Erste Hitzewelle des Jahres in Regensburg: Das plant die Stadt

Nach einer roten und einer gelben Karte beim Hitzecheck der Deutschen Umwelthilfe (DUH) eroberte die Domstadt über Pfingsten eine weitere Topplatzierung in Sachen hohe Temperaturen: Drei Tage in Folge war Regensburg nun beim Portal Wetteronline vorne auf der Liste mit den deutschlandweiten Höchstwerten zu finden. Die Stadt plant zwar einige Maßnahmen gegen Hitze. Vor dem Wochenende – erst dann ist kühleres Wetter angesagt– kommen die aber nicht.
Wo der Sommer Regensburg besonders einheizt, ist auf einer Karte des Geoportals der Stadt zu sehen, die nach einer Thermalbefliegung vor drei Jahren entstanden ist: Etwa weite Teile der Dachlandschaft im Welterbeensemble, die Bahngleise und große Flächen in den Gewerbegebieten im Stadtnorden sowie im Stadtosten sind demnach zur Mittagszeit um mehr als 25 Grad Celsius wärmer als noch am Morgen. Spitzenwerte von 50 Grad zur Mittagszeit sind in diesen Bereichen keine Seltenheit.
BN-Chef warnt vor mehr Hitze durch weitere Bauvorhaben
Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz, spricht zudem davon, dass sich etwa Neubaugebiete wie das Dörnberg oder auch Nachverdichtungen im Bestand auf weit über 30°C hinaus erwärmen. Er befürchtet, dass sich dieser in seinen Augen verhängnisvolle Trend durch weitere Bauvorhaben fortsetzt. Im Bereich der Donauinseln, am Flussufer zwischen Weichs und Schwabelweis oder im Alleengürtels ist es laut dieser Karte an einem heißen Sommertag Mittag lediglich um zwischen fünf bis zehn Grad wärmer als noch am Morgen. Unter 18 Grad hat es mittags aber nur noch im Wasser.

Warum zu viel Hitze ein Problem ist, erklärt Dr. Felix Rockmann, Chefarzt des Notfallzentrums im Krankenhaus Barmherzige Brüder: „Übermäßige Wärmebelastung kann zu Kreislaufproblemen mit typischen Symptomen wie Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit führen. In schweren Fällen kann es auch zu einem Hitzschlag kommen.“ Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Schwangere, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen. Aber auch jüngere Menschen könnten betroffen sein – etwa durch körperliche Überlastung beim Sport oder bei anstrengenden Aktivitäten im Freien, sagt der Notarzt. In der Notaufnahme des Krankenhauses komme es während der Sommermonate immer wieder vor, dass Patienten aufgrund gesundheitlicher Folgen hoher Temperaturen behandelt werden müssen.
Wie sehr die Regensburger schon an den ersten Sommertagen nach Abkühlung suchten, weiß Martin Gottschalk, Sprecher beim Stadtwerk, das die beiden Freibäder im Stadtgebiet betreibt. Er spricht von enorm guten Zahlen am Pfingstwochenende: So kamen am Sonntag 2 600 Besucher ins Westbad und 1 350 ins Wöhrdbad. Am Montag waren es 3 600 Menschen im Westbad und 1 900 im Wöhrdbad. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lagen die Besucherzahlen an Pfingsten laut Gottschalk bei maximal 1 400 Besuchern im Westbad und maximal 200 Besuchern im Wöhrdbad.
Trockenheit
• Laut Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bunds Naturschutz in der Kreisgruppe Regensburg, hat es seit 23. Februar lediglich etwa 40 Liter pro Quadratmeter geregnet. Üblich seien 120.
• Folgen: Pflanzen kämpfen laut Schoberer bereits jetzt um das verbliebene Wasser. Es sei gut, Wasserstellen für Vögel, Amphibien, Hasen oder Igel aufzustellen und zu befüllen.
Was also tut die Stadt, um diesem Bedürfnis nach Abkühlung zu entsprechen? Inzwischen ist an vielen Stellen in der Altstadt mobiles Grün zu entdecken: Bäume in riesigen Trögen oder bepflanzte Sitzgelegenheiten. Im vergangenen Jahr startete weiterhin das städtische Förderprogramm „Regensburg resilient“, mit dem private Begrünungs- oder Entsiegelungsmaßnahmen bezuschusst werden. Seit einigen Wochen sprudelt auch der Brunnen in der Fürst-Anselm-Allee wieder. Zudem sollen in einigen Wochen die mobilen Schattenspender namens Brissago aufgebaut werden. Außerdem hat sich die neue Rathaus-Koalition auf die Fahne geschrieben, Spielplätze mit Sonnenschutz auszustatten.
Mobiles Grün wie die Hotspotpots oder die Brissago-Schirme sind für Manfred Hansel, Vizepräsident und Vorsitzender des Ausschusses Stadtentwicklung beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, auch das Mittel der Wahl, um denkmalgeschützte Altstädte wie Regensburg ein paar Grad abzukühlen. Das aber müsse mit System geschehen. Maßnahmen wie diese können seiner Auffassung nach nur wirken, wenn sie ineinandergreifen.
Wie steht es um die Pflege der Regensburger Bäume?
Auf die Frage, wie Städte sich abkühlen können, spricht Hansel eine Forderung seines Verbandes an: 3, 30, 300. „Jeder Mensch sollte von seiner Wohnung, seiner Schule oder seinem Arbeitsplatz aus mindestens drei Bäume sehen. 30 Prozent seines Umfelds sollte von Baumkronen bedeckt sein. Und niemand sollte mehr als 300 Meter von einem Park oder eine Grünfläche entfernt wohnen“, erklärt er. Städte müssen sich in seinen Augen abkühlen und das gehe am besten mit Bäumen. „Sie beschatten, filtern Luft und erzeugen Verdunstungskälte“, verdeutlicht er. Allerdings müssten die Bäume dafür entsprechend gehegt und gepflegt werden. Denn ihre Fähigkeiten könnten sie erst nach 60 Jahren entfalten.
Wie es um die Pflege ihrer Bäume bestellt ist, werden die Regensburger in zwei Wochen erfahren. Denn dann plant die DUH, den nächsten Hitze-Check zu veröffentlichen. Nachdem Regensburg vor zwei Jahren auf Platz drei der am meisten versiegelten und wenigsten grünen Städte landete und vor einem auf Platz 38 der Städte mit den meisten von Hitze Betroffenen, will die DUH nun herausarbeiten, wie Städte mit ihrem Grün umgehen.