Sackhüpfen, Schiffschaukel, Schlägerei: Berchinger erinnern sich an frühere Volksfeste

Von Bernhard Neumayer · 13. Mai 2026 um 05:00

Heuer feiern die Berchinger (Landkreis Neumarkt) zum 75. Mal ihr Volksfest. Bevor der Bürgermeister am 22. Mai das erste Fass anzapft, schwelgen „Bachamer Originale“ in Erinnerungen.

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Alfons Lichtenegger und Josef Winkler – heute beide 79 Jahre alt – gingen bereits als Kinder beim ersten Volksfestzug 1951 mit. Lichtenegger erinnert sich an eine Zwergenverkleidung, Winkler an ein Hasenkostüm mit einer Mütze aus Papier auf dem Kopf. „Weil es so heiß war, ist uns die Farbe vom Papier das Gesicht hinuntergelaufen“, erzählt Winkler.

Das Volksfest in den Anfangsjahren ist natürlich nicht mit der heutigen Veranstaltung zu vergleichen. Das fängt schon beim Vergnügungspark an. Damals war die Schiffschaukel ein Highlight. „Wir haben als Kinder immer gern zugeschaut, wenn es Ältere geschafft haben, sich mit der Schiffschaukel zu überschlagen“, sagt Winkler.

Als junger Bursche hat er sich mit weiteren Kindern ein paar Mark verdient, wenn sie die umgefallenen Kegel der mobilen Kegelbahn auf dem Volksfest wieder aufgestellt haben – damals noch am alten Volksfestplatz an der heutigen Grundschule. Ein paar Jahre später ist der Kettenflieger aufgekommen, erinnert sich Lichtenegger. „Das war eine Sensation für uns Kinder.“

Feuerwerk war für die Kinder ein Höhepunkt des Volksfestes

Ebenfalls ein Höhepunkt für Lichtenegger war, dass er als Kind solange wach bleiben durfte, bis das Feuerwerk vorbei war. Dieses wurde am letzten Abend ab Einbruch der Dunkelheit gezündet. Neben dem Lichtspektakel verbindet Lichtenegger mit dem Volksfest auch Kulinarisches. „Nach dem Krieg gab es nicht viel. Da war eine Fischsemmel etwas Besonderes.“ Und nachdem er draußen an den Verkaufsständen eine Semmel bekommen hatte, durfte er im Festzelt sogar vom Bier seines Vaters nippen.

Alfons Lichtenegger ging bereits beim ersten Volksfestumzug nach dem Krieg 1951 als Kind mit. - Foto: Lichtenegger

Während der damals noch junge Alfons nur probieren durfte, übertrieben es andere mit dem Bierkonsum. Das hatte die ein oder andere Schlägerei zufolge. „Einmal hat ein Freund von mir einen Maßkrug auf den Schädel bekommen“, erzählt Lichtenegger, der zu diesem Zeitpunkt bereits älter war. Sein Kumpel hätte ordentlich geblutet, die Sanitäter hätten ihn verarztet. „Und danach wurde weitergesoffen.“

Weitergefeiert wurde laut Lichtenegger auch, nachdem das Bierzelt „einen halben Meter“ unter Wasser stand. Das müsste irgendwann in den 60er Jahren gewesen sein, schätzt Lichtenegger. Seine Mutter bediente damals die Besucher im Zelt. Weil der Weg zu den Gästen einem Kneippgang glich, lieferte sie das Bier barfuß aus.

1951 fand das erste Volksfest in Berching nach dem Zweiten Weltkrieg statt. So sah ein Wagen beim Festzug aus. - Foto: Lichtenegger

Apropos Bier: Damit kennt sich Diplom-Braumeister Josef Winkler von der Bärenbrauerei natürlich bestens aus. Während es im ersten Volksfestjahr nach dem Zweiten Weltkrieg noch Bier aus Beilngries gab, wechselten sich Berchinger Brauereien ab 1952 auf dem Volksfest ab. Mittlerweile beliefert Winkler als einzige Brauerei das Berchinger Pfingstvolksfest, das in den Anfangsjahren übrigens nicht an Pfingsten stattfand.

Pfarrer wollte das Volksfest an Pfingsten verhindern

„Der Pfarrer war eigentlich dagegen, dass das Volksfest um die Feiertage herum stattfindet“, erinnert sich Winkler. Letztlich habe man den Geistlichen aber überreden können. Seitdem findet das Volksfest über Pfingsten statt, mittlerweile fünf Tage lang. Zuvor waren es nur vier.

Aber auch die hatten es damals in sich. Winkler erinnert sich gerne an die Kindernachmittage zurück. Als er ein kleiner Bub war, wurde der Kindernachmittag noch zelebriert. Der Nachwuchs traf sich am Rathaus und zog von dort gemeinsam zum Festplatz – musikalisch begleitet von der Blaskapelle. Dort haben sich Kinder bei Spielen duelliert: Sackhüpfen, Eierlauf, Wurstschnappen. Je nachdem, wie gut man abgeschnitten hat, erhielt man Chips für die Fahrgeschäfte.

Bürgermeister brach Auftritt eines Komikers ab

Wer statt im Vergnügungspark im Festzelt saß, hörte überwiegend Blasmusik. Kapellen aus München sorgten für Unterhaltung. „Und am letzten Abend sorgten die Ochsenfurter für moderne Musik“, erzählt Winkler, der sich auch an eine Rundbühne erinnert, die sich gedreht hat. Oder an einen Sänger, der mit einem Pferd durch das Zelt zog und Cowboy-Lieder sang. „Das war eine Attraktion damals“, sagt Winkler.

Ein fränkischer Komiker kam in den 60er Jahren dagegen beim Publikum in der Oberpfalz ganz und gar nicht an. „Der damalige Bürgermeister Adolf Hollnberger ist auf die Bühne gegangen und hat das Programm des Komikers abgebrochen“, erzählt Winkler.

Ob es heuer auch so einen Wirbel gibt, wird sich von 22. bis 26. Mai zeigen.