Wasserwacht warnte sie noch: Zehn Badegäste spielten am Steinberger See mit ihrem Leben

Von Martin Kellermeier · 31. Mai 2026 um 18:08

Als sich am Sonntagmittag über dem Steinberger See ein Gewitter zusammenbraut, zögert die Wachbesetzung der örtlichen Wasserwacht keine Sekunde: Die Ehrenamtlichen fahren mit ihrem Boot hinaus und warnen die Badegäste vor dem Unwetter. Der Großteil verlässt daraufhin umgehend den See, doch zehn Badegäste unterschätzen die herannahende Gefahr. Sie befinden sich plötzlich in einer lebensbedrohlichen Situation.

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Die Integrierte Leitstelle Oberpfalz-Nord, die derzeit eine neue Zentrale in Wernberg-Köblitz baut, hatte gegen 13.15 Uhr Großalarm ausgelöst. Mehrere Personen sind in Wassernot, hieß es. Diese Meldung hatte zur Folge, dass sich Einheiten der Wasserwacht aus dem gesamten Landkreis Schwandorf, ein Dutzend Fahrzeuge des Rettungsdienstes und mehrere Feuerwehren auf den Weg machten.

Auch ein geländegängiges Fahrzeug kam am Steinberger See zum Einsatz. - Foto: Martin Kellermeier

Es stürmte und regnete stark, als die ersten Retter am See eintrafen. Mehr noch: Immer wieder blitzte es. Wer sich bei diesem Wetter noch im See aufhält, befindet sich in Lebensgefahr, stellte Leitender Notarzt Philipp Wolf im MZ-Gespräch fest. Und so setzten die Kräfte der Wasserwacht alle Hebel in Bewegung, um ein Boot nach dem nächsten ins Wasser zu bringen und die verbliebenen Badegäste, die unter anderem mit Stand-up-Paddle-Boards und Paddelbooten unterwegs waren, retten zu können.

Leicht unterkühlt, aber keine ernsthafteren Verletzungen

Wie durch ein Wunder wurde keine der zehn Personen ernsthaft verletzt, lediglich zu leichten Unterkühlungen kam es. Fünf Badegäste konnten sich laut Wolf selbst ans Südufer retten, der Rest schaffte es noch auf eine der beiden Inseln im See. Dort holte sie die Wasserwacht ab und brachte sie sicher ans Festland. Die Geretteten hatten offenbar trotz der Warnung durch die Wasserwacht das aufziehende Gewitter total falsch eingeschätzt. „Der Steinberger See ist tückisch. Die Unwetter kommen brutal schnell, Einheimische wissen das“, erklärte Leitender Notarzt Wolf.

Der Steinberger See ist tückisch. Die Unwetter kommen brutal schnell, Einheimische wissen das.Philipp Wolf, Leitender Notarzt

Der Alarm hatte für einen Großeinsatz gesorgt. Vor Ort waren die Wasserwachten Steinberg, Schwandorf, Schwarzenfeld, Pfreimd, Nabburg, Maxhütte-Haidhof, Burglengenfeld, Nittenau, Bodenwöhr und Neunburg. Neun Schnelleinsatzgruppen und acht Boote waren im Wasser. Ferner eilte der Rettungsdienst mit acht Rettungswagen und zwei Notärzten zum Steinberger See. Ein alarmierter Rettungshubschrauber konnte aufgrund des Gewitters den Einsatzort nicht anfliegen. Insgesamt waren von Wasserwacht und Rettungsdienst etwa 110 Kräfte vor Ort.

Mehr als 150 Einsatzkräfte waren vor Ort am Steinberger See

Geleitet wurde deren Einsatz vom Organisatorischen Leiter Sebastian Horny sowie dem Leitenden Notarzt Philipp Wolf. Sie wurden unterstützt von Korbinian Kurz, dem Einsatzleiter Wasserrettung, sowie Maximilian Hein, Einsatzleiter Rettungsdienst. Auch die Feuerwehren Steinberg am See, Wackersdorf und Klardorf waren mit etwa 50 Aktiven vor Ort, wie Steinbergs Kommandant Thomas Knerer der MZ mitteilte. Ebenso im Einsatz war die Bergwacht.

Auch die Feuerwehren aus Steinberg am See, Wackersdorf und Klardorf waren im Einsatz. - Foto: Martin Kellermeier
Ein Boot nach dem nächsten wurde von der Wasserwacht ins Wasser gelassen. - Foto: Martin Kellermeier
Der Rettungsdienst war mit einem Großaufgebot vor Ort. - Foto: Martin Kellermeier

Weil die Wasserwacht die Badegäste aktiv vor dem Unwetter gewarnt hatte, ist offen, wer für die Kosten des Großeinsatzes aufkommt. Innerhalb der Schwandorfer Kreis-Wasserwacht werde nun geprüft, ob man den Einsatz den Betroffenen in Rechnung stellen kann, kündigte Leitender Notarzt Philipp Wolf an.

Beim nur wenige Kilometer entfernten Murnersee kam es durch das Unwetter indes zu keinem Einsatz. Wie die Wasserwacht mitteilte, hatten die dortigen Badegäste unmittelbar nach einer Warnung das Gewässer verlassen und sich in Sicherheit gebracht.