Änderungen beim Drachenstich Furth im Wald: Die Ritterin muss sich zur Wehr setzen

Das Festspiel naht, die Proben laufen auf Hochtouren, die Bühne auf dem Stadtplatz nimmt Gestalt an. Jetzt hat Regisseur Alexander Etzel Ragusa verraten, was beim ältesten Volksschauspiel Deutschlands Neues geben wird. Um es vorweg zu nehmen: Es gibt einige auffällige Änderungen, welche die Art und Weise, wie die Arena bespielt wird und wie die Hauptdarsteller agieren, betreffen.
„Ich bin bei jeder Vorstellung des Festspiels anwesend und beobachte es aus den verschiedenen Perspektiven der Zuschauer“, sagt Etzel Ragusa. Dabei sei unübersehbar, dass die hinteren Ränge arg weit von der Bühne entfernt liegen. Um das zu ändern und das Stück ein wenig näher an diese Zuschauer heranzutragen, würden heuer zusätzliche Spielflächen geschaffen.
Spieler sind näher dran am Publikum
Etzel-Ragusa: „Die Schreiner des Bauhofs haben in gewohnt exzellenter Qualität eine Treppe hergestellt, über welche die Darsteller von der Reitbahn aus direkt auf die Tribüne C nahe dem Tor aufsteigen können.“ So hätten die Zuschauer dort auch die Chance, die Ritterin oder den Chamerauer mal aus der Nähe zu sehen. Auch auf anderen Tribünen sollen Darsteller auftauchen und die Zuschauer ins Festspielgeschehen einbinden. Dadurch erweitere sich der Spielbereich deutlich und das Festspiel erhalte noch mehr Dynamik. Das Ganze wertet der Regisseur als Versuch, es sei nicht für die Zukunft in Stein gemeißelt. Auch inhaltlich soll es einige Änderungen geben. „In meiner Inszenierung konnte jede Darstellerin der Ritterin dieser Figur Jahr für Jahr mehr Selbstbewusstsein verleihen, mehr Durchsetzungskraft gegen den Chamerauer und mehr Gewitztheit“, sagt Etzel-Ragusa. Nun habe man sich dieses Jahr gefragt, wie sich die Ritterin wohl verteidigt würde, wenn sie durch Kriegseinwirkung in eine bedrohliche Situation gerät. Da habe die Vermutung nahe gelegen, dass ihr Udo nicht nur zärtliche Küsse geschenkt, sondern für den Notfall auch ein paar wirkungsvolle Schwerthiebe beigebracht habe.
Der Chamerauer wird noch skrupelloser
Eine Weiterentwicklung erfahre auch der Chamerauer. Er verkörpere seit den 1950er Jahren den Typus des schlechten Herrschers. Etzel-Ragusa passt das Stück immer wieder gerne so an, dass sich gegenwärtige Themen darin wiederfinden.So sagt er folgerichtig: „Gemäß offizieller Tendenzen, die wir gerade international erleben müssen, definiert sich der Chamerauer jetzt als die ideale Besetzung für die Sehnsucht so mancher Zeitgenossen nach dem starken Mann, der hart durchgreift und alles im Alleingang regelt.“ Das gehe natürlich nur unter Missachtung von Gesetzen und demokratischen Spielregeln. Damit sei dem Machtmissbrauch Tür und Tor geöffnet. „Deswegen setzt der Chamerauer den Further Stadtrat in einem Handstreich ab und schwingt sich auch zum Herrn über die Wahrheit auf: Objektiv nachprüfbare Fakten definiert er als Lügen und so will er den Stadtschreiber zwingen, dass der seine Objektivität im Verfassen der Further Chronik aufgibt.“
Um die üblen Absichten des Chamerauers durchzusetzen, ist sein Gefolge neuerdings bewaffnet mit Hellebarden und Schwertern statt der bisherigen Peitschen. Außerdem bereichert sich der Chamerauer schamlos – und wahrt neuerdings nicht einmal mehr den Anschein von Anstand. Internationale Vorbilder gibt es derzeit über die ganze Welt verteilt einige. „Wie gehen die Further im Festspiel mir diesem Machtmissbrauch um?“, fragt der Regisseur und liefert die Antwort gleich selbst: „Die Antwort haben wir in der Historie gefunden: In einem überlieferten Brief der Further an die Bayerischen Herzöge erheben sie sich gegen den Tyrannen und fordern einen neuen Pfleger, der sich um ihr Wohl kümmert.“
Ritter Erasmus von Sattelbogen, der sich aufopfernd um den Grenzschutz kümmert, sei ihr Favorit, und diesen setzen sie im Festspiel auch durch – nach den fairen Spielregeln der Demokratie, die man damals zwar gekannt, aber selten praktiziert habe. Mit den Neuerungen fallen auch kleinere Teile aus dem Stück. So zum Beispiel die Szene um die Münze von Löwenherz. Schließlich mache der Chamerauer keinen Hehl mehr aus seinen Missetaten. „Wir alle sind schon sehr gespannt, wie diese Neuerungen beim Publikum ankommen werden“, sagt Etzel-Ragusa.