Warum die Chancen für eine dritte Haltestelle der S-Bahn in Neumarkt gewachsen sind

Von Wolfgang Endlein · 6. August 2026 um 05:00

Der Landkreis Neumarkt hat in den vergangenen Jahren den ÖPNV ausgebaut – und zahlt dafür viel Geld. Aber wie viel ist angesichts der Fahrgastzahlen angemessen? Darüber und warum 2025 weniger Menschen mit den Rufbussen gefahren sind, spricht Michael Gottschalk vom Landratsamt. Außerdem geht es um einen dritten S-Bahn-Halt in Neumarkt und warum dieser wahrscheinlicher geworden ist.

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Der Chef der Abteilung Kreisentwicklung ist generell zufrieden, wie sich der ÖPNV entwickelt hat. „Wir hätten nie gedacht, als wir 2011 mit den Bedarfsverkehren begonnen haben, dass wir solche Zahlen erreichen werden“, sagt Gottschalk. Versuche mit Rufbussen und Anrufsammeltaxis wären andernorts teils gescheitert.

Anders im Landkreis: In Summe 67.000 Fahrgäste nutzten vergangenes Jahr beide Angebote, die inzwischen den ganzen Landkreis abdecken. Beim Anrufsammeltaxis haben die Fahrgastzahlen 2025 zugelegt, von rund 15.000 auf 20.700. Den Rufbus nutzten hingegen nach Jahren mit steigenden Zahlen 3000 weniger Menschen. Das habe damit zu tun, dass der Fahrplan einiger fester Buslinien verbessert worden sei.

Fünf Millionen Euro investiert der Landkreis Neumarkt in den ÖPNV

Regionalbuslinien, Rufbusse, Anrufsammeltaxis, Regionalzüge, Freizeitlinien und Nachtbusse: Das ÖPNV-Angebot im Landkreis ist in den vergangenen Jahren größer geworden. Nicht alles finanziert der Landkreis selbst, auch der Freistaat investiert. Dennoch: Rund rund fünf Millionen Euro gibt der Landkreis pro Jahr für den ÖPNV aus. Das Defizit wächst seit Jahren und kann durch Einnahmen aus Fahrkarten nicht gedrückt werden, wenn der ÖPNV eine für Menschen attraktive Option sein soll.

Ein Ende der Kostensteigerungen ist laut Gottschalk derzeit nicht in Sicht – selbst wenn der Kreis das Angebot nicht weiter ausbaut. Etwas ausgleichen will der Landkreis das Defizit, indem er Fördertöpfe anzapft.

Das Potenzial des ÖPNV ordnet Gottschalk so ein: Dessen Anteil am Gesamtverkehr sei im Landkreis auf sechs Prozent angewachsen. „Sechs von 100 Prozent zeigt: Der ÖPNV ist ein notwendiges Angebot, bleibt aber trotzdem eine Nische.“

Der Eigenanteil des Landkreises sollte daher die aktuelle Marke von rund fünf Millionen Euro nicht deutlich übersteigen, sagt Gottschalk. Sonst stünde der Einsatz für den ÖPNV nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis zu anderen Bereichen, für die der Landkreis auch Geld ausgeben muss.

Bustickets im Landkreis Neumarkt: Erwachsene zahlen nur noch die Hälfte

Warum der Landkreis überhaupt so viel Geld für den ÖPNV ausgibt, ist für Gottschalk klar: Es gehe darum, eine Grundversorgung anzubieten. „Wir werden nie einen Takt in jedem Dorf schaffen können, der mit irgendwelchen Individualverkehrsangeboten konkurrieren kann. Unser Ziel ist, dafür zu sorgen, dass Menschen, die kein Auto haben oder fahren können, trotzdem Grundbedürfnisse erledigen können.“

Was alles mit dem ÖPNV möglich ist, das wissen etliche Menschen nach wie vor nicht. Das hat man im Landratsamt festgestellt und daher in den vergangenen Jahren versucht, potenzielle Fahrgäste gerade in den höheren Altersgruppen durch Vorträge und Probefahrten vom ÖPNV zu überzeugen.

Werbung für den ÖPNV soll seit Jahresbeginn auch eine andere Aktion machen. Erwachsene zahlen seither für die Einzelfahrkarte bei Busfahrten innerhalb des Landkreises den Preis eines Kinderfahrscheins. Rund 150 000 Euro investiert der Landkreis. Die Aktion ist vorerst auf zwei Jahre begrenzt. Ob sie Erfolg hat, dazu hat das Landratsamt noch keine Zahlen. Die Busunternehmen berichteten aber von mehr Fahrgästen, sagt Gottschalk. Genaueres werde man am Jahresende wissen. Das Ziel seien fünf Prozent mehr Fahrgäste.

Dritter S-Bahn-Halt beim Beruflichen Schulzentrum in Neumarkt angedacht

Wie sich die vor Kurzem verkündete Ticket-Reform des VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) auf die Fahrgastzahlen auswirken wird, da ist Gottschalk halbwegs entspannt. Der VGN, dem der Landkreis seit 1987 angehört, will bis 2027 sein Ticketsortiment verschlanken und bis 2030 Tickets ausschließlich digital verkaufen. Es gibt die Sorge, dass gerade ältere Fahrgäste dadurch ausgeschlossen werden. Gottschalk sieht das Problem, aber noch sei Zeit und man werde sich etwas einfallen lassen.

Zeit und Geduld spielen auch bei dem Vorhaben einer Verlängerung der S-Bahn von Nürnberg in den Landkreis von jeher eine große Rolle. Durch die Sanierung der Bahnstrecke hätten sich die Chancen für einen dritten S-Bahn-Halt in Neumarkt auf Höhe des Beruflichen Zentrums verbessert, sagt Gottschalk. Der Bedarf sei seit Längerem nachgewiesen und der Nutzen-Kosten-Faktor positiv. Bislang sei ein weiterer Halt aber an der durch viele Züge belasteten Strecke gescheitert.

Die Sanierung hat die Kapazität nicht erhöht, sondern vor allem die Störanfälligkeit gemindert. Ein weiterer Halt wird daher kurzfristig nicht kommen. Die Bahn hat aber die Strecke für den Einbau des European Train Control System (ETCS) vorbereitet. Mit dieser digitalen Leittechnik kann die Strecke besser ausgelastet werden und ein weiterer Halt wäre möglich, sagt Gottschalk.

Aber wann? Für den Einbau von ETCS hat die Bahn bislang nur einen groben Zeithorizont genannt. Es wird wohl Ende des Jahrzehnts werden.