Neuer Vorsitzender Nerb will um Fördermittel für Natur- und Landschaftspflege kämpfen

Kein Staffel-, sondern ein Hirtenstab begleitete den Vorstandswechsel beim VöF: Der neue Landrat Christian Nerb ist nun auch Vorsitzender des Kelheimer Landschaftspflegeverbands. Am Rande der Jahresversammlung umriss er seine Vorstellungen zur VöF-Zukunft.
Hüte-Schäferei spielt einen wichtigen Part in der Pflege von Blühwiesen und Co. – Utensilien daraus begleiteten denn auch die Neuwahl bei der Jahresversammlung des Landschaftspflegeverbands Kelheim VöF: Den Schäfer-Hut gab’s als Abschiedsgeschenk für den scheidenden Vorsitzenden Martin Neumeyer, der wiederum einen Hirtenstab an seinen Nachfolger Christian Nerb überreichte.
Die außertourliche Wahl – reguläre Neuwahlen sind erst wieder in fünf Jahren – war satzungsgemäß erforderlich, nachdem Martin Neumeyer in seiner Landratsfunktion auch zum VöF-Vorsitzenden gewählt worden war, nun aber nicht mehr Landrat ist. Ihn verabschiedeten ihn VöF-Geschäftsführer Klaus Amann und Vize-Vorsitzender Klaus Blümlhuber im Beisein von rund 50 der 225 Vereinsmitgliedern, die die Bereiche Naturschutz, Landwirtschaft, Behörden und Kommunen repräsentieren.
„Dir ist der VöF echt ans Herz gewachsen“, dankte Amann für „zehn intensive Jahre“, in dem sich der Verband unter Neumeyers Führung gut habe weiterentwickeln können. Auch dank „schneller und kurzer Dienstwege“. Vorstandsmitglied Konrad Pöppel lobte die „völlig unkomplizierte und zielgerichtete Zusammenarbeit im VöF, zum Wohle des Landkreises und seiner Menschen“.

Mit Blick auf Neumeyers Heimatstadt Abensberg regte er an, dort bei der Überarbeitung des Flächennutzungsplans „einen Biotopverbund nach dem Mainburger Vorbild zu integrieren“. Dank sagte auch Kreisbäuerin Rita Schultes dem scheidenden Vorsitzenden für „konstruktive Zusammenarbeit und Auseinandersetzungen“.
Bestehende Projekte sollen fortgeführt werden
Die Wahl vom neuen Landrat Christian Nerb zum VöF-Vorsitzenden erfolgte auf Vorschlag des Verbands-Kuratoriums und einstimmig. „Ich werde mich bemühen, die hervorragende Arbeit meines Vorgängers in gleicher Weise fortzusetzen“, versprach der Saaler FW-Politiker. Eine Übergabe-Besprechung von ihm und Neumeyer mit der VöF-Geschäftsführung hat es bereits gegeben.
Auf unsere Nachfrage sagte Nerb, er übernehme den Vorsitz eines „gut geführten Verbands“, weshalb es keine akuten Herausforderungen gebe. Ziel „von mir und der Vorstandschaft“ sei es, die bestehenden Projekte weiter umzusetzen und im Idealfall neue finanziert zu bekommen. „Dranbleiben“ will er insbesondere bei den in der Fläche wirkenden Projekten „Humus-Tandem“ (Kohlenstoffspeicherung in Äckern und Grünland) und Schwammregion (Wasserrückhalt in der Landschaft zum Schutz vor Dürre und Starkregen).
Fachlich sieht sich der Diplom-Verwaltungswirt und frühere Hauptkommissar übrigens gut beraten fürs neue Amt: Mit Sohn und Schwiegertochter in spe hat er Biologe und Biologin in der Familie; letztere sogar im Naturschutz am Umweltministerium tätig.
Die Kürzung von staatlichen Fördermitteln sei „aktuell überall ein Thema“, dementsprechend auch in der Landschaftspflege, so Nerb auf Nachfrage weiter. Landkreis und Gemeinden könnten die wegfallenden Mittel nicht ausgleichen, deshalb „kann es sein, dass wir an der einen oder anderen Stelle sparen müssen“. Aber bevor es so weit kommt, „werden wir versuchen, weitere Mittel einzutreiben“. Nutzen will er dafür unter anderem ein Gespräch mit seinem Parteikollegen und Umweltminister Thorsten Glauber, das demnächst in Kelheim geplant sei.
Zumindest bislang hat der VöF die Münchner Sparbemühungen noch weitestgehend kompensieren können; Der Gesamtumsatz ist im vorigen Jahr, mit rund 1,9 Millionen Euro, nahezu unverändert zu 2024 geblieben (1,95 Mio.). Freilich schlage sich der Rückgang der Fördermittel – in erster Linie die sogenannten „GAK-Mittel“ des Bundes für den Freistaat – spürbar erst im diesjährigen Etat durch, sagte Geschäftsführer Klaus Amann auf Nachfrage. Er hofft aber, dies weiterhin mittels Ausweichen auf andere Fördertöpfe kompensieren zu können: insbesondere auf die der Ländlichen Entwicklung, des Bayerischen Naturschutzfonds und der italienischen Stiftung Fondazione Capellino. Dieses Umschichten beschert dem Verband allerdings einiges mehr an Arbeit.
Eine Arbeit, die aus buchhalterischer Sicht „keinerlei Grund zur Beanstandung“ ergab: Dies stellte Jörg Nowy in seinem letzten Rechnungsprüfungsbericht für den Verband fest. Auch er wurde mit Dankesworten aus dem Amt verabschiedet; zum neuen Rechnungsprüfer wurde einstimmig Michael Raßhofer gewählt.
Pflege-Arbeit in Gemeinden bleibt Hauptbetätigung
Einhellig grünes Licht gaben die Mitglieder auch für den vorgestellten Haushaltsentwurf 2026. Er sieht Einnahmen und Ausgaben von 2,237 Mio. Euro vor. Wichtigster Finanzier bleibt der Staat, der über diverse Fachbereiche und Programme insgesamt rund 1,32 Mio. Euro beisteuert. Vom Landkreis und seinen Gemeinden kommen gut 400.000 Euro. Ausgegeben wird das Geld vor allem für Landschaftspflege in den Gemeinden (rund 945.000 Euro), fürs Managen der Verbandsarbeit (692.000) sowie das Naturschutzfonds-Großprojekt „Weidelandschaft“ (180.000 Euro).
Struktur und Schwerpunkte im Landschaftspflegeverband
„Erfolgsrezept“: Der VöF hütet seit der Gründung 1985 (als bundesweit erster Landschaftspflegeverband) die „Drittel-Parität“ in der Vorstand: mit je zwei Vertretern aus Kommunalpolitik, Naturschutz und Landwirtschaft. Aus diesen drei Bereichen kommen auch die Mitglieder des Kuratorium s, das beratend und beschließend ist.
Arbeit: „Kerngeschäft“ des VöF sind Pflege und Erhalt von Natur und Kulturlandschaft sowie Arten- und Biotopschutz; hinzugekommen sind Klima- und Bodenschutz. Arbeiten führt der Verband nicht selbst aus, sondern beauftragt Landwirte, Maschinenringe und Co. Wichtig sind ferner Umweltbildung und -öffentlichkeitsarbeit sowie das regionale Leader-Management.