Architektouren: Diese Gebäude sind im Landkreis Cham zur Besichtigung geöffnet

Seit 30 Jahren gibt es die sogenannten Architektouren, eine bayernweite Veranstaltung, bei der ausgewählte Beispiele für qualitätvolle Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung öffentlich besichtigt werden können. Stets finden die Architektouren am letzten Juni-Wochenende im Rahmen des bundesweiten „Tag (s) der Architektur” statt – dieses Jahr am 27. und 28. Juni.
Unter allen Einreichungen wurden heuer 199 Projekte in ganz Bayern durch einen unabhängigen Expertenbeirat ausgewählt. Die Projekte sind in den vergangenen drei Jahren entstanden und werden von den Planerinnen und Planern persönlich und kostenlos für Besucherinnen und Besucher präsentiert.
Auch Objekte im Landkreis Cham können am kommenden Wochenende besichtigt werden – und auch Architekten aus dem Landkreis Cham wurden für die Architektouren ausgewählt. Mit dabei sind die Architekturbüros Schnabel + Partner aus Bad Kötzting (mit der Kinderkrippe im Kulturhaus CHA13 in Cham sowie dem Dorfhaus Harrling), das Architekturbüro quadrat 45° aus Roding (mit dem Kindergarten Am Weinberg in Schwandorf), PH2 Architektur + Stadtplanung aus Furth im Wald (mit der Parkarena und dem Alten Amtsgericht Furth im Wald) sowie ein Architekturbüro aus Kelheim, das für die Sanierung der Rodinger Realschule verantwortlich zeichnete. Die Objekte im Einzelnen:
■ Dorfhaus Harrling, Zandt (Schnabel + Partner Architekten, Bad Kötzting): Das Dorfhaus Harrling ist ein Ort der Begegnung für die Gemeinde Zandt und die gesamte Region. Im Mittelpunkt steht der Veranstaltungssaal, der für vielfältige Anlässe genutzt werden kann und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Die besondere Atmosphäre des Gebäudes entsteht durch die leimfreie Massivholzbauweise und die markante Holzfassade mit ihrer charakteristischen Rautenstruktur. Je nach Lichteinfall wirkt die Fassade unterschiedlich und verleiht dem Haus eine lebendige, unverwechselbare Identität. Großzügige Verglasungen öffnen den Innenraum zur Umgebung und lassen Innen und Außen zu einem fließenden Raum verschmelzen. Ergänzt wird das Ensemble durch einen großzügigen Spielbereich mit hochwertigen Holzspielgeräten – ein Ort des Miteinanders für alle Generationen.
(Besichtigung: Dorfhaus Harrling, Dorfstraße 1, 93499 Zandt, geöffnet Samstag, 27. Juni, 10.30 bis 12 Uhr)

■ Kinderkrippe im Kulturhaus CHA13, Cham (Schnabel + Partner Architekten, Bad Kötzting): Ein altes Kulturhaus – gebaut um Erinnerungen zu bewahren. Heute verwandelt es sich in einen Ort, an dem neue Geschichten beginnen: das Spielen, Lachen und Entdecken der Kleinsten. Ein präziser Stahlbau auf rohem Beton schafft einen geschützten Spielbereich, der sich klar vom Bestand absetzt und ihn zugleich respektvoll ergänzt. Das kräftige Orange der Konstruktion steht als Signal für Lebendigkeit, Freude und Bewegung. Durchlässige Netze öffnen den Ort zur Stadt und lassen zugleich Geborgenheit entstehen. Silhouetten von Nutzern in den Zaunelementen erzählen vom neuen Nutzen des Hauses.

(Besichtigung: Kinderkrippe im Kulturhaus CHA13, Ludwigstraße 13, 93413 Cham, Sonntag, 28. Juni, 10.30 bis 11.30 Uhr)
■ Kindergarten Am Weinberg, Schwandorf (Architekturbüro quadrat45°, Roding): Auch in diesem Jahr ist es dem Rodinger Architekturbüro quadrat45° um Florian Brunner und Michael Müller wieder gelungen, mit einem Projekt bei den bayerischen Architektouren dabei zu sein. Die jährliche „Leistungsschau der bayerischen Architektenkammer“ bietet Einblicke in besondere Bauten. Ausgewählt wurde das Rodinger Büro, das in den vergangenen Jahren unter anderem schon mit dem Kinderhaus in Mitterdorf sowie dem „Findling“, einem besonderen Wohnhaus am Esper, mit dabei war, für einem Waldkindergarten in Schwandorf. Die Besonderheiten: Im Zentrum steht eine auf Stelzen gebaute Jurte, umgeben von einem Zaun, der die Optik eines Nestes schaffen soll. Die Jurte dient vor allem als Schutzraum und ist mit einer verglasten Luke nach oben hin geöffnet.
(Besichtigung: Kindergarten Am Weinberg, Nähe Jahnstraße 73 in Schwandorf, Sonntag, 28. Juni, 11 bis 14.30 Uhr)
■ Altes Amtsgericht, Furth im Wald (PH2 Architektur + Stadtplanung): Das Alte Amtsgericht in Furth im Wald wurde für die Architektouren 2026 der Bayerischen Architektenkammer ausgewählt. Das denkmalgeschützte Gebäude am Stadtplatz, direkt neben dem Rathaus, wurde 1862/63 errichtet und 1909 erweitert. Nach vielen Jahren des Leerstands wurde es behutsam saniert und zu einem lebendigen öffentlichen Haus weiterentwickelt. Heute vereint das Alte Amtsgericht Stadtbibliothek, Tourist-Information, Drachenstichbüro mit Ticketverkauf, Kulturamt und Europe Direct Informationsstelle unter einem Dach. Ziel der Sanierung war es, die historische Substanz zu bewahren und zugleich zeitgemäße Nutzungen zu ermöglichen. Erhaltene Bauteile wie Türen, Fenster, Stuckdecken und Parkettböden wurden aufgearbeitet, notwendige Ergänzungen bewusst modern und klar ablesbar eingefügt. Mit Lesecafé, Lesetreppe, barrierefreiem Zugang und moderner Bibliothekstechnik entstand ein offener Ort für Begegnung, Kultur, Information und Austausch mitten in der Stadt. Eine besondere Anerkennung erhielt das Projekt bereits im Mai 2026: Für das Alte Amtsgericht wurde PH2 Architektur + Stadtplanung auf der BiblioCon in Berlin mit dem ABI Technikpreis 2026 ausgezeichnet.
(Besichtigung: Ehemaliges Amtsgericht Furth im Wald, Stadtplatz 2, 93437 Furth im Wald, Samstag, 27. Juni, 14 bis 17 Uhr)
■ Park-Arena Furth im Wald ((PH2 Architektur + Stadtplanung): Die Park-Arena Furth im Wald wurde ebenfalls für die Architektouren 2026 der Bayerischen Architektenkammer ausgewählt. Damit ist nach dem Alten Amtsgericht ein weiteres Projekt aus Furth im Wald Teil des bayernweiten Veranstaltungswochenendes am 27. und 28. Juni 2026, bei dem ausgewählte Beispiele qualitätvoller Architektur öffentlich besichtigt werden können. Die Park-Arena entstand als zentrales Bauwerk der Landesgartenschau 2025. Sie ersetzt eine veraltete Festhalle und bildet heute einen offenen, multifunktionalen Raum für Kultur, Veranstaltungen und Begegnung. Mit ihrer pavillonartigen Form fügt sie sich in das Parkgelände ein und schafft eine neue öffentliche Mitte im Grünen. Prägendes Element ist die weitspannende, doppelt gekrümmte Holzgitterschale. Sie überspannt rund 45 Meter, erreicht etwa 14 Meter Höhe und bietet Raum für rund 450 Besucherinnen und Besucher. Die sichtbare Holzstruktur bestimmt den architektonischen Ausdruck, während eine transluzente Membran die Leichtigkeit der Konstruktion unterstreicht und je nach Tageszeit unterschiedliche Lichtstimmungen erzeugt. Das Tragwerk wurde digital entwickelt und mit hoher Präzision regional vorgefertigt. Die Konstruktion besteht aus 168 polygonalen Modulen und rund 1900 individuell gefertigten Holzbauteilen. Das Fichten- und Tannenholz stammt aus kommunalen Wäldern im Umfeld der Stadt, die Weiterverarbeitung erfolgte in der Region. Durch CNC-gefertigte Zapfen und Schraubverbindungen kommt die Holzschale ohne Stahlplatten innerhalb der Konstruktion aus. Das System ist sortenrein trennbar und ermöglicht eine spätere Wiederverwendung der Bauteile. Die Park-Arena zeigt, wie moderner Holzbau, digitale Planung, regionale Wertschöpfung und handwerkliche Umsetzung zusammenwirken können. Sie ist nicht nur Veranstaltungsort, sondern auch ein sichtbares Beispiel für ressourcenschonendes Bauen und für die Weiterentwicklung zeitgemäßer Baukultur im ländlichen Raum.
(Besichtigung: Park-Arena Furth im Wald, Eschlkamer Straße 10, 93437 Furth im Wald, Samstag, 27. Juni, 14 bis 17 Uhr)

■ Hallenbad und Turnhalle an der Konrad-Adenauer-Realschule Roding (raith architekten GmbH, Kelheim): Generalsanierung der Sport- und Schwimmhalle mit Schaffung von Barrierefreiheit im Bestand.
(Besichtigung: Realschule Roding, Mozartstraße 5, 93426 Roding, Sonntag, 28. Juni, 10.30 bis 11.30 Uhr)