200 Jahre Gasthof Grabinger in Büchelkühn: Mit Timo, alias Tream, steht die fünfte Generation bereit

200 Jahre Wirtshaus Grabinger in Büchelkühn (Landkreis Schwandorf): Seitdem 1826 im dritten Anlauf die Schankerlaubnis erteilt wurde, steht das Haus für Gastfreundschaft, Tradition und gesellige Stunden. Heute leiten Reinhard und Myriam Grabinger den Gasthof mit Hotel. Sie blicken gemeinsam mit Anna Grabinger (90) zurück in die Geschichte. Mit Timo Grabinger, alias Tream, steht die fünfte Generation der Wirtsfamilie parat.
Die 200 Jahre währende Geschichte des Gasthofs Grabinger ist eng mit der Geschichte von Büchelkühn verwoben: Die Bauern des kleinen Dorfs mit seinen 31 Höfen hatten damals ein Problem. Das nächstgelegene Gasthaus, so schilderte der „Halbbauer“ Franz Mayer bereits im Jahr 1800 dem königlich-bayerischen Landgericht, lag in Zielheim und war für viele Bewohner zu weit entfernt. Die übrigen Wirtschaften befanden sich jenseits der Naab – bei Hochwasser war der Weg beschwerlich oder gar unmöglich.
Doch erst ein anderes Argument überzeugte die Behörden: Auf den Heimwegen der Mägde von der Arbeit und der Knechte vom Wirtshaus komme es auf den langen Wegen und in den dunklen Abendstunden zu „Unsittlichkeiten und anstößigen Vorfällen“, die von den Großbauern mit Sorge betrachtet würden. Ein Wirtshaus könne „die Bedienerschaft in geordneter Weise“ bewirten, beaufsichtigen und beschützen sowie Sitte und Ordnung aufrechterhalten. „Hinter der Sorge um die Moral steckte auch ein wirtschaftliches Interesse“, erklärt der heutige Eigentümer Reinhard Grabinger (57): „Wurde eine Magd schwanger, fiel sie als Arbeitskraft aus.“
Im dritten Anlauf wurde die Schankerlaubnis für Büchelkühn erteilt
So wurde der Antrag auf Schankerlaubnis beim dritten Anlauf 1826 genehmigt. Schon bald wurde die kleine Wirtschaft zum Mittelpunkt des Dorflebens – allerdings mit klaren Grenzen. Es gab zwei Stammtische, die die damalige Ordnung widerspiegelten: An einem saßen die Knechte, am anderen Bauern, Bürgermeister, Pfarrer und Schullehrer. Es wurde über die Ernte gesprochen, über Gemeindepolitik gestritten, Neuigkeiten ausgetauscht und manches entschieden, lange bevor es offiziell wurde.

1909 erwarb der Urgroßvater des heutigen Besitzers, Kaspar Grabinger, das Anwesen für 30.000 Gulden. Im Laufe der Jahrzehnte investierte die Familie immer wieder in den Betrieb. 1951 entstand ein großer Saal – auf Drängen des damals 15-jährigen Vaters von Reinhard Grabinger, Siegfried Grabinger. Später folgten weitere Modernisierungen.
Eine prägende Zeit erlebte das Gasthaus in den 1960er Jahren. Viele Monteure aus Norddeutschland kamen in die Region, um beim Bayernwerk zu arbeiten. Die Grabingers erkannten die Chance und bauten 1969 ein „Fremdenhaus“ mit 16 Zimmern. Dusche und Toilette befanden sich damals noch auf dem Gang. „Das war der erste Weg in eine neue Richtung und ein Meilenstein“, blickt Reinhard Grabinger zurück.
Den landwirtschaftlichen Betrieb mit Schweine- und Milchviehhaltung stellte Siegfried Grabinger, der Enkel von Kaspar Grabinger, gemeinsam mit seiner Frau Anna 1970 ein. Von da an konzentrierte sich die Familie ganz auf die Gastronomie. Es waren arbeitsreiche Jahre. „1969 habe ich noch die Treppe gewischt, dann bin ich zur Entbindung von Reinhard ins Krankenhaus gefahren“, erinnert sich Anna Grabinger.
Die heute 90-Jährige ist noch immer der Mittelpunkt der Familie. Legendär sind ihre Kochkünste. Die Arbeit hat sie nie gescheut. Lachend erzählt sie, wie sie mit 19 Jahren ihren späteren Mann Siegfried auf der Kirchweih in Alberndorf kennenlernte. Die gebürtige Anna Fritsch aus Altenschwand – ihr Vater war dort Bürgermeister – arbeitete damals als Bedienung. „Siegfried bestellte bei mir eine Halbe Bier – die ist er mir heute noch schuldig“, sagt sie schmunzelnd. Denn der junge Wirt war sofort von ihr angetan. „Du wirst die Büchelkühner Wirtin“, sagte er noch an diesem Abend. So kam es tatsächlich. Anna Grabinger liebte das Leben als Wirtin. „Man ist viel mit Menschen zusammen.“
Drei Söhne wurden geboren. Gemeinsam mit ihrem Mann stellte sich Anna Grabinger immer wieder neuen Herausforderungen. Bis heute packt die 90-Jährige mit an und kümmert sich unter anderem um den Blumenschmuck. „Die Arbeit hält mich jung“, sagt sie. Nach den Kriegsjahren wollten sich auch die Einheimischen wieder mehr leisten. „Oft lieh man sich von mir große Töpfe für Hochzeiten, die früher alle daheim gefeiert wurden.“ Doch das sollte sich ändern: Heute ist der Hotel-Gasthof Grabinger weit über die Region hinaus als besondere Hochzeitslocation bekannt. Oft wird bis in die frühen Morgenstunden gefeiert – eine Sperrstunde gibt es nicht. Sogar standesamtliche und evangelische Trauungen sind hier möglich. Reinhard Grabingers Frau Myriam hält auch freie Trauungen.

