Das Deuerlinger Geiger-Anwesen: Vom Kupferhammer zum Künstlerquartier

Von Andrea Leopold · 24. April 2026 um 09:00

Deuerling im Landkreis Regensburg hat große Pläne für das historische Geiger-Anwesen – Wird es in Zukunft ein Bürger-Treffpunkt oder ein Seniorenwohnprojekt?

Direkt an der Schwarzen Laber gelegen, erzählt das Geiger-Anwesen in Deuerling eine Geschichte, die weit über die Grenzen der Gemeinde hinausweist. Kaum ein Ort in der Region vereint so eindrücklich mehrere Epochen wirtschaftlicher Entwicklung: Vom frühneuzeitlichen Kupfer- und Eisenhammerwerk und Spiegelglasschleife bis hin zu den heutigen Plänen einer behutsamen Sanierung und neuen Nutzung.

Doch wie soll es nach Jahren des Leerstandes und zunehmenden Verfalls weitergehen? Seinen Ursprung hat das Anwesen im späten 16. Jahrhundert. Der Zeitpunkt lässt sich wissenschaftlich auf 1544 bestimmen, 1598 wurde erweitert und vergrößert. 1580 erhielt der Regensburger Bürger Paul Meisinger die Erlaubnis, an der Laber einen Kupferhammer zu errichten. Damit wurde der Standort Teil eines dichten, von Wasserkraft angetriebenen Netzes von Hammerwerken, die die Oberpfalz über Jahrhunderte prägten. Der Standort war ideal: Der Fluss lieferte die Energie, die umliegenden Wälder den Brennstoff.

Von der Spiegelglasschleife bis zur Lederproduktion

Mit der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts ging die Zeit der Hammerwerke zu Ende. Der neue Eigentümer richtete mit einem weitgehenden Neubau im Hauptgebäude eine Spiegelglasschleife ein. Es setzte ein Wandel ein, der typisch für viele solcher Anlagen war. Die Infrastruktur blieb, die Nutzung änderte sich.

Unter dem Sparrendach (datiert auf 1544/1598) befindet sich eine richtig große Fläche, die sich für alle möglichen Arten der Verwendung anbietet. - Foto: Leopold

Doch wie viele historische Produktionsstätten blieb auch das Geiger-Anwesen nicht von den Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verschont. Die industrielle Nutzung verlor an Bedeutung, neue wirtschaftliche Strukturen setzten sich durch. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände zeitweise für andere gewerbliche Zwecke genutzt, unter anderem in der Lederverarbeitung. Die Produktion von Spiegelