Wenn Theres und Wally durch die Abensberger Brauergasse ziehen

Von Karin Stauber · 26. Mai 2026 um 17:00

Die Ideen zu historischen Führungen rund um Abensberg gehen den beiden Stadtführerinnen Ulrike Holzapfel und Agnes Englerth zusammen mit Veronika Wimmer vom Stadtmuseum, nicht aus. Nach „die kultigen 70iger Jahre“ geht es diesmal zurück in das Jahr 1929.

Abensberg, das als das „nördliche Tor“ zur Hallertau“ gilt und als Hopfenstadt bekannt ist, war zu dieser Zeit mit zahlreichen Brauereien dicht besiedelt. Etwa 13 sollen es im Laufe der Jahre, laut Stadtarchivar Ludwig Stockert, gewesen sein, die innerhalb der Altstadt dem Braugewerbe nachgingen.

Unter dem Motto „Abensberg und seine Brauereien“ hat sich damit eine neue szenische Führung entwickelt. Auf den Spuren einiger ehemaligen und noch vorhanden Brauereien gehen Holzapfel in der Rolle der Wirtin Theres und Englerth als Wally, die Frau eines Brauersknecht (abwechselnd mit Marlene Forstner und Nicole Euringer), am letzten Freitag im Monat, mit einem buntgemischten Publikum aus nah und fern, durch Abensberg.

Das „Ewige Licht“ als Anlaufstelle

Ihre erste Anlaufstelle ist die verrufene Münchner Bierhalle das sogenannte „Ewige Licht“. Die Lokalität befand sich gegenüber des Herzogkastens, der ursprünglichen Hopfenhalle. Dort gab es ein Stereoskop in dem, wie sich Wally ereifert, unsittliche Bilder gezeigt wurden. Weiter geht es zur Gambrinus Brauerei, die über Maschinen aus der Abensberger Maschinenfabrik Rössler verfügte.

Bei einem Brand ging jedoch alles verloren. Die größte Ökonomie mit Bauernhof, Brauerei und Wirtschaft war der Betzelbräu. Am Stadtplatz findet sich dann das heute repräsentative Gasthaus Kuchlbauer, das 1904 bei dem großen Brand von Abensberg bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist und wieder originalgetreu aufgebaut wurde. Gegenüber befand sich der Hofbräu. Der Schriftzug befindet sich auch heute noch an der Hausfassade.

Gegenüber des Rathauses gab es den Hintermaierbräu. Auf dem Weg zum Jungbräu, in dessen schönen Saal sich die Kulturgesellschaft traf, führen Theres und Wally noch am Karglbräu vorbei. Gegenüber vom Jungbräu steht der Aumerbräu. Der galt um 1900 als die größte Brauerei im Umkreis. Die Christliche Bauernbruderschaft Abensberg wurde dort gegründet. Auf dem Weg durch die heutige Ulrichstraße, die einst Brauergasse hieß, berichten die Stadtführerinnen vom ehemaligen Zaunerbräu und dem Wiedlbräu. In der Brauergasse fand auch der umtriebige Viehmarkt statt.

Die Straße führt zum Karmeliterplatz. Dort befand sich die Klosterbrauerei der Karmeliter. Mit einem Blick in Richtung Bahnhof erinnert sich Theres an die vielen Saisonarbeitskräfte die während der Hopfenernte in Abensberg ankamen.

Als ab dem 1. Juni 1874 der erste Zug auf der Strecke der Unteren Donautalbahn, zwischen Ingolstadt und Regensburg, am neu erbauten Bahnhof eintraf, war dieses Verkehrsmittel beliebt für den Transport der ca. 200.000, meist aus dem Bayerischen Wald stammenden Arbeitskräfte.

Mit einem süffigen Umtrunk beim Ottenbräu beenden die Stadtführerinnen ihren Rundgang zu den Abensberger Brauereien - Foto: Karin Stauber

Bier wurde aus dem Keferloher ausgeschenkt

Am Abensberger Bahnhof wurden sie von den Hopfenbauern in Empfang genommen und zu ihren Einsatzorten gebracht. Legendär war zum Abschluss der Ernte das beliebte Hopfenmahl, eine große bierselige Feier. Unerwähnt bleibt auch nicht der Gillamoos, Volksfest, Jahrmarkt und für die Abensberger damals wie heute „die fünfte Jahreszeit“. Dort wurde das Bier in Krügen aus Steinzeug, dem sogenannten „Keferloher“ ausgeschenkt. Die beliebten Krüge halten durch ihre Salzglasur die im Bier enthaltene Kohlensäure und somit das Bier länger frisch.

Mit vielen Anekdoten rund ums Bier brauen und Bier trinken in Abensberg unterhalten Theres und Wally bei ihrem Rundgang. Da gibt es Geschichten zu Abensberger Originale, wie den Bürstenbinder Keiditsch, Ereignisse wie den Bierkrawall, Rituale wie das Bierbetteln und was es mit den Gesellschaftstagen und Rauschtafeln auf sich hatte.

Zum Abschluss lädt Theres zum Besuch der Brauerei Ottenbräu ein. Hier wird das Bierbetteln erprobt und erfolgreich erhört. Mit einem kühlen Pils für Theres, Wally und die Teilnehmer des Stadtrundgangs endet die bierselige Führung. Ein Dank gilt dem Ottenbräu, der mit seiner Biergabe die Führung unterstützt.

Wer beim vergangenen Termin nicht dabei sein konnte, hat die Möglichkeit am jeweils letzten Freitag im Monat daran teilzunehmen Der nächste Termin ist der 29. Mai um 18:30 Uhr. Der Treffpunkt zur Führung ist vor dem Rathaus, Eingang Stadtplatz. Kosten 12 Euro; die Stadtführung kann auch für Gruppen gebucht werden.