Doch auch Rückschläge blieben im Laufe der Jahre nicht aus. 1967 brannte die Scheune ab. Während der Zeit des Widerstandszeit gegen die geplante WAA verwüsteten Gegner das gerade renovierte und leer stehende Fremdenhaus. Dort hatten auch Befürworter der Wiederaufarbeitungsanlage übernachtet. Der Schaden betrug rund 150.000 Euro – die Familie musste einen Kredit aufnehmen.
1992 übernahm Reinhard Grabinger, der jüngste Sohn und gelernte Koch, den Betrieb. Unter seiner Führung entwickelte sich der Dorfgasthof weiter: Heute ist daraus ein Drei-Sterne-Hotel mit 33 Zimmern geworden. Viele Veranstaltungen, von Ü30-Partys bis zu Hochzeiten, ziehen Gäste aus der ganzen Region an.
Ideen für einen weiteren Hotelbau gibt es bereits
Auch in der Küche blieb die Familie offen für Neues. Die Zutaten sollen dabei „so regional wie möglich“ sein. Von Reisen brachten Reinhard Grabinger und seine Frau Myriam Ideen wie Showcooking oder Fingerfood mit. Investiert wurde außerdem laufend in moderne Technik – unter anderem in Putzroboter und computergesteuerte Schankanlagen.
„Man muss immer die Zeichen der Zeit erkennen“, sagt Reinhard Grabinger. Genau das habe die Familie über Generationen gemacht. Sorgen bereiten ihm allerdings die zunehmende Bürokratie und das Wirtshaussterben auf dem Land. „Wirtshäuser sind ein wertvolles Kulturgut. Mir tut es um jedes leid. Konkurrenz belebt außerdem das Geschäft“, so Grabinger.

Ein Erfolgsgeheimnis sei der Zusammenhalt der Familie. Kinder, Brüder, Neffen und Verwandte helfen bis heute mit. Sohn Timo Grabinger, der als Schlagerrapper Tream bekannt ist, steht für die fünfte Generation der Familie Grabinger, die den Gasthof prägt. Der 27-Jährige absolvierte wie sein Vater eine Kochausbildung und denkt trotz seiner Musikkarriere bereits an die Zukunft. Irgendwann könne er sich einen weiteren Hotelbau mit Self-Check-in vorstellen, weil Arbeitskräfte immer schwerer zu finden seien. „Sollten tatsächlich Minijobs verboten werden, wäre das eine Katastrophe für die Gastronomie. Dann müssten auch viele Biergärten schließen“, sagt sein Vater.
Nach 200 Jahren ist die Familie Grabinger dennoch überzeugt: Auch die nächsten Herausforderungen wird der Landgasthof in Büchelkühn meistern.
200 Jahre Wirtshaus Grabinger wird im September gefeiert
• Datum: Am Samstag, 5. September, lädt das Wirtshaus Grabinger in Büchelkühn zur großen Jubiläumsfeier ein.
• Programm: Die Besucher erwarten Livemusik mit den Breznsalzern, Partystimmung mit Kult-DJ Stink sowie bayerische Schmankerl, kühles Bier und Festzeltatmosphäre. Darüber hinaus gibt es Überraschungen und weitere Aktionen. Der Eintritt ist frei, jeder ist willkommen.