Lange Tafel gegen Leerstand: Regensburger diskutieren über Zukunft des Kaufhof-Gebäudes

Von Friederike Nottrott · 21. Juni 2026 um 17:00

Der Architekturkreis Regensburg und die Initiative „Unser.Stadt.Raum | Zukunft Neupfarrplatz“ hatten zur „Langen Tafel der Baukultur“ eingeladen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Gespräche über mögliche Nutzungskonzepte und Perspektiven für den Gebäudekomplex.

Ein Dinner mitten in der Altstadt. Bei hochsommerlichen Temperaturen wurden der Neupfarrplatz und die Gassen rund um das alte Kaufhof-Gebäude am Freitagabend zum Treffpunkt für die Regensburger. Während sich die Hitze des Tages noch im Asphalt speicherte, versammelten sich zahlreiche Menschen an einer langen Tafel, um gemeinsam zu essen, ins Gespräch zu kommen und über die Zukunft eines der zentralen Orte der Regensburger Altstadt zu diskutieren.

Unter dem Titel „What the Kaufhof …“ hatten der Architekturkreis Regensburg sowie die Initiative „Unser.Stadt.Raum | Zukunft Neupfarrplatz“ zur „Langen Tafel der Baukultur“ eingeladen. Die Veranstaltung fand im Rahmen einer bundesweiten Aktion der Bundesstiftung Baukultur statt.

Ideen von Genussmeile bis zum Jugendzentrum

Die Veranstalter stellten die Tafel, die Teilnehmenden brachten Sitzgelegenheiten und Picknick mit. Der Neupfarrplatz und das seit Sommer 2024 geschlossene Kaufhof-Gebäude sollten so für einen Abend wieder zu einem Ort der Begegnungen werden und zugleich die Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen des Leerstands auf die Aufenthaltsqualität und Lebendigkeit des Quartiers lenken.

Im Mittelpunkt des Abends standen daher Gespräche über mögliche Nutzungskonzepte und Perspektiven für den Gebäudekomplex. Die Bürger waren eingeladen, ihre Ideen, Wünsche und Anregungen einzubringen und diese auch bei Bedarf über einen QR-Code online zu teilen. Welches Potential steckt noch immer in dem ehemaligen Kaufhaus?

„Ein Veranstaltungsort mitten in der Stadt, mit so vielen Schattenmöglichkeiten, das wäre doch eine geniale Idee für das Gebäude“, fand Verena Zettel, die an diesem Abend mit ihrer Familie gekommen war. Andere wünschen sich ein Rathaus, eine Postfiliale, eine Genussmeile, eine große Bibliothek oder ein Jugendzentrum. Wieder anderen ist es ganz egal, was mit dem Kaufhof passiert, Hauptsache grün soll es sein.

Für die beiden Veranstalter stand eine Grundsatzfrage bereits fest: Sie sprachen sich gegen einen Abriss des Gebäudekomplexes aus. „Das Wichtigste ist, dass die Stadt die Hand draufkriegt und sagt, man reißt es nicht ab, sondern man macht was draus“, sagte Architekt Johannes Zettel von der Initiative „Unser.Stadt.Raum | Zukunft Neupfarrplatz“. Im Anschluss daran könnten Ideen- und Architekturwettbewerbe ausgerufen werden, die die weitere Konzept-Planung ins Rollen bringen könnten. Die Initiative wünsche sich, dass am „Filetstück“ Neupfarrplatz ein Ort entstehe, der alle Regensburgerinnen und Regensburger anspreche, egal ob jung oder alt, ob Osten- oder Westenviertel, so Zettel. „Die Fläche ist da, sie muss nur genutzt werden“.

„Den Komplex wieder zum Leben erwecken“

„Wir wollen mit der Aktion auf diesen zentralen Ort, mit der Geschichte und der Identifikationskraft aufmerksam machen“, sagte Architekt Andreas Eckl vom Regensburger Architekturkreis. „Wir sind mit dem Gebäude aufgewachsen.“ Das ehemalige Kaufhof-Gebäude sei Teil der Stadtgeschichte und damit auch ein Stück bauliches Erbe der Regensburger Stadtgesellschaft. Doch jetzt „todelt es“ und das Gebäude verkomme, so Eckl.

Es sei ein Teufelskreis. Der Ort werde unattraktiver und allmählich zum Hinterhof. Er könne sich am ehesten eine kleinteilige Nutzungsmischung mit verschiedensten Angeboten in dem Gebäude samt der großen Dachterrasse vorstellen. Kommerz, Kultur, Arbeitsplätze. „Wenn man da eine gute Mischung findet, kann man es schaffen, den Komplex wieder zum Leben zu erwecken“, sagte Eckl.