EM-Teilnahme wohl in der Tasche: Vizemeisterin Jana Lankner macht den nächsten Schritt

Von Claus Wotruba · 27. Juli 2026 um 18:16

Da war sie wieder, die im vergangenen Jahrzehnt immer wiederkehrende „blaue Stunde“ der LG Telis Finanz Regensburg, diesmal bei der deutschen Meisterschaft der Leichtathleten im schicken, ausverkauften Lohrheide-Stadion zu Wattenscheid. Den Anfang machte am Sonntag um 16.55 Uhr 400-Meter-Ass Jana Lakner. In 51,60 Sekunden lief sie auf der Stadionrunde nicht nur hinter der neuen und alten Meisterin Johanna Martin (Rostock/51,28) auf den Silberrang, sondern auch zu einer neuen Bestzeit (bisher 51,73) und holte sich damit wohl auch die Fahrkarte für die Europameisterschaften von 10. bis 16. August in Birmingham ab.

Unmittelbar darauf katapultierte sich ihre Teamkollegin Hanna Bruckmayer mit einer sensationellen Zielgeraden im Finale über 1500 Meter auf Platz vier mitten in die nationale Spitze und verfehlte damit nur knapp die Medaillenränge.

Als Zweite ihres Vorlaufes mit verhaltenen 52,55 war Jana Lakner souverän ins Finale eingezogen und sparte dabei anders als noch im Vorjahr wichtige Körner. „Das hatten wir auch so besprochen“, sagte Lakner-Trainer Stefan Wimmer, der nach DM-Bronze 2025 mit DM-Silber 2026 „vollkommen happy“ war. „Johanna Martin war nach ihren 50,57 natürlich klare Favoritin. Und so weit weg waren wir ja gar nicht. Für mich ist Birmingham eine Zugabe und diese Saison ist schon jetzt ein Erfolg“, bilanziert Wimmer.

Nur eines war in Wattenscheid ärgerlich

Nach der erfolgreichen DM sollte einer EM-Nominierung mindestens für die deutsche 4 x 400-Meter-Staffel nichts mehr im Wege stehen. Eher unwahrscheinlich scheint ein Einzelstart, obwohl die Regensburgerin die Kriterien des Europäischen Verbandes (EA) erfüllt hat. „Jana lag schon vor der DM auf Platz 30 der Rangliste, und 36 Läuferinnen umfasst das Feld“, erläutert Stefan Wimmer, dessen Schützling die DLV-Bestätigungsnorm von 51,50 aber um eine Zehntelsekunde verpasste – wohl das einzig Ärgerliche am Wattenscheider Auftritt.

„Es war ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Jana Lakner selbst, die nun nach ein paar Trainingstagen in Regensburg das EM-Vorbereitungscamp nächste Woche vor Augen hat. „Das Krönchen wäre die Goldmedaille gewesen. Aber das hebe ich mir noch auf.“ Im Vergleich zu 2025, als sie bei ihrer Finalpremiere Bronze gewonnen hatte, sah sie Fortschritte: „Das ist ja alles ein Lernprozess. Diesmal habe ich mich schon sicherer gefühlt.“

Das Krönchen wäre die Goldmedaille gewesen. Aber das hebe ich mir noch auf.Jana Lakner

Auch Hanna Bruckmayer überzeugte über 1500 Meter. Im Halbfinale qualifizierte sie sich mit einem kraftvollen Schlussspurt und 4:19,51 Minuten als Sechste für das Finale. Dieses entwickelte sich zu einem Taktikrennen: Das Feld blieb lange eng zusammen, das Tempo niedrig. Erst in der letzten Runde erhöhten die Favoritinnen das Tempo deutlich. Bruckmayer löste sich mit Endspurt aus dem dichten Pulk und wies als Vierte (4:24,86) wesentlich höher eingeschätzte Konkurrentinnen wie Hanna Klein (4:25,43) in die Schranken.

Hanna Bruckmayer (rechts) überrascht als 1500-Meter-Vierte. - Foto: Theo Kiefner

Im Halbfinale über 400 Meter überzeugte mit Nils Kremling auch der zweite Wimmer-Schützling mit einer persönlichen Bestzeit von 47,44 Sekunden, mit der er Zwölfter wurde. Johannes Weizinger blieb über 1500 Meter (3:49,66 ) mit Rang zehn im ersten Halbfinale unter seinen Möglichkeiten. Stolz auf ihre Teilnahme darf auch Tina Klement sein, die die 3000 Meter Hindernis in 11:02,79 Minuten (17.) absolvierte.

Auch die U-20-Langstreckenstaffeln der LG Telis Finanz präsentierten sich stark. Die 3 x 1000-Meter-Staffel mit Eduard Nagy, Liam Parker und Niko Endemann steigerte sich um mehr als 16 Sekunden und lief in 7:48,27 Minuten als Zweite ihres Laufes ins Ziel – Platz 16 insgesamt. Zuvor hatten Luise Rauscher, Eva Maria Rauscher und Anna Lina Endemann über 3 x 800 Meter mit einer neuen Bestzeit von 7:11,12 Minuten den 17. Rang erreicht.

Schnelle Oberpfälzer Startgemeinschaften

Die Oberpfälzer Startgemeinschaften zeigten ebenso erfolgreiche Auftritte. Luisa Roidl (TSV 1880 Schwandorf) lief mit Lena Bruischütz und Nele Simon (beide SWC) über 3 x 800 Meter in 7:20,93 Minuten auf Rang 20 neue Bestzeit. Bei den 4 x 400-Meter-Staffeln der U 20 belegten die SWC-Jungs Simon Kürzinger und Tomas Simon Pongratz mit Fabian Stoerzer (TV Burglengenfeld) und Dennis Hopp (DJK Weiden) in 3:33,55 Rang 17. Die Mädchenstaffel mit Vanessa Tuma, Sina Straube, Nele Simon (alle SWC) und Lea Rittner (ESV Amberg) erreichte in 4:03,12 Minuten den 13. Platz.