Pfand-Neuerung im Supermarkt: Diese Produkte kosten bald mehr

Von Lea Mitulla · 5. Juni 2026 um 10:38

Marmelade, Senf oder Gewürzgurken werden bislang im Einwegglas verkauft. Doch schon bald könnte bei diesen Produkten Pfand fällig werden.

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Glaskonserven sind in deutschen Supermärkten weit verbreitet. Doch während bei Joghurt in Glasverpackung schon länger Pfand fällig wird, handelt es sich bei Lebensmitteln außerhalb des Kühlregals weiterhin um Einweggläser, die bestenfalls im Altglascontainer landen. Ein Verbund aus 24 Lebensmittelherstellern, darunter bekannte Marken wie Develey und Kühne, will künftig auf ein Pfandsystem umsteigen, um Müll zu reduzieren.

Bald Pfand auf Gewürzgurken, Senf und Co.: Hersteller wollen Mehrweg-System

Wie aus einer gemeinsamen Mitteilung hervorgeht, seien der steigende CO2-Industriepreis für Einwegglas und die erhöhten Lizenzkosten für deren Entsorgung Gründe für den Umstieg. Der Geschäftsführer von Feinkost Dittmann, Timm Reichold, erhofft sich „mehr Planungssicherheit und Stabilität bei Verpackungen“ von der neuen Allianz. Die Firmen arbeiten für den Umstieg mit dem Berliner Start-up „Dotch“ zusammen. Das Verpackungsunternehmen spezialisiert sich auf Mehrwegsysteme.

Das Pfandsystem von Dotch wird bislang im Bio-Fachhandel genutzt. Insgesamt habe der Anbieter knapp 750.000 Flaschen im Umlauf, berichtet die Lebensmittelzeitung (LZ). Das Unternehmen übernimmt sowohl die Bereitstellung, den Transport, die Reinigung und die Rückführung. Die Hersteller müssen dafür eine Nutzungsgebühr und den Pfandwert der Verpackung zahlen.

Pfand auf Gläser: So viel müssen Kunden draufzahlen

Letzterer wird wie beim Flaschenpfand als durchlaufender Posten gehandelt: Kunden zahlen den Pfandwert und bekommen ihn nach Abgabe der Verpackung wieder zurück. Die Firmen dürfen ihn also nicht zum Gewinn dazuzählen. Bei folgenden Produkten im Supermarkt müssen Kunden künftig Pfand entrichten:

• Glasflaschen: 50 Cent Pfand

• Schraubgläser: 25 Cent Pfand

• Betroffene Produkte: Obst- und Gemüsekonserven, Senf, Soßen, Speiseöl, Essig und Sirup

Diese Hersteller machen bei der Pfand-Initiative mit

Der Vorteil des geplanten Mehrweg-Systems ist, dass es sich um ein offenes System mit Standardflaschen- und gläsern handelt. Kunden können das Leergut somit bei allen Händlern zurückgeben, die die Mehrwegbehälter im Sortiment haben. Folgende Hersteller und Händler wollen auf Mehrweggläser umsteigen:

• Allgäuer Ölmühle

• Alfred Paulsen

• Andros

• Bauck Mühle

• Bio Planéte

• Brändle

• Brökelmann

• Carl Kühne

• Develey

• Dreher Bio und Ölmühle Oberschwaben

• Feinkost Dittmann

• Henry Lamotte

• Il Cesto

• Jordan

• Kappelbauer Ölmühle

• Mani Bläuel

• Marschland

• Monin

• Teikei

• Teutoburger Ölmühle

• Unser Land

• VFI

• Wasgau Ölmühle

Pfandgläser bei Alnatura und Dennree: So kommt das Mehrweg-System bei Kunden an

Für Hersteller und den Handel birgt die Umstellung auf Mehrweggläser ein gewisses Risiko. Isabella Kuhl, Leiterin des Qualitätsmanagements bei Alnatura, hat bereits Erfahrung mit dem Dotch-System und spricht in der LZ von einer „Investition in die Zukunft“. Mehrkosten entstehen etwa durch die aufwendige Leergutlogistik. Diese können über steigende Mengen reduziert werden. Dafür ist vor allem eines entscheidend: die Kundenakzeptanz.

„Herausfordernd bei neuen Systemen ist, dass die Kunden die Gebinde noch nicht kennen“, so Kuhl. Sie sei aber zuversichtlich, dass Kunden die Produkte ähnlich gut wie andere Mehrweg-Lösungen annehmen werden. Auch bei Dennree seien die Pfandflaschen „sehr gut“ angenommen worden, wie der Händler der LZ mitteilte. Allerdings sei der Rücklauf der Pfandflaschen im Verhältnis zum Abverkauf „noch nicht ausreichend hoch“.

Wann kommt das Pfand auf Glaskonserven?

Wann das neue Mehrweg-System eingeführt werden soll, ist noch nicht bekannt. Die beteiligten Hersteller wollen in erster Linie ein Zeichen setzen. „Wir bilden eine Allianz, um dem Handel zu zeigen, wie groß das Interesse der Hersteller an Mehrweg-Glasverpackungen ist“, erklärte Veronika Pfender, Geschäftsführerin von Dotch, der LZ.

Glasverpackung besser fürs Klima? Warum das oft gar nicht stimmt

Glasverpackungen erscheinen auf den ersten Blick als umweltschonende Alternative zu Einwegplastik. Doch auch Einwegglas verbraucht in der Produktion viele Ressourcen. „Die Glasherstellung beinhaltet einen Schmelzprozess bei sehr hohen Temperaturen, der auf dem Einsatz fossiler Brennstoffe basiert“, erklärt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Selbst wenn bei der Produktion Altglas eingesetzt wird, wird dieser Prozess nicht emissionsarm. Der Transport von Glasbehältern verursacht ebenfalls hohe Schadstoffemissionen, da sie deutlich schwerer sind. Insgesamt hat Glas dadurch eine noch schlechtere Umweltbilanz als Plastikverpackungen, wie eine Untersuchung des Instituts für Energie- und Umweltforschung (ifeu) gezeigt hat.

Vielen Menschen sei diese Umweltbelastung nicht bewusst, so die Experten von Nabu. Mehrweggläser könnten laut einer Studie im Auftrag des Vereins helfen, diese Belastung zu verringern.