Polizei nennt Details zu Prügel-Orgie in Regensburger Park: AfD spricht von Clans – ohne Beleg

Eine riesige Schlägerei im Regensburger Ostpark sorgt für Aufsehen: Auf Nachfrage äußern sich die Ermittler nun zu Details. AfD-Abgeordnete Carina Schießl kritisiert indes die Arbeit der Polizei.
Die Polizeiinspektion Regensburg Süd meldete am Freitagnachmittag die Prügelei am Donnerstagabend. Anlass für die Auseinandersetzung seien Kinder gewesen, die sich mit Gegenständen bewarfen. Insgesamt seien rund 40 Menschen beteiligt gewesen. Fünf Personen seien verletzt worden – darunter ein Kind. „Angesichts der hohen Anzahl an Beteiligten und des dynamischen Tatgeschehens bittet die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe.“
Am Freitagabend veröffentlichte die Regensburger AfD-Bundestagsabgeordnete Carina Schießl ein offensichtlich KI-generiertes Bild mitsamt Statement zu der Prügelei. Auf dem Bild sind zahlreiche dunkel gekleidete Gestalten zu sehen, die aufeinander einschlagen. Im Hintergrund sieht man den Dom, im Vordergrund vier besorgt blickende Menschen namens Herbert, Susanne, Michael und Marianne. Weiter heißt es: „Waren es etwa die Familienclans von Michael und Marianne gegen Herbert und Susanne?“ Und: „Oder waren es nicht eher die üblichen Verdächtigen?“ Im Statement wirft Schießl unter anderem die Frage auf, welche Nationalitäten an dem Vorfall beteiligt waren. Zudem betont sie: „Parks sind für Familien da – nicht für Clan-Fehden, Machtdemonstrationen und Gewaltorgien.“
Prügelei im Regensburger Ostpark: Polizei nennt auf MZ-Anfrage Nationalitäten
Ein Sprecher der Polizeiinspektion Regensburg Süd sprach auf MZ-Anfrage davon, dass die Ermittlungen noch in einem sehr frühen Stadium seien. Noch sei etwa nicht klar, gegen welche der rund 40 Personen man tatsächlich ermitteln müsse und wer nur Zeuge sei. Auch die Hintergründe seien offen. Inzwischen habe man rund 20 Personalien festgestellt. Es seien acht verschiedene Nationalitäten darunter. Deren Nennung hätte schlicht den Umfang des Presseberichts gesprengt, so der Sprecher weiter.
Auf Nachfrage sagt der Beamte, dass nach bisherigen Erkenntnissen Deutsche, Somalier, Iraker, Türken, Mazedonier, Tunesier, Italiener und Ukrainer beteiligt gewesen seien. Einen Schwerpunkt auf einer Nationalität habe es nicht gegeben. Auf die Frage, ob der Ostpark ein Kriminalitätsschwerpunkt für die Polizei ist, betont der Sprecher, dass es dort immer mal wieder zu Einsätzen komme. Es seien allerdings nicht überproportional viele.
Ein Sprecher der AfD-Abgeordneten Schießl kritisiert auf Nachfrage der MZ: „Bei einem Vorfall dieser Größenordnung [...] wirkt es zumindest sehr befremdlich und erklärungsbedürftig, wenn zu diesem Zeitpunkt keinerlei belastbare Angaben zu Staatsangehörigkeiten oder Herkunftsbezügen der beteiligten Familien gemacht werden können oder veröffentlicht werden.“ Dabei gehe es nicht darum, vor Abschluss der Ermittlungen einzelne Personen vorzuverurteilen. „Es geht um Transparenz bei einem erheblichen Gewaltvorfall im öffentlichen Raum.“
Riesige Schlägerei im Regensburger Ostpark: Warum spricht die AfD von einer Clan-Streitigkeit?
Nur: Wie kommt Schießl zur Vermutung, es handele sich um eine Clan-Streitigkeit? Der Sprecher: „Die Vermutung ergibt sich aus dem geschilderten Muster des Vorfalls: Laut Berichten entwickelte sich der Streit aus einer Auseinandersetzung zwischen Kindern, anschließend eskalierte er zwischen den Familien der Kinder und weiteren Personen.“ Ein Clan sei im allgemeinen Sprachgebrauch nichts anderes als eine Großfamilie. Der Begriff bedeute nicht automatisch organisierte Kriminalität.
Vor dem Hintergrund der geschilderten Ereignisse liege die Vermutung zumindest nahe, „dass hier großfamiliäre Strukturen eine Rolle gespielt haben könnten“. Das sei keine Tatsachenbehauptung, betont der Sprecher, „sondern eine politische und kriminalistische Arbeitshypothese, die durch transparente Ermittlungsinformationen bestätigt oder widerlegt werden müsste“.
Und wen meint Schießl mit den „üblichen Verdächtigen“? Damit sei keine konkrete Nationalität gemeint, macht der Sprecher deutlich. „Gemeint ist das in der Kriminalitätsstatistik seit Jahren sichtbare Muster, dass nichtdeutsche Tatverdächtige bei Gewaltkriminalität deutlich überrepräsentiert sind.“