RKI-Schätzung: Tausende Tote durch Hitzewelle Ende Juni – mehr als 500 davon in Bayern

Von Passauer Neue Presse · 9. Juli 2026 um 09:39

Die Hitzephase ab Mitte Juni hat nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 5100 Menschen das Leben gekostet – 530 Menschen davon in Bayern.

Video ansehen

Die Zahl der Hitzetoten übertrifft demnach damit schon zur Jahresmitte die Werte ganzer Vorjahre deutlich: 2023 bis 2025 waren es im Schnitt 2900 hitzebedingte Todesfälle pro Jahr. In Bayern sind nach Schätzung des Robert Koch-Instituts im laufenden Jahr schon rund 530 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Zum Vergleich: 2025 waren es im gesamten Jahr 490 Menschen. Betroffen sind besonders ältere Menschen.

Alle Infos zu Hitze und Unwetter lesen Sie in unserem Wetter-Liveblog.

Bayern ist damit aber weniger stark betroffen als andere Bundesländer. In Baden-Württemberg waren es trotz der niedrigeren Bevölkerungszahl laut RKI-Schätzung 790 Fälle, im ebenfalls kleineren Hessen 600 und in Nordrhein-Westfalen sogar 1.230. Betrachtet man die geschätzten Hitzetoten pro 100.000 Einwohnern liegt der Freistaat mit einem Wert von 4 im unteren Mittelfeld. Im Saarland ist der Wert mit 15,5 am höchsten, in Hamburg mit 2,1 am niedrigsten. Die Schätzungen enthalten allerdings eine deutliche Schwankungsbreite.

Oft Kombination mit Vorerkrankungen

Bundesweit geht das RKI von bislang 5.120 hitzebedingten Sterbefällen aus. Dazu zählen Fälle, in denen die Hitzeeinwirkung - etwa bei einem Hitzeschlag - den Tod unmittelbar ausgelöst hat. In den meisten Fällen führe jedoch eine Kombination aus Vorerkrankungen und Hitze zum Tod, hieß es. Auf dem Totenschein werde zumeist nicht die Hitze als Todesursache vermerkt. Daher stellt das RKI statistische Berechnungen zu den Hitzetoten an.

In der letzten Juniwoche hatte es eine außergewöhnlich intensive und anhaltende Hitzewelle mit regional über 40 Grad gegeben. Mehrfach waren Temperaturrekorde gebrochen worden. In Bayern war es nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der zweitheißeste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Im fränkischen Kitzingen wurde mit 40,8 Grad sogar ein Temperaturrekord aufgestellt. Weil der Sommer noch lange nicht vorbei ist, könnte die Anzahl der Hitzetoten je nach Wetterlage im weiteren Jahresverlauf noch deutlich steigen.

Auswirkungen der extremen Hitze könnte noch größer sein,

Nach RKI-Angaben könnten die Auswirkungen der extremen Hitze sogar noch größer sein, als sein Modell ergab. Dem Statistischen Bundesamt zufolge lag die Übersterblichkeit bei 6.800 Fällen in der Hitzewoche 22. bis 28. Juni. Die Art der Berechnungen unterscheidet sich aber.

Ein Vergleich der Daten aus den Vorjahreszeiträumen (jeweils April bis 28. Juni) zeigt, wie hoch die Zahl der rund 5100 Hitzetoten in diesem Jahr ist: 2025 gab es laut RKI in dem Zeitraum 560 hitzebedingte Sterbefälle, 2024 waren es 470 und 2023 betrug die Zahl 810. Ältere Zahlen für den Vorjahreszeitraum liegen dem RKI nicht vor.

Temperaturen Ende Juni weit oberhalb der Schwelle

Die Unterschiede können dem RKI zufolge auf die unterschiedlich ausgeprägten Hitzeperioden zurückgeführt werden. Typischerweise gibt es laut RKI in Wochen mit einer mittleren Temperatur über 20 Grad deutlich höhere Sterblichkeitswerte als in kühleren Sommerwochen. Vom 22. bis 28. Juni lag die bundesweite Wochenmitteltemperatur dem RKI zufolge im Durchschnitt bei 26,4 Grad und damit weit oberhalb der Schwelle, ab der ein deutlicher hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit zu erwarten ist. In allen Bundesländern wurde in dieser Woche eine mittlere Temperatur über 20 Grad gemessen.

Ein Juni mit vielen Temperatur-Extremen

Der Juni 2026 war dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge mit im Mittel 19,5 Grad der zweitwärmste seit Messbeginn. Nur 2019 war es demnach mit im Schnitt noch wärmer. Doch die Hitzewelle Ende Juni 2026 zeigte mehrere Extreme. Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war dem DWD zufolge nach derzeitigen Daten die wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Bei der Hitzewelle hat er auch mehrfach Temperaturen von über 41 Grad registriert. Zudem wurde am 27. Juni nach DWD-Angaben deutschlandweit an 46 Stationen die 40 Grad-Marke geknackt.

Große Hitze ist besonders für ältere Menschen gefährlich. „In einigen Fällen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, führt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod“, hieß es vom RKI. In den meisten Fällen gebe es jedoch eine Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen. Daher werde Hitze auf dem Totenschein normalerweise nicht als die zugrundeliegende Todesursache angegeben. Das Ausmaß hitzebedingter Todesfälle wird laut RKI mit Hilfe statistischer Methoden geschätzt.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies auf die teils hohen Temperaturen in Pflegeheimen und Krankenhäusern hin. Medizinisch-pflegerische Einrichtungen seien häufig nicht für den Klimawandel gewappnet, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung. „Schon an einfachsten Maßnahmen wie Außenbeschattungen mangelt es. Hitzeschutzpläne enden dort, wo der Patientenschutz Geld kostet, und die Umsetzung dauert.“ Er forderte ein Hitzestopp-Investitionsprogramm aus Bundesmitteln in Höhe von 30 Milliarden Euro für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.

Mehr Frauen als Männer sterben hitzebedingt

Die RKI-Auswertung basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes zu Sterbefällen und Lufttemperaturdaten von 52 Wetterstationen des DWD. Die Zahlen der letzten neun berücksichtigen Wochen können jeweils noch durch Nachmeldungen beeinflusst werden, wie es vom RKI hieß. Die Schwankungsbreite der Schätzungen ist hoch: Sie beträgt 4.410 bis 5.850 hitzebedingte Sterbefälle von April bis 28. Juni dieses Jahres.

Die RKI-Daten zeigen zudem, dass mehr Frauen als Männer wegen der Hitze sterben - was sich auf den hohen Frauenanteil in den älteren Altersgruppen zurückführen lasse.