Sonnenfinsternis am 12. August: An diesen Stellen in und um Regensburg ist sie besonders gut zu sehen

Planetenparade, Sonnenfinsternis, Perseidenschauer: Hobbyastronomen und Fans von Himmelsphänomenen steht am Mittwoch ein Tag ins Haus, als würden Weihnachten, Ostern und das Weihnachtsfest des darauffolgenden Jahres auf den gleichen Tag fallen. Das spektakulärste Ereignis dürfte die Sonnenfinsternis zum Sonnenuntergang sein, während der das Zentralgestirn als Sichel zu sehen sein soll. Experten raten zu einem möglichst hohen Punkt mit Sicht in Richtung Westen. Hier sind diese Stellen in der Stadt und im Landkreis Regensburg zu finden.
Torsten Bendl, Schatzmeister beim Verein der Freunde der Sternwarte Regensburg, verdeutlicht die Tragweite des Ereignisses. Er selbst will deswegen extra nach Spanien fahren. Dort soll sich die Sonne komplett verdunkeln. „Eine Sonnenfinsternis gibt es nicht so oft in Europa. Nächstes Jahr soll noch eine in Nordafrika zu sehen sein. Aber dann war es das erst einmal“, sagt er.
Gefragte Posten: Hohe Lage mit Blick nach Westen
Orte in Regensburg, von denen sich eine gute Sicht auf das Spektakel am Himmel ergeben könnte, sind laut Bendl die Donaubrücken, allen voran die Steinerne Brücke, aber auch die Nibelungenbrücke oder der Grieser Steg. In der Umgebung nennt er zudem Tremmelhauserhöhe oder die Walhalla.
Der städtische Fotograf Stefan Effenhauser vermutet, dass sich weiterhin Eiserne Brücke und der Eiserne Steg eignen könnte. „Wäre der Turm der Dreieinigkeitskirche offen, wäre dieser ideal, aber wahrscheinlich zu eng für viele Besucher“, sagt er. Allerdings endet die Besuchszeit laut Homepage des Dekanats um 18 Uhr. Zudem nennt Effenhauser das Parkdeck der Regensburg Arcaden, die Winzerer Höhen zwischen Kagerer Kreuz und Grillplatz, die Watzlik-Kapelle, das Umfeld des Naturschutzgebietes oberhalb des Brandlbergs sowie den Vogelherd oder den Keilsteiner Weg in Keilberg als mögliche Beobachtungspunkte. Mit Apps wie Sun Souveyor oder Sky Tonight könnten Interessierte die Sicht auch simulieren, schlägt er vor. Ebenfalls als Hotspot bei Sonnenuntergang gilt der Donaufelsen auf dem Max-Schultze-Steig.
Der 12. August – ein Tag mit drei astronomischen Highlights
• Sonnenfinsternis: Der Höhepunkt soll gegen 20.14 Uhr mit einer 88-prozentigen Abdeckung der Sonnenfläche durch den Mond erreicht sein – und das während des Sonnenuntergangs.
• Planetenparade: Jupiter, Merkur, Mars, Uranus, Saturn und Neptun sollen ab kurz nach fünf Uhr morgens in einem Bogen am östlichen bis südlichen Horizont stehen.
• Perseidenschauer: Nach Sonnenuntergang erreicht der Meteoritenschauer seinen Höhepunkt. Ab Mitternacht könnten bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen sein.
Die Sternwarte werde am Mittwoch zwar geöffnet sein. Bendl weißt aber darauf hin, dass der Andrang groß sein und der Platz nicht für alle Interessierten reichen könnte. Auf der Homepage der Sternwarte ist angekündigt, dass diese ab 18.30 Uhr zur gemeinsamen Beobachtung geöffnet sein soll. Allerdings steht da auch: „Bitte beachten Sie, dass die Kapazität unserer Beobachtungsplattform begrenzt ist. Bei Überfüllung müssen wir die Plattform vorübergehend schließen.“
In Anbetracht des Seltenheitswerts des Ereignisses und der prominenten Lagen möglicher Beobachtungspositionen, rät Bendl generell dazu, die Posten rechtzeitig einzunehmen. Immerhin könnte es beispielsweise auf der Steinernen auch schnell eng werden.
Vor Ort sein und die mögliche Kameraausrüstung montiert haben sollten die Beobachter ab 19 Uhr, sagt er. Gegen 19.20 Uhr werde sich der Mond in die Sonne schieben. Bemerkbar machen werde sich diese Verschattung ab etwa 19.40 Uhr. Das Maximum könnte dann ab 20.14 Uhr zu sehen sein. Vorbei sein wird die Show definitiv ab 20.30 Uhr. Denn dann ist die Sonne dieser Tage bereits hinter dem Horizont verschwunden. Das bestätigt Effenhauser.
Mond könnte die Sonne bis zu 88 Prozent verdecken
Was wird dann genau zu sehen sein? Zwar befinde sich Regensburg nicht in der Totalitätszone, erklärt Bendl. Ein großer Teil der Sonne werde aber bedeckt sein, so dass sie in Form einer Sichel am Himmel erscheinen könnte. Bis zu 88 Prozent der Sonne sollen verschattet sein, ergänzt Effenhauser. „Das Wetter sieht gut aus“, sagt Bendl. Kurz vor Sonnenuntergang werde es eine gute Horizontsicht geben. „Auf gar keinen Fall sollte man mit bloßem Auge in die Sonnenfinsternis schauen, sondern nur mit einer Sonnenfinsternisbrille – auch wenn die Sonne verdeckt ist und auch wenn sie untergeht, ist sie immer noch zu hell“, warnt er.
Fotos mit dem Handy zu machen – das könnte schwer werden. Bendl rät Fotografen dazu, die Kamera auf einem Stativ zu montieren, gut abzublenden und eine kurze Belichtungszeit einzustellen. Effenhauser spricht weitere Apps für Fotografen und Sterngucker an, die Positionen von Sonne oder Mond abhängig von Ort und Zeit ausrechnen könnten. Das mache Fotos planbarer. „Photopills und Viewpoint dürften die bekanntesten sein“, sagt er. Der städtische Fotograf benutze unter anderem The Photographer's Ephemeris.
Bendl hofft auf einen reizvollen Effekt, zu dem es unter Bäumen kommen könnte. Löcher im Blattwerk, durch die die Sonne scheint, könnten eine Wirkung ähnlich einer Lochkamera entfalten. Das könnte zur Folge haben, dass die Sonnenpunkte, die dann am Boden erscheinen, nicht mehr rund sind, sondern wie die Sichel der verdunkelten Sonne aussehen. Sollten es besonders viele Lichtpunkte sein, könnte sich daraus ein Wellenmuster ergeben.