Region Kelheim: Eigenheim bleibt für viele junge Familien ein Traum

Von Lilly Mantel · 7. Juli 2026 um 19:00

Jung, verliebt und auf der Suche nach einem Eigenheim – was früher scheinbar der Lauf der Dinge war, ist heute finanziell teils nicht mehr möglich. Auch Mieten steigen immer weiter. Was können sich die Bürger in Kelheim und im Umland denn noch leisten?

Bei einem Pressegespräch am 7. Juli erläutern Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Dieter Scholz, Landrat Christian Nerb, Leiter des ImmobilienCenters Reinhard Leichtl und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der LBS Süd, Erwin Bumberger, die Lage in der Region.

In den vergangenen 15 Jahren habe sich viel bewegt auf dem Immobilienmarkt, doch der Traum vieler junger Menschen von einem Eigenheim sei immer noch der gleiche, so Bumberger. In weite Ferne rückt dieser Wunsch für manche durch die Preisentwicklung. „Die Immobilienpreise haben sich binnen zehn Jahren verdoppelt“, sagt Bumberger.

340 000 Euro kostet ein Zweifamilienhaus im Durchschnitt

Nach dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs, der Inflation und Zinswende erholt sich der Markt langsam. Im Durchschnitt kostet ein gebrauchtes Zweifamilienhaus oder eine Eigentumswohnung 340 000 Euro, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende.

Mit einer Absenkung des Preises ist nicht zu rechnen. „Es wird nicht weiter runtergehen“, da ist sich Bumberger sicher. Entscheidend ist dabei der fehlende Neubau. In Bayern wurden im Vergleich zum Vorjahr rund 16 Prozent weniger Neubauten fertiggestellt. Während 2025 46 000 Wohnungen fertiggestellt wurden, liegt der postulierte Bedarf bei rund 70 000 Neubauten in Bayern.

Dieser Trend spiegelt sich auch in der Kelheimer Region. „Man merkt deutlich, der Neubau fehlt“, so Bumberger. Suchende müssen deshalb oft auf den Bestand ausweichen, was den Preis nicht gerade sinken lässt. Zusätzlich steigt der Trend der Single-Haushalte, was den Wohnraumbedarf zusätzlich steigert. Zumindest spiegelt sich die Qualität einer Immobilie nun wieder im Preis wider, anders als vor 2022.

Zuwachs in der Region Kelheim

Dass der Neubau nicht vorangeht, kritisiert nicht nur Bumberger. Auch Landrat Christian Nerb weiß, dass die Baulandentwicklung wichtig sei. Denn laut Prognosen soll der Landkreis Kelheim bis 2044 zwischen 4,6 und zehn Prozent wachsen. Dann käme es auf eines an: die passende Infrastruktur.

Schon heute ist diese entscheidend für die Auswahl des Wohnortes. Nerb berichtet, dass es vielen vor allem um Kita, Schulen, Bahnhof und einen guten Internetanschluss gehe. Damit rücken die Zentren des Landkreises Kelheim immer mehr ins Visier von Wohnraum-Suchenden. Auch Bauplätze seien hier besonders gefragt. Doch die Kommunen können diese nicht bieten. Die Bautätigkeit sei die niedrigste seit über zehn Jahren. Und auch die Immobilienpreise sind hoch. Bei 50 Quadratmeter-Wohnungen komme man im Neubau auf 250.000 Euro Kaufpreis. „Wer kann sich das noch leisten?“, fragt sich auch Nerb. Ist der Traum vom Eigenheim überhaupt noch realistisch? Das hänge von Herausforderungen ab, sagt Bumberger. Die Realisierbarkeit sei stark vom Eigenkapital abhängig – und von der Einkommenssituation.

Ums Eigenkapital kümmern bleibt eine alte Tugend

Fakt ist, die Immobilienpreise haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt, das Eigenkapital jedoch hat sich nicht in diesem Verhältnis entwickelt. Nur 5,7 Prozent von 30- bis 40-Jährigen „schaffen es aufgrund von Eigenkapital, eine eigene Immobilie zu erwerben“. Laut Bumberger bleibt es eine alte Tugend, sich um Eigenkapital zu kümmern.

Vielleicht hat sich das Volumen der bewilligten Bauspardarlehen auch deshalb seit der Zinswende von 2022 fast vervierfacht. „Bausparen ist wieder in“, so Sparkassen-Vorsitzender Dieter Scholz. Und ETFs? Das sei der Trend der Zeit. Doch man dürfte auch das Traditionelle nicht vergessen, denn „ein Restrisiko bleibt“, sagt Scholz. „Wer breit streut, rutscht nicht aus“.

Positiver Ausblick: Der Markt in der Region Kelheim ist gesund

Reinhard Leichtl gibt einen positiven Ausblick: Die Werte haben sich zumindest verfestigt. Grundsätzlich sei der Markt der Region gesund. „Wir leben in einer Zeit der Erbengeneration“, so Leichtl. Dadurch komme zusätzlich Bestand auf den Markt. Besonders alter Bestand bedeutet allerdings auch viel energetische Sanierung.

Das wird Kommunen auch in Zukunft beschäftigen. Ein Zentralwärmekonzept vorzulegen, ist inzwischen Pflicht. Laut Landrat Nerb fragen schon jetzt viele mit Bestand: „Liebe Gemeinde, wann kommt‘s ihr mit der Fernwärme.“

Reinhard Leichtl, Erwin Bumberger, Christian Nerb und Dieter Scholz (v.li.) sprechen über aktuelle Entwicklungen. - Foto: Lilly Mantel