Langer Todeskampf: Angelschnur wird bei Weltenburg zur tödlichen Falle für einen Uhu

Von Martina Hutzler · 25. April 2026 um 19:00

Es muss ein langer Todeskampf gewesen sein für den Uhu, der jetzt tot aus einem Baum in Weltenburg geborgen wurde. Dort hatte er sich in einer Anglerleine verheddert, konnte sich nicht mehr befreien. Den traurigen Fund nimmt das Kelheimer Team des „Nationalen Naturmonuments Weltenburger Enge“ zum Anlass für einen Appell.

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Gesehen haben es wohl schon mehrere Passanten, gemeldet hat es Anfang der Woche ein Wächter des Parkplatzes an der Weltenburger Asam-Straße: Ein großer, mutmaßlich toter Vogel hänge in einem Baum am Donauufer fest, informierte der Mann telefonisch Franziska Jäger vom Team des Nationalen Naturmonuments (NNM). Jäger holte auf dem „kurzen Dienstweg“ den städtischen Bauhofleiter Günther Biebl zu Hilfe. Doch die städtische Hebebühne erwies sich als zu kurz, um zu dem im Baum hängenden Vogel zu gelangen.

Feuerwehr Kelheim rückte mit Drehleiter zum Bergen an

Biebls Bauhof-Kollegen und zugleich Feuerwehraktiven Uli Nierer und Rainer Huber rückten daraufhin mit der FFW-Drehleiter an. Vom Leiterkorb aus gelang es Huber, den – toten – Vogel aus dem Baum zu fieseln. Erst am Boden bestätigte sich, dass es sich um einen Uhu handelte, und was ihm wohl zum Verhängnis wurde.

Von der ausgefahrenen Drehleiter aus erreichte FFWler Rainer Huber den Ast über der Donau, in dem der Uhu festhing. - Foto: Günther Biebl

Der Uhu – die größte heimische Eulenart – war bei seiner nächtlichen Jagd offenbar einem fatalen Irrtum aufgesessen, rekonstruiert Franziska Jäger, die Umweltpädagogische Leiterin im NNM. Im selben Baum hing nämlich ein so genannter „Blinker“ – ein künstlicher Köderfisch zum Angeln auf Raubfische – fest, samt zugehöriger Angelschnur, die sich quer durchs Geäst verheddert hatte. Womöglich hat das reflektierende Material des Blinkers den Uhu angelockt, in der Hoffnung auf leichte Beute. Dabei muss er sich in der Angelschnur im Baum verfangen haben.

„Sie war um den ganzen Flügel gewickelt“, schildert Günther Biebl. Zerfetzte und gesplissene Federn zeugen vom verzweifelten Versuch des Uhus, sich zu befreien – vergebens: Letztlich verendete er mit ausgebreiteten Flügeln im Geäst. Dem Gewicht und der Statur nach dürfte es sich um ein männliches Tier handeln, erklärt Franziska Jäger. Klarheit soll die vom Veterinäramt veranlasste Untersuchung des Kadavers bringen.

Um den Flügel des Uhus hatte sich die Angelschnur völlig verheddert. - Foto: Franziska Jäger

Aber wie kamen Blinker und Schnur in den Baum? Bauhofleiter Biebl, selbst Angler, vermutet, dass ein Petrijünger auf einer Buhne in der Donau stand und mit Schwung den Blinker in die Donau werfen wollte. Der sich stattdessen wohl im Baum verhakte. Beim Versuch, ihn herauszuziehen, riss dem Angler wohl die Schnur.

Kann passieren – aber so einen Fall sollten Anglerinnen und Angler dann nicht peinlich berührt verschweigen, sondern unbedingt versuchen, die fehlplatzierte Hinterlassenschaft entweder selbst zurückzuholen und zu entsorgen, appellieren Franziska Jäger und NNM-Teamleiter Hartmut Friedl.

Oder wenn das nicht gelingt, sollte man das NNM-Team informieren (Tel. 09441-6600100 oder 0160-90623456): Dann könne man zumindest versuchen, eine Anglerschnur wieder zu entfernen, sagt Franziska Jäger – diese gefährde ja andere Vögel ebenso.

Die Aktion in Weltenburg, so traurig sie war, habe gezeigt, dass die Zusammenarbeit mit dem Bauhofteam gut funktioniere und man notfalls sehr schnell reagieren könne, resümiert Hartmut Friedl dankbar.

Erst mit der Feuerwehr-Drehleiter gelang es, den Kadaver zu bergen. - Foto: Franziska Jäger

Tod eines Tieres könnte auch den Nachwuchs töten

Die Ranger der Weltenburger Enge werden in den nächsten Tagen nochmals die vermuteten Horst-Plätze der „NNM-Uhus“ kontrollieren, erklärt Franziska Jäger. Denn leider hinterlasse womöglich das tote Männchen eine ganze Familie. Bei den Uhus sind die Jungen jetzt in der Regel schon geschlüpft. Das Weibchen hütet sie im Horst; „er“ ist fürs Heranschaffen von Futter zuständig, rund 300 Gramm pro Tag und Familienmitglied! Stockt die Versorgung, gibt „sie“ meist die Brut auf, um nicht selbst zu verhungern.

Der Uhu ist hierzulande die größte Eulen-Art. - Foto: Dieter Hopf

Um für solche Zusammenhänge zu sensibilisieren, hat das NNM-Team Kontakt aufgenommen mit dem Kreis-Fischereiverein Kelheim und den Altmühl-Fischereiverein Riedenburg. Und von dort auch die Zusage erhalten, so Jäger, dass Mitglieder und vor allem angehende Angler über den Weltenburger Fall und seine womöglich weitreichenden Folgen informiert werden.