Zu freizügig gekleidet? Schwandorfer AfD-Kreisrat kritisiert Schülerinnen – FW fordern Rücktritt

Von Martin Kellermeier · 11. Juli 2026 um 19:00

Für Wirbel sorgt ein inzwischen gelöschter Post auf der Plattform „X“ (früher: Twitter) von AfD-Kreisrat Thomas Deutscher aus Schwandorf. Darin hatte sich der 37 Jahre alte Vater eines 17-jährigen Sohnes darüber entrüstet, dass heutzutage junge Frauen viel zu freizügig gekleidet in der Schule sitzen würden, und verglich sie wörtlich mit „N*tten“. Deutscher könnte sich die Einführung einer Schuluniform gut vorstellen, sagte er auf Nachfrage. Für seinen Beitrag auf X erntet der AfD-Lokalpolitiker nun schärfste Kritik von den anderen Kreistagsfraktionen.

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Sein Post sei „aus einer Laune heraus“ entstanden, erzählt Deutscher. Zuvor sei er zufällig am Beruflichen Schulzentrum in Schwandorf vorbeigekommen und habe sich doch sehr über die freizügige Kleidung mehrerer Schülerinnen „im Alter ab 17 Jahre“ wundern müssen. Seine Gedanken dazu teilte er später auf der Plattform X. Das war am 29. Juni. „Wie sollen sich die jungen Männer eigentlich auf die Schule konzentrieren, wenn die Mädchen wie N*tten herumlaufen?“, fragte der Schwandorfer, der erst seit der laufenden Wahlperiode dem Kreistag angehört. Zuvor war er sechs Jahre Stadtrat in der Großen Kreisstadt.

Sein Beitrag verbreite sich im Netz wie ein Lauffeuer. Inzwischen ist der Post aber wieder verschwunden. Deutscher hat ihn nach eigenen Angaben selbst gelöscht, weil er sich „unglücklich ausgedrückt“ habe. „Meine Wortwahl war zu scharf“, sagt er. Trotz der Löschung verbreitet sich Deutschers Beitrag weiter. Immer wieder ploppen in den sozialen Medien Screenshots davon auf.

Er polarisiert mit seiner Aussage: der Schwandorfer AfD-Kreisrat Thomas Deutscher. - Foto: Deutscher

Während Deutscher seine Wortwahl im Nachhinein anders wählen würde, steht er nach eigenen Worten weiter zu seiner Ansicht. „Ich finde, dass die Schülerinnen nicht angemessen herumlaufen. Bei manchen ist das wirklich unanständig. Sie schauen aus, als würden sie gleich in die Disco gehen“, sagt er im MZ-Gespräch. Das alles sei nur eine Beobachtung, er wolle hier nicht übergriffig sein, so Deutscher. Auch würden nicht alle Schülerinnen derart gekleidet sein. Die Schulen sollten dennoch mehr auf eine korrekte Kleiderwahl achten. Es gehe ihm nicht um zu viel Haut, erklärt Deutscher. Er selbst trägt in der Öffentlichkeit regelmäßig Tracht.

Ich finde, dass die Schülerinnen nicht angemessen herumlaufen. Bei manchen ist das wirklich unanständig. Sie schauen aus, als würden sie gleich in die Disco gehen.Thomas Deutscher, AfD-Kreisrat

Der Schwandorfer AfD-Kreisrat schlägt daher vor, die Einführung einer Schuluniform zu prüfen oder einen festen Dresscode festzulegen. „Das würde den Zusammenhalt unter den Schülern fördern“, meint Deutscher. So würden keine Trends mehr im Vordergrund stehen, sondern eben die schulischen Inhalte. Im Übrigen falle ihm unangemessene Kleidung nicht nur in der Schule auf. Beim Einkaufen im Supermarkt würden die Leute teilweise so aussehen, „als wären sie gerade vom Sofa gefallen“.

Innerhalb der AfD-Kreistagsfraktion erhält Deutscher dafür wenig Rückhalt. „Der beanstandete Beitrag spiegelt die persönliche Auffassung des Parteimitglieds Thomas Deutscher wider und stellt keine Position des AfD-Kreisverbands dar“, sagte Fraktionschef Reinhard Mixl auf MZ-Anfrage. Die gewählte Wortwahl sei unangemessen und entspreche „nicht der Art und Weise, wie wir gesellschaftliche Debatten führen wollen“, so der Bundestagsabgeordnete.

Landrat Ebeling: Deutscher soll sich lieber um seinen eigenen Kleidungsstil kümmern

Kritik kommt auch von anderer Seite. In den Augen von Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) hat Thomas Deutscher mit seinem Beitrag den Rubikon überschritten. „Über so einen Blödsinn kann man nur noch den Kopf schütteln. Herr Deutscher möge sich lieber um seinen eigenen Kleidungsstil kümmern“, kommentierte der Chef im Landratsamt. Durch Deutschers Post werde sichtbar, „wo die AfD hinwill und welches Weltbild sie hat“, warnte der Landrat.

Da sieht man, wo die AfD hinwill und welches Weltbild sie hat.Thomas Ebeling, Landrat

Die Fraktionen von CSU, Freie Wähler und SPD, die im Schwandorfer Kreistag eine Koalition gebildet haben, zeigten sich in einer gemeinsamen Presseerklärung ebenfalls empört über Deutschers Kommentar. „Diese Wortmeldung reiht sich ein in eine Serie von verbalen und tätlichen Entgleisungen von Vertretern der AfD im Landkreis Schwandorf. Es bereitet mir Sorge, dass die AfD im Landkreis Schwandorf durch derartige Vorkommnisse in der Vergangenheit und Gegenwart mittlerweile zu den radikalen Vertretern der Partei gezählt werden kann“, sagte CSU-Fraktionschef Tobias Ehrenfried. Wer sich mit beleidigenden und verurteilenden Aussagen über Schüler äußere, müsse sich fragen lassen, „ob er die notwendige charakterliche Eignung für die Ausübung verantwortungsvoller politischer Ämter besitzt“.

Freie Wähler fordern Konsequenzen

Ähnlich äußerte sich FW-Fraktionschef Martin Scharf. „Es gibt Aussagen, die entlarven einen Menschen vollständig. Diese gehört dazu. Wer Schülerinnen und junge Frauen öffentlich derart beleidigt und sie als Ursache für das Verhalten von Männern darstellt, überschreitet jede Grenze des Anstands“, stellte der Landtagsabgeordnete fest. Sprache wie diese habe in der politischen Debatte nichts verloren – unabhängig davon, welcher Partei jemand angehöre.

Wer junge Frauen und Mädchen derart herabwürdigt und ihnen pauschal die Verantwortung für das Verhalten von Männern zuschiebt, disqualifiziert sich für jedes politische Amt.Martin Scharf, Vorsitzender der FW-Kreistagsfraktion

„Wer junge Frauen und Mädchen derart herabwürdigt und ihnen pauschal die Verantwortung für das Verhalten von Männern zuschiebt, disqualifiziert sich für jedes politische Amt. Von gewählten Mandatsträgern erwarte ich Respekt, Anstand und ein Mindestmaß an Charakter“, so Scharf. Wer das nicht aufbringe, sollte die Konsequenzen ziehen und sein Mandat niederlegen.

SPD-Fraktionschefin Marianne Schieder sieht mit der AfD Grundrechte in Gefahr

SPD-Fraktionsvorsitzende Marianne Schieder (SPD) zeigte sich in der Presseerklärung ebenfalls entrüstet. „Die Aussage ist entsetzlich und offenbart das vollkommen inakzeptable Frauen- und Menschenbild der AfD-Ideologie: Die AfD will Frauen vorschreiben, wie sie sich zu kleiden hätten“, kommentierte die langjährige Bundestagsabgeordnete. Schieder wörtlich: „Dahinter steht die untragbare Haltung, dass Frauen die eigentliche Schuld daran hätten, wenn es zu sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen oder anderen Straftaten gegen Frauen kommt. Das ist unglaublich, weil es Frauen quasi zu Freiwild erklärt und gleichzeitig junge Männer als triebgesteuerte Wesen herabwürdigt.“

Sollte die AfD in Regierungsverantwortung kommen, seien laut der Sozialdemokratin Grundrechte wie etwa das Recht auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit oder die Gleichberechtigung von Frauen und Männern nichts mehr wert. „Die AfD gefährdet unsere freiheitliche Demokratie und gibt sich nicht einmal mehr die Mühe, das zu verbergen“, so Schieder abschließend.