Tradition in Bad Kötzting: 670 Reiter erneuern Pfingstritt-Gelöbnis

Von Stefan Weber · 25. Mai 2026 um 14:33

Der Kötztinger Pfingstritt hat eine lange Tradition. Geht es nach der Ursprungslegende, dann blickt er auf das Jahr 1412 als seinen Anfang zurück. Damals sollen junge Kötztinger Burschen dem Pfarrer von Kötzting das Geleit nach Steinbühl gegeben haben, damit der sicher zu einem Sterbenden gelangen konnte. Am Pfingstmontag ganze 614 Jahre später war der Weg auf asphaltierten Straßen im Landkreis Cham natürlich weit weniger gefährlich als in den Tagen des ausgehenden Mittelalters – und ziemlich sicher war sogar das Wetter besser, das mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein die Bittprozession begleitete.

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An der Spitze der Prozession sahen die vielen tausend Zuschauer dieses Jahr einen neuen Kreuzträger: Stefan Schedlbauer hatte diese Ehre an Christi Himmelfahrt von seinem Vater Josef Schedlbauer übernommen, der aus gesundheitlichen Gründen zwar weiter am Pfingstritt teilnimmt, die Aufgabe als Kreuzträger, die er seit 1999 innehatte, aber abgab.

Neuer Kreuzträger an der Spitze des Pfingstrittes

Erstmals konnte in diesem Jahr auch der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer als Ehrengast beim Pfingstritt begrüßt werden. Der Regensburger Oberhirte feierte das Pontifikalamt mit vielen Gläubigen nach dem Ausritt der Pfingstreiter auf dem Platz vor der Kirche St. Veit in der Innenstadt. Mit dem stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger war auch unter den Teilnehmern Prominenz vertreten – so auch der neue Landrat des Landkreises Cham, Christian Schindler. Er nahm zum ersten Mal an der Bittprozession teil.

Mit im Mittelpunkt der Prozession hoch zu Ross steht auch immer der jeweilige Kaplan der Stadtpfarrei, der traditionell die Monstranz von Bad Kötzting nach Steinbühl und wieder zurück trägt. Nachdem Michael Steinhilber mit den Pfingstreitern und vielen Gläubigen in Steinbühl die Messe gefeiert hatte, ging es zurück in die Stadt.

Hier markiert die Übergabe des Tugendkränzchens – eine wertvolle Handarbeit aus Gold und Silber, die jedes Jahr für den jeweiligen Pfingstbräutigam angefertigt wird, den Übergang vom kirchlichen in den weltlichen Brauch.

Das Kreuz – Zeichen einer Liebe, die nichts erwartet

Bevor es aber so weit war, hat immer noch einmal der Kaplan das Wort: „Wir reiten dem Kreuz und der Heimat zur Ehr“, zitierte Steinhilber den Wahlspruch der Pfingstreiter. Das Kreuz stehe vielem entgegen, das heutzutage wichtig erscheine. Es sei Zeichen einer Liebe, die sich bedingungslos verschenkt – einer Liebe, „die nichts erwartet und doch alles gibt“. Gerade in einer Welt, die immer weiter auseinander zu driften scheine, sei diese Liebe unendlich wichtig.

Pfingsten sei aber auch ein Fest der Gemeinschaft, wie auch die der Pfingstreiter eine sei. Doch Gemeinschaften gelte es auch zu pflegen – in Gottesdiensten oder bei den anschließenden Festtagen. „Nehmen wir diese Festtage zum Anlass, miteinander zu feiern und Freude zu haben. Denn gerade auch hier wirkt der Geist Gottes, den wir an Pfingsten feiern.“

Diese Pfingstreiter wurden geehrt:

60-malige Teilnahme: Otto Gerstl (Bad Kötzting) und Michael Traurig ) Bad Kötzting)

50 Ritte: Josef Aschenbrenner und Josef Neuberger (beide Bad Kötzting)

40-malige Teilnahme: Erwin Draeger (Loiching), Günther Fuidl (Rosenheim), Theo Heigl (Bad Kötzting), Rüdiger Huber(Bad Kötzting), Josef Kastl (Bad Kötzting), Werner Miethaner (Blaibach), Xaver Mühlbauer (Blaibach), Jürgen Piendl(Schorndorf), Wolfgang Stoiber (Hohenwarth), Franz Traurig (Cham)

25 Teilnahmen: Benedikt Aschenbrenner (Bad Kötzting), Franz Bachl (Bad Kötzting), Josef Breu (Eschlkam), Thomas Eberl (Grafenwiesen), Josef Köstler (Bad Kötzting), Matthias Kuchler (Bad Kötzting), Tobias Mühlbauer (Hohenwarth), Florian Neubauer (Offenberg), Matthias Schober (Deggendorf), Johann Stautner (Waldmünchen), Reinhard Wiesmüller (Hohenwarth) und Stefan Wühr (Bad Kötzting)