35 Jahre TCM-Klinik Bad Kötzting: Gesundheitsbrücke zwischen zwei Welten

Von Alois Dachs · 28. Juni 2026 um 17:00

Schwitzen im Dienst der internationalen Gesundheit war am Samstagnachmittag beim Jubiläum „35 Jahre TCM-Klinik Bad Kötzting“ (Landkreis Cham) angesagt. Die prominenten Gäste aus China und Bayern erlebten im Postsaal einen Rückblick auf Zeiten voller Kämpfe um Anerkennung, bis die Idee von Anton Staudinger sen. so umgesetzt werden konnte, dass eine Brücke zwischen traditioneller Medizin aus China und deutscher Schulmedizin reibungslos funktionierte.

Über 30 000 Patienten – überwiegend Frauen und nur zehn Prozent Privatpatienten – haben seitdem Heilung oder zumindest Linderung ihrer Beschwerden beim stationären Aufenthalt gefunden. Weitere knapp 10 000 wurden seit 2016 im Sinocur erfolgreich therapiert, resümierte der deutsche Chefarzt Dr. Stefan Hager in seinem Rückblick auf ein erfolgreiches Gesundheitsmodell. Waren die Anfangsjahre geprägt von einer Verbindung zwischen traditioneller chinesischer Medizin und der westlichen Schulmedizin, so spielen seit 15 Jahren auch Psychotherapie und Lebensstilprogramme eine wichtige Rolle, sagte Dr. Hager.

In Professor Jingzhang Dai hatte der deutsche Chefarzt einen Partner von der federführenden Universität Beijing, der 22 Jahre lang sein umfangreiches Wissen über TCM einbrachte und seit seiner Rückkehr nach China beratend für die Klinik tätig ist, wie Geschäftsführer Anton Staudinger dankbar anmerkte, ehe er Professor Dai mit der goldenen Ehrennadel auszeichnete. Nach seiner Gratulation zum Jubiläum „35 Jahre TCM-Klinik Bad Kötzting verlieh zuvor der Präsident der Universität Beijing, Professor Dr. med. Tang Zhisbu, Michael Frey die Ketzoh-Professorenwürde.

Professor Jingzang Dai wurde von Anton und Christina Staudinger für seine Dienste in 22 Jahren Chefarzttätigkeit ausgezeichnet. - Foto: Alois Dachs

Zur Jubiläumsfeier der ersten deutschen Klinik für traditionelle chinesische Medizin hieß Anton Staudinger im Postsaal viele hochrangige Vertreter der TCM willkommen, besonders den Generalkonsul der Volksrepublik China in München, Qiu Xuejun, während von bayerischer Seite der CSU-Fraktionschef und frühere Gesundheitsminister Klaus Holetschek begrüßt wurde, der später die Festrede hielt.

Zu einem Aushängeschild für Bad Kötzting geworden

In Vertretung von Bürgermeister Markus Hofmann gratulierte dessen Stellvertreter Ludwig Kern der Klinik, die längst zu einem Aushängeschild für Bad Kötzting geworden sei. Aus einer Idee von Klinikgründer Staudinger sei eine Erfolgsgeschichte geworden, die deutschlandweit und für ganz Europa Strahlkraft entwickelt habe. Der Pioniergeist von Anton Staudinger sen. habe eine Brücke zwischen den Gesundheitssystemen in Ost und West geschlagen.

Ebenso wie sein Vater verdiene Anton Staudinger jun. ein Lob für die kontinuierliche Entwicklung der Klinik und den Ausbau der Zusammenarbeit mit Universitäten in China. Besonders erfreulich sei, dass mit Christina Staudinger inzwischen die dritte Generation in die Geschäftsführung eingebunden sei. Die TCM-Klinik stehe für die heute aktuelle Philosophie, den Menschen in seiner Gesamtheit zu erfassen und entsprechend zu therapieren.

Landrat Christian Schindler lobte Weitblick und Engagement der Familie Staudinger, die den Grundstein für ein zukunftsfähiges Gesundheitsangebot gelegt habe. Für die Zukunft wünschte er den Klinikbetreibern und allen Mitarbeitern Mut zur Innovation, Offenheit für neue Entwicklungen und die Kraft, die Zukunft zu gestalten.

Anfangsjahre geprägt von schwierigen Verhandlungen

Bezirkstagspräsident Franz Löffler erinnerte an die Anfangsjahre der Klinik, die geprägt waren von schwierigen Verhandlungen mit den Krankenkassen, deren Einsatz für eine gedeihliche Entwicklung unabdingbar gewesen sei. Letztlich habe ein psychosomatischer Ansatz die entscheidenden Fortschritte gebracht. Seither habe sich die TCM-Klinik deutschland- und europaweit zu einer anerkannten Gesundheitseinrichtung entwickelt.

Klaus Holetschek wies darauf hin, wie wichtig Prävention und Rehabilitation im modernen Gesundheitswesen sind. - Foto: Alois Dachs

Der CSU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Klaus Holetschek, hob in seiner Festrede hervor, dass mit der Entwicklung der ersten deutschen Klinik für traditionelle chinesische Medizin ein Bogen gespannt wurde zur Gesundheitslehre von Pfarrer Sebastian Kneipp, der sich ebenfalls für Naturheilverfahren und eine gesunde Lebensweise stark gemacht habe. Der Austausch mit Medizinern aus China sei besonders wichtig. Das Klinikjubiläum weise auch auf 35 Jahre Dienst am Menschen hin. „Es geht am Ende um die Menschen, nicht um Paragraphen“, merkte Holetschek zur aktuellen Diskussion um die Gesundheitskosten an. Für die Zukunft komme der Rehabilitation große Bedeutung zu, um die Menschen für Alltag und Beruf fit zu machen. „Weg von der Reparatur und hin zu Prävention“ müsse die Devise lauten, so Holetschek.

Hoher Qualitätsanspruch muss jederzeit nachprüfbar sein

Der Bereichsleiter für stationäre Versorgung bei der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern, Uwe Fella, verband seine Gratulation mit dem Hinweis, dass die Jahrtausende alte chinesische Medizin eine andere Sichtweise auf Gesundheit und Krankheit habe als die westliche Schulmedizin. Nach der Gründung der TCM-Klinik in Bad Kötzting habe diese neue Form im Umgang mit Krankheiten in ganz Deutschland und sogar europaweit Verbreitung gefunden. Die Verbindung von TCM und moderner Psychosomatik setzte eine hohen Qualitätsanspruch voraus, dessen Erfüllung jederzeit nachprüfbar sein müsse.

Lob vom chinesischen Generalkonsul Qiu Xuejun

Der chinesische Generalkonsul Qiu Xuejun lobte die 35-jährige Zusammenarbeit von TCM und Schulmedizin als eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die unter anderem auch auf dem Engagement von Anton Staudinger an der TCM-Universität Beijing, im Dongzhimen-Krankenhaus und im „The Chinese Medicine Hospital of Hong Kong“ basiere, deren leitende Mitarbeiter in Grußworten auf die Brückenbauer-Funktion zwischen den Fachleuten zweier Welten hinwiesen. Besonders hoben die Redner aus der Volksrepublik China hervor, dass mit der Klinik in Bad Kötzting ein wichtiger Schritt zur Anerkennung und Wertschätzung der Traditionellen Chinesischen Medizin auf internationaler Ebene eingeleitet wurde.

Professor Tang Zhishu (r.), der Präsident der Universität Beijing, ernannte Michael Frey zum Ketzoh-Professor. - Foto: Alois Dachs

In einer Videobotschaft wies der Generalsekretär und Vizepräsident der World Federation of Chinese Medicine Societies, Li Yu, darauf hin, dass die traditionelle chinesische Medizin „tiefe Wurzeln geschlagen“ habe, aus denen sich ein starker Baum entwickeln könne. Der Erfolg der Bad Kötztinger Klinik habe eine Ausstrahlung auf ganz Europa und fördere den Austausch zwischen Medizinern verschiedener Länder.

Reibungslose Zusammenarbeit zweier Medizinwelten

Professorin Yang Likun, die seit zwei Jahren als Chefärztin in der TCM-Klinik Bad Kötzting wirkt, freute sich über die reibungslose Zusammenarbeit der Fachleute aus zwei verschiedenen Medizinwelten. Klinikgeschäftsführer Staudinger hob hervor, dass in 35 Jahren mehr als 250 Ärztinnen und Ärzte, Pfleger und Physiotherapeuten aus China zum Einsatz gekommen sind. Er dankte auch der Ausländerbehörde des Landratsamtes für die reibungslose Bearbeitung der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

Wichtig sei für die Entwicklung der TCM-Klinik die wissenschaftliche Begleitung an Unis beider Länder. Als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der TCM-Klinik erinnerte Prof. Dr. Dieter Melchart daran, dass die Dokumentation der Behandlungserfolge auch Beweis für eine erfolgreiche Behandlung ist. Sie liefere Fakten, die inzwischen auch in einem Buch dokumentiert wurden.

Mit einem Glasgeschenk aus China gratulierten die Gäste. - Foto: Alois Dachs

Nach der Eintragung ins Ehrenbuch der Stadt luden Anton und Christina Staudinger noch zu einem Stehempfang ein.

Ein paar Daten und Fakten zur TCM-Klinik:

Die Klinik verfügt derzeit über 75 Planbetten. In den letzten 35 Jahren wurden über 35 000 Patienten stationär behandelt. Die durchschnittliche Behandlungsdauer liegt bei vier bis fünf Wochen.

Die Patienten sind zu 75 Prozent Frauen. Durchschnittsalter: 54. Im Schnitt leiden die Patienten elf Jahre an ihrer Hauptbeschwerde. In der Ambulanz werden seit dem Jahr 2016 jährlich über 2000 Behandlungen durchgeführt.

Geschäftsführerin Christina Staudinger sagte, dass seit 2010 die TCM-Klinik als 4. Uniklinik der TCM-Universität Peking angeschlossen ist. Seit August 1991 bestehen Versorgungsverträge mit den gesetzlichen Krankenkassen. Seit dem Jahr 2010 wird die Klinik als Fachklinik für Psychosomatik und Psychotherapie mit der Besonderheit der TCM geführt.