Jeder kennt sie, aber schmeißt sie weg: So nutzt man Kieselgel-Tüten im Haushalt

Die kleinen Tüten Silica Gel stecken heutzutage in fast jeder Verpackung, ob für Elektronik, Schuhe oder Kleidung. Trotz der Aufschrift „Throw away“, also „wegschmeißen“, kann das darin enthaltene Trockenmittel im Alltag nützlich sein.
Kieselgel, besser bekannt als Silica Gel, ist ein ungiftiges Trocknungsmittel. Es hat – anders als der Name vermuten lässt – nicht zwingend die Konsistenz von Gel, sondern kann auch gummiartig bis fest werden. Am häufigsten kennen wir es in Form der kleinen Kugeln, die in den beschrifteten Beuteln in Verpackungen beiliegen. Doch auch die Deckel von Brausetabletten sind meist mit Silica beschichtet.
Silica-Beutel aus Taschen und Verpackungen: Wofür sind sie da?
Das Kieselgel, gewonnen aus Quarzsand, zieht die Feuchtigkeit aus der Luft und dem jeweiligen Material und bindet diese. Der Zweck der Silica-Beutel ist es also, Produkte beim Transport oder der Lagerung vor Feuchtigkeit zu schützen. Obwohl es ungiftig ist, sollte man es aber auf gar keinen Fall essen oder in die Nähe der Augen bringen. Wer die Beutel aufheben will, sollte sie an einem trockenen Ort, außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren, verwahren.
Der Hinweis „Throw away“, der auf jedem Silica-Päckchen zu lesen ist, kann dagegen oft ignoriert werden. Ungefärbtes Kieselgel lässt sich problemlos als Trockenmittel weiterverwenden – sofern es nicht schon gesättigt ist. Denn dann kann es keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen.
Ob das beiliegende Gel noch nutzbar ist, sieht man am ehesten am Gewicht: Im gesättigten Zustand ist Kieselgel merklich schwerer. Es kann zwischen 30 und 40 Prozent seines Eigengewichts in Wasser aufnehmen. Fühlt sich ein Päckchen schwerer an, als die anderen, sollte man es erst trocknen.
Kieselgel-Tüten im Haushalt einsetzen: Dafür eignen sie sich
• Unangenehme Gerüche binden: Feuchtigkeit kann besonders bei Kleidung, Taschen und Lederwaren für muffigen Geruch sorgen. Ein paar Beutel Silica Gel in der Sporttasche, im Kleiderschrank oder in feuchten Kellerabteilen können das verhindern.
• Fotos und Dokumente schützen: Fotoalben, Zeugnisse und andere wichtige Dokumente können bei der Lagerung, sei es auf dem Dachboden oder im Keller, Schaden nehmen. Legen Sie am besten Kieselgel-Päckchen zwischen die Seiten, um sie trocken zu halten und Stockflecken zu verhindern.
• Elektronik schützen: Elektronische Geräte und Wasser sind bekanntlich keine gute Kombination. Silica-Gel kann kleine Geräte wie Kameras unterwegs vor Feuchtigkeitsschäden bewahren.
• Rost fernhalten: Legen Sie Silica-Beutel in Ihren Werkzeugkasten, damit Schraubenzieher, Hammer und Co. nicht so schnell rosten, vor allem im Keller.
• Schmuck retten: Silberschmuck läuft mit der Zeit an. Das liegt an einer chemischen Reaktion mit der Umgebungsluft, die durch Feuchtigkeit begünstigt wird. Kieselgel-Tüten im Schmuckkästchen können so dafür sorgen, dass der Schmuck länger sauber und glänzend bleibt.
• Pflanzensamen richtig lagern: Silica-Beutel zu den Samen legen, damit sie trocken und haltbar bleiben.
Für den vollen Effekt, sollten die Silica-Beutel regelmäßig ausgetauscht werden, denn irgendwann sind sie „gesättigt“ und können keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen. Sie lassen sich aber tatsächlich wiederverwenden, wenn man sie leicht erhitzt.
Die Verbraucherzentrale rät dazu, die Restwärme im Backofen zu nutzen – extra den Ofen einzuschalten, wäre Energieverschwendung. Mehr als 80 Grad verträgt das Silica Gel ohnehin nicht, da die Verpackung schmelzen oder verbrennen könnte. Sind die Kügelchen nicht mehr in ihrer Verpackung, kann farbloses Silica Gel bei 120 Grad bis 150 Grad im Ofen getrocknet werden. Die Mikrowelle ist dagegen ungeeignet, da die Kügelchen platzen könnten, wenn das Wasser in ihnen zu schnell verdampft.
Vorsicht bei gefärbtem Silica Gel – lieber wegschmeißen
Doch Vorsicht bei gefärbtem Silica-Gel: Die enthaltenen Farbstoffe können gesundheitsschädlich sein. „Gefärbte Kügelchen sollten tatsächlich besser im Restmüll entsorgt werden“, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Auch die farblose Variante, gehört in den Restmüll.
Die zugesetzte Farbe hat den Zweck, anzuzeigen, wenn das Silica Gel mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Das geschieht durch einen Farbwechsel, zum Beispiel von Blau zu Rosa oder Orange zu Grün. Blaues Kieselgel ist jedoch in der EU nicht mehr zulässig. Das enthaltene Kobaltsalz wurde von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) als giftig und möglicherweise krebserregend eingestuft. Bei Käufen im Ausland kann einem dennoch blaues Silica begegnen. Dieses sollte nicht weiterverwendet, sondern entsorgt werden.
Kieselgel im Alltag: Dafür wird es noch verwendet
Im medizinischen Bereich und bei Lebensmitteln wird daher grundsätzlich nur das ungiftige, farblose Kieselgel verwendet. Das Trockenmittel findet nicht nur in Form der kleinen Beutel in Verpackungen Anwendung, sondern begegnet uns noch öfter im Alltag. Zum Beispiel:
• in Bier: Beim Brauen wird Silica als Stabilisator zugesetzt. Es sorgt dafür, dass das Bier weniger trüb ist und länger haltbar bleibt.
• bei Polizeikontrollen: Atemalkoholtests nutzen Kieselgel, um die feuchte Luft aufzunehmen, die in das Röhrchen gepustet wird. Das Silica ist in diesem Fall mit Chromschwefelsäure versetzt, die durch ihre chemische Reaktion anzeigt, ob Alkoholdampf im Atem enthalten ist.
• als Katzenstreu: Kieselgel wird inzwischen im Handel als neuartiges Katzenstreu angeboten. Da es sehr saugfähig ist, ist die Verwendungsdauer länger und es ist im Vergleich zu Katzenstreu aus Ton bzw. Bentonit leichter.
• in Kosmetik: Silica, oft unter dem Namen Siliziumdioxid, wird in Cremes und Pudern verwendet, um sie geschmeidiger zu machen. Der Mineralstoff trägt auch zum mattierenden oder „Weichzeichner“-Effekt bestimmter Produkte bei.