich mit einem Traktor Sand entnommen, obwohl die Zufahrt vom Waldweg aus mit Schranken versperrt war. Bei dem Verstoß wurden unter anderem Bestände von Sand-Thymian und Silbergras dezimiert. Das waren zwei in Bayern seltene und gefährdete Pflanzen, die auch in der sogenannten „Roten Liste“ aufgeführt waren. Ebenfalls zahlreiche weitere sehr seltene und stark bedrohte Pflanzen und Tiere waren auf die Bedingungen der Sanddünen spezialisiert und angewiesen, wie zum Beispiel der Ameisenlöwe.

■ Vor 35 Jahren: Das Richtfest für den neuen Kocher der Fabrikanlage hatte die Bayerische Zellstoff GmbH in Kelheim gefeiert. Das 520 Tonnen schwere Monster war das Herzstück der neuen Zellstofffabrik, die im Sommer 1992 die Produktion aufnehmen sollte. Insgesamt investierte die Firma rund 350 Millionen Mark in die Anlage, die erstmals ohne die umweltschädliche Chlorbleiche Zellstoff herstellen sollte. Bei der Hebfeier betonte der bayerische Wirtschaftsminister August Lang, dass damit eine neue Ära der Zellstoffherstellung in Bayern eingeleitet wurde.

■ Vor 40 Jahren: Ein reges Treiben herrschte im Anwesen der Familie Poschenrieder in Ulrain. Die Kinder und Jugendlichen des Neustädter Trachtenvereins waren damit beschäftigt, ihre Zelte aufzustellen, während die Organisatoren bereits alle Vorbereitungen dafür getroffen hatten, die Gäste und Mitglieder, vor allem jedoch die Kinder, mit köstlichen Schmankerln und kühlen Getränken zu versorgen. Mit seinen Haus- und Stalltieren wurde das Anwesen Poschenrieder für die Kinder geradezu zu einem Paradies. Für einige Erwachsene jedoch, die die verantwortungsvolle Aufgabe hatten, „Nachtwache“ zu halten, wurde die Nacht etwas kurz. Den Weckdienst übernahmen dann frühmorgens die Hähne.