Nachwuchs bei Familie Rothirsch im Bayerwald-Tierpark in Lohberg

Im Bayerwald-Tierpark in Lohberg (Landkreis Cham) gibt es auch heuer viele Nachkommen. Nach dem Nachwuchs im Streichelzoo bei Ziegen und Co. gab es unkomplizierte Geburten bei den Elchen, Luchsen und nun auch im Rothirschgehege, wo seit einigen Jahren erstmals wieder ein Hirschkalb das Licht der Welt erblickte. „Dies ist umso erfreulicher, weil der Rothirsch Wildtier des Jahres 2026 ist“, so fachliche Leiterin Claudia Schuh.
Im Frühling vollbringt die Natur Höchstleistungen und steht seit jeher für Aufbruch und Erneuerung. Im Bayerwald-Tierpark kommt in die Geburtenrate schon früh Bewegung, denn die Ziegen im Streichelzoo bringen ihre Zicklein bereits ab Heilig-Drei-König zur Welt. Durch ihren Anblick können sich Buben und Mädchen oftmals nur schwer von diesem Bereich trennen. „Tierbabys sind kleine Wunder, die die Menschen daran erinnern, wie schön das Leben sein kann“, bestätigt Claudia Schuh.
Rothirsch ist das Tier des Jahres
Kleine Geschöpfe, die seit dem 18. Mai mit ihrem Niedlichkeits-Effekt die Blicke auf sich ziehen, sind die Elch-Zwillinge, die sich prächtig entwickeln. Auch das Luchs-Geschwisterpaar sorgt für Aufmerksamkeit. Die Zwillinge haben den Bauch von Luchsmama „Nala“ am 5. Mai verlassen.
Ein weiteres Tierkind dieser Tage ist das Hirschkalb im Rotwildgehege. Der Rothirsch ist das größte Landsäugetier, das regelmäßig in Deutschland lebt. Der Artname schließt männliche und weibliche Tiere ein. Hirschkühe, Kälber und Jungtiere leben in Rudeln zusammen, auch die Hirsche bilden außerhalb der Brunftzeit Rudel. In Deutschland leben etwa 220 000 Rothirsche, verteilt auf rund ein Viertel der Landesfläche. Mit der Ernennung des Rothirschs zum Tier des Jahres 2026 möchte man auf eine Art aufmerksam machen, die in Deutschland zwar zahlreich vorkommt und sogar Konflikte mit der Land- und Forstwirtschaft hervorruft, gleichzeitig aber vor großen Herausforderungen steht.
Sie fressen bis zu 20 Kilogramm Pflanzen
Rothirsche sind Tiere der halboffenen Landschaft, fühlen sich also auf Wiesen und Feldern mit einzelnen Baumgruppen und Gehölzen am wohlsten. Doch weil sie dort von Menschen zunehmend bedrängt und bejagt werden, ziehen sie sich meist in den Wald zurück. Dort fressen sie täglich bis zu 20 Kilogramm Pflanzen und gestalten damit ihren unfreiwillig besiedelten Lebensraum um.
Was Konflikte mit der Forstwirtschaft verursachen könnte, hat aber auch positive Effekte: Rothirsche schaffen kleine Lichtungen, auf denen sonnenliebende Kräuter und Gräser wachsen können und Schmetterlinge, Wildbienen und Waldameisen ideale Lebensbedingungen finden. Das Geweih der männlichen Rothirsche, das jedes Jahr abfällt und neu aufgebaut wird, bietet mineralstoffreiche Nahrung für Eichhörnchen und andere Nagetiere. Außerdem verbreiten Rothirsche Pflanzensamen: Vor allem junge Hirsche unternehmen weite Wanderungen, um neue Lebensräume zu besiedeln. Dabei tragen sie Samen verschiedenster Pflanzen über viele Kilometer im Fell mit sich oder scheiden sie mit ihrem Kot aus.
Die Wanderungen sorgen auch für den genetischen Austausch zwischen einzelnen Rothirsch-Populationen. Doch sie enden heute häufig an Autobahnen, Bahntrassen, Kanälen – oder behördlich vorgeschriebenen Grenzen der Artverbreitung. In Baden-Württemberg dürfen Rothirsche nur vier Prozent der Landesfläche besiedeln. Auf den übrigen 96 Prozent der Fläche sind Jäger gesetzlich verpflichtet, bis auf wenige Ausnahmen jeden Rothirsch zu erlegen. Durch die Verinselung der Rothirsch-Vorkommen verliert die Art mehr und mehr genetische Vielfalt. Populationsgenetiker sprechen bereits vom Beginn eines Aussterbeprozesses.
Menschen müssen den Tieren mehr Raum geben
Um dem Rothirsch zu helfen, müssen seine Lebensräume besser miteinander vernetzt werden. Das schafft man unter anderem, indem mehr Grünbrücken über Autobahnen gebaut werden und wandernde Tiere grundsätzlich nicht gejagt werden dürfen. Eine wichtige Rolle spielen auch neue Lebensräume: Zwischen weit auseinanderliegenden Vorkommen müssen sich kleine Populationen etablieren dürfen, die als Trittsteine zur Vernetzung dienen. „Nur wenn wir dem Rothirsch wieder mehr Raum geben, kann es gelingen, diese faszinierende Tierart langfristig in Deutschland zu erhalten“, ist auch Claudia Schuh überzeugt.