Statt auf Verbote setzt die Stadt Furth im Wald (noch) auf die Vernunft der Bürger

Von Alexander Frimberger · 25. Juni 2026 um 15:15

Laut Bürgermeister Sandro Bauer und Mitgliedern seiner Verwaltung gibt es Beschwerden über Radfahrer und Reiter, die sich auf den roten Brücken, die zur Landesgartenschau entstanden sind, wenig rücksichtsvoll verhalten. In der Stadtratsitzung am Mittwochabend stellte Bauer ein Schild vor, das Radfahrer zum Absteigen auffordern soll.

Um den zahlreichen Beschwerden Rechnung zu tragen, wurde ein Schild entwickelt, auf dem in deutscher und tschechischer Sprache steht: „Fahrräder müssen in diesem Bereich geschoben werden“. Zusätzlich ist eine Figur zu sehen, die genau das tut.

Die Anweisung für Reiter sollte ergänzt werden. An diesem Tagesordnungspunkt entzündete sich eine lebhafte Debatte. Die Schilder hätten überhaupt keinen Rechtscharakter, man solle richtige Verbotsschilder überall aufstellen, fand Oskar Mühlbauer. Man wolle ja, dass Leute mit dem Rad unterwegs sind und gerade Kids müssten ja auch zum Pumptrack kommen, fand Silke Schell. Theresa Silberhorn fand, man solle Fußgängern in den Brückenbereichen Vorrang einräumen.

Mühlbauer, der gerade noch überall Schilder aufstellen wollte, fand jetzt, man könne ganz darauf verzichten, „und aufeinander aufpassen“. Andreas Roder fand, man könne die Sicherheitswacht zur Beobachtung einspannen, und Franz Stoiber, man habe eine Hinweispflicht, weil die Brückengeländer für Radfahrer teilweise zu niedrig seien. Schließlich beendete Bauer die Diskussion: „Jeder ist zur Rücksichtnahme verpflichtet, wir werden das weiter beobachten.“

Vom zweiten Aufreger wegen Rücksichtslosigkeit berichtete Andreas Roder. Demnach rennen Hunde unangeleint auf der Hoferinsel rum, pinkeln auch schon mal auf dem Kinderspielplatz. Das Urinieren der Vierbeiner könne man schlecht verhindern, sagte Hauptamtsleiter Stefan Schmidberger. Aber er verwies in beiden Fällen auf die Grünanlagensatzung der Stadt Furth im Wald. Die Hoferinsel und die Bereiche Chambauenpark, Regner-Insel, Leonhardi-Kapelle und weitere fallen darunter. Demnach darf in diesen Bereichen nicht geritten oder mit dem Rad gefahren werden. Dies gelte nicht für Wege, die durch Beschilderung freigegeben sind, und für Kinder bis acht Jahre. Die Einrichtungen dürfen nicht durch Hunde verunreinigt werden. In Kinderspielbereichen gilt außerdem, dass Hunde angeleint sein und von einem Halter geführt werden müssen, der jederzeit in der Lage ist, das Tier zu beherrschen. Zuwiderhandlungen können mit einer Geldbuße von bis zu 2500 Euro belegt werden.

Kommentar: Mit Rücksicht mehr Spaß am Leben

Ich habe zwei Hunde und entsprechend immer eine Handvoll sogenannter „Kacktüten“ dabei. Bei einem Spaziergang hat sich einer meiner beiden Rabauken auf einem Feldweg erleichtert. Ich hebe seine Hinterlassenschaft auf und sehe aus dem Augenwinkel, dass ein Bulldog auf mich zurast. Ich bekomme ein mulmiges Gefühl. Der Landwirt hält an, springt von seinem Gefährt und sagt: „Solche Hundebesitzer wie Sie bräuchten wir mehr.“

Daran, dass es ihm wichtig war, mir das zu sagen, sieht man den Leidensdruck und die Wut, die sich mit der Zeit gegen rücksichtsloses Verhalten aufbaut. Nicht anders verhält es sich bei Auseinandersetzungen auf dem Loop oder anderen Brücken. Statt, wie Oskar Mühlbauer sagt, aufeinander aufzupassen, meint jeder, er hat das Recht für sich gepachtet. Schnell keift man sich an, Schimpfwörter fallen und man muss froh sein, wenn es nicht zu Handgreiflichkeiten kommt.

Den Schaden haben wir alle. Die Hundebesitzer, die irgendwann nirgendwo mehr gern gesehen sind und bis auf wenige Bereiche ausgeschlossen werden. Radfahrer und Reiter, die mit Verbotschildern leben müssen. Um auf das Beispiel vom Anfang zurückzukommen: Probieren Sie es aus, seien Sie nett zu Ihren Mitmenschen, nehmen Sie Rücksicht und verzichten Sie auch einmal darauf, Recht zu haben. Sie werden sehen, es ist ein großartiges Gefühl.