„Wünsche mir Entscheidungen“: Regensburger Bauunternehmer im Interview

Matthias Klemens führt durch das Anwesen Schwarze-Bären-Straße 1, das seine Campus Group saniert. Die Treppe in die höheren Stockwerke hat sich auf einer Seite abgesenkt. Mit Blick darauf sagt der 54-Jährige: „Leichte Schräglage, wie überall in Regensburg.“ Klemens lacht. Nein, als politische Anspielung will er das nicht verstanden wissen. Es geht hoch in den mächtigen Dachstuhl, der erhalten bleibt. Über den Kompromiss mit den Denkmalschützern ist der Bauherr froh.
Herr Klemens, welches WM-Spiel werden Sie noch verfolgen?
Matthias Klemens: Das WM-Fieber ist ein bisschen abgekühlt mit dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft. Die Schlossfestspiele stehen an, wo ich auch sehr gerne bin – heute bei der Premiere, am Mittwoch beim Italienischen Abend und am Donnerstag bei Peter Maffay. Aber das WM-Finale werde ich mir ansehen.
Sie waren ab 2010 rund ein Jahr Jahn-Präsident und vorher stellvertretender Vorstandschef. Was haben Sie in den Ämtern gelernt?
Klemens: Dass es einfacher ist, eine Firma zu führen als einen Verein, weil so viele Interessenlagen schwer unter einen Hut zu bringen sind – von den damaligen finanziellen Problemen des Vereins mal ganz abgesehen.
Jahrelang haben Sie selbst Fußball gespielt: beim TV Barbing, SV Donaustauf und SC Matting. Zwischen 1998 und 2000 gehörten Sie der deutschen Beachsoccer-Nationalmannschaft an. Machen Sie noch Sport?
Klemens: Ich gehe aufs Eis. Hier in Regensburg spiele ich bei zwei bis drei Hobbymannschaften. Seit 1. Juli gibt es wieder Eis. Wir nutzen die Donau-Arena und die Trainingshalle. Ein paar hundert Erwachsene spielen hier in Eishockey-Hobbymannschaften.
Sie retten Altstadthäuser. Die Sanierung des Gebäudes an der Ecke Ecke Goliathstraße/Brückstraße ist abgeschlossen. In der Schwarze-Bären-Straße 1 laufen die Arbeiten. Sie haben hohe Summen in diese Vorhaben investiert und nun das Denkmalhaus Kohlenmarkt 1 erworben. Offenbar glauben Sie trotz der vielen Leerstände an die Altstadt.
Klemens: Die Regensburger Altstadt ist eine der schönsten, die es gibt. Der Erfolg, dass wir in der Schwarze-Bären-Straße Mietverträge mit Geschäftsleuten bereits im Vorfeld unterzeichnet haben, gibt uns recht. Dort ziehen Apollo Optik und Friseur Eisele ein. Kritisch sehe ich, dass die Autofeindlichkeit ein wenig überhandnimmt in der Altstadt. Ich fürchte, dass das historische Zentrum durch die fehlende Auto-Mobilität und den Wegfall von Parkplätzen leidet. Es soll nicht nur Gastronomie geben, sondern auch Einzelhandel. Die Altstadt muss für die Bevölkerung aus dem Landkreis erreichbar sein.
War es leicht, das Erdgeschoss in der Goliathstraße zu vermieten?
Klemens: Goliathstraße und Brückstraße sind zwei der am stärksten frequentierten Straßen. Wir hatten mehrere Anfragen, etwa von einer Bekleidungskette und einem Anbieter mit kulinarischen Spezialitäten. Wir haben uns für die Bäckerei Wurm entschieden, einen Familienbetrieb. Sie kann die Miete langfristig erwirtschaften. Das noch leere Lokal übernehmen ab August die Betreiber des Chin-Chin.
Mit Ihrer Familie wohnen Sie selbst in einem Altstadthaus in der Fußgängerzone. Viele Anwohner ärgern sich über lärmende Nachtschwärmer und Parkplatzprobleme.
Klemens: Mit Nachtschwärmern arrangiert man sich, wenn man in der Altstadt wohnt. Wir sind aber auch nicht in einer Kneipen- oder Diskothekenecke. Was uns mehr stört, ist die hohe Zahl an Obdachlosen und Drogenhändlern, die vom Bahnhof Richtung Maxstraße ausweichen. Je mehr öffentliche Bänke installiert werden, desto mehr Leute campieren dort. Ich hoffe, dass sich die neue Stadtführung dem Thema widmet.
Wie sind Sie zur Denkmalsanierung gekommen?
Klemens: Ich habe bei der Regensburger Eukia Wohnbau gearbeitet. Durch das Betriebswirtschaftsstudium hat es mich nach Leipzig verschlagen. Dort war es für mich als Firmengründer leichter. Nach der Wende herrschte Aufbruchstimmung. Finanziell war es einfacher, dort ein Objekt zu erwerben. Im Zuge der Wiedervereinigung gab es hohe Fördermöglichkeiten. Ich habe eine günstige Immobilie gekauft, über Fördermittel refinanziert und einfach begonnen.
Wie viele Mieter mussten in den Regensburger Altstadthäusern ausziehen? Es ist schließlich nicht einfach, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Klemens: Wir haben in Regensburg die Möglichkeit, Ersatzwohnraum anbieten zu können. Im Haus Kohlenmarkt 1 waren nur noch zwei Mieter. Einer ist in mein Haus in der Goliathstraße gezogen und mit dem anderen habe ich eine finanzielle Auflösungsvereinbarung getroffen. Die Schwarze-Bären-Straße 1 war ein reines Geschäftshaus. Die Eigentümerin, eine alte Dame, hatte es an ihre Kinder vererbt, die es verkauften. Übrigens beginnen wir bald mit der Vermarktung der 30 Denkmalschutz-Wohnungen.
In Leipzig haben Sie einen Altbau in die Eigentumswohnungen Kant’sche Höfe umgewandelt. Das führte zu Konflikten mit Mietern. Wie ist das ausgegangen?
Klemens: Das war ein großes Thema in den Medien, unter anderem in Spiegel TV. Wir haben die Anlage mit 100 Wohnungen gekauft, 30 waren bewohnt, überwiegend von Leuten aus der Hausbesetzerszene und dem linken Spektrum. Letztendlich haben wir einen siebenstelligen Betrag für die Entmietung in die Hand genommen.
Was erwarten Sie von der Koalition?
Klemens: Ich wünsche mir, dass wieder Entscheidungen getroffen werden – bei Wirtschaftsthemen und Bauprozessen. OB Burger kommt aus der Industrie und kennt das. Ich habe den Eindruck, dass wir in den letzten zehn Jahren Stillstand hatten. In vielen Bereichen wurde nichts entschieden, bevor man etwas falsch entschieden hätte.