Antisemitisches Schreiben von Lamer Hotel: „Zutiefst erschütterter“ Landrat zieht erste Konsequenzen

„Keine Juden erlaubt“: Das, was das Hotel „Zum Hirschen“ in Lam (Landkreis Cham) auf eine Buchungsanfrage aus Israel hin geantwortet haben soll, sorgt für Entsetzen – auch bei Bürgermeister Paul Roßberger und Landrat Christian Schindler. Sie verurteilen die Äußerungen scharf und ziehen erste Konsequenzen.
„Der bekannt gewordene Vorfall erschüttert uns zutiefst. Antisemitismus hat im Landkreis Cham keinen Platz“, lässt sich Landrat Schindler (FW) in einer Pressemitteilung zitieren. Die Region stehe für Offenheit und Gastfreundschaft für Besucher aus aller Welt. „Ein solcher Einzelfall darf nicht das Bild unserer zahlreichen engagierten und weltoffenen Gastgeber prägen.“
Hier sehen Sie ein Video: „Massiv dumm“: Juniorchef von Lamer Hotel entschuldigt sich vor laufender Kamera für Juden-Satz
Auch die Gemeinde Lam distanziert sich laut der Pressemitteilung von den Vorgängen. „Lam steht wie der gesamte Landkreis für Offenheit, Gastfreundschaft und Respekt. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, ist dieses Verhalten absolut inakzeptabel und wird auf das Schärfste verurteilt“, wird Roßberger (CSU-BWV) zitiert. Diskriminierung und antisemitische Aussagen widersprächen dem „touristischen Selbstverständnis“ der Marktgemeinde zutiefst.
Antisemitischer Vorfall in Lam: Hotel „Zum Hirschen“ von Websites gestrichen
Der Landkreis Cham und der Markt Lam wollen laut ihrer gemeinsamen Mitteilung die laufenden Prüfungen durch den Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung bestmöglich unterstützen, um den Fall aufzuklären. Landrat Schindler stehe in Kontakt mit Dr. Ludwig Spaenle, Staatsminister a. D. und Beauftragter der bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus. Auch mit der Polizei und allen weiteren beteiligten Stellen erfolge eine enge Abstimmung.
Zudem habe die Tourismusabteilung des Landkreises im Einvernehmen mit der Marktgemeinde die Entscheidung getroffen, den Hotelbetreiber bis auf Weiteres auf den touristischen Webseiten zu sperren und nicht zu vermarkten.
Dem Hotel wird vorgeworfen, eine Buchung aus Israel aus antisemitischen Gründen abgelehnt zu haben. „Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt“, sollen Mitarbeiter in Englisch auf einer Buchungsplattform geschrieben haben. Inzwischen hat sich das Hotel bei dem Gast entschuldigt.
„Überhaupt nicht unser Weltbild“ – Juniorchef entschuldigt sich bei Gast
„Das ist überhaupt nicht unser Weltbild“, sagte Juniorchef Andreas Vogl auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das Hotel kämpfe seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishing-Versuchen, erklärte er. Auch bei der Anfrage aus Israel habe man fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele. „Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren.“
Bei dem Hotel gehen laut Juniorchef Vogl seither täglich Drohungen ein – selbst von Morddrohungen ist die Rede. „Auch diese Grenzüberschreitungen sind nicht akzeptabel. Sie tragen nicht zu einer Aufklärung des Vorfalls bei und können ebenfalls Gegenstand von strafrechtlichen Ermittlungen werden“, betont Schindler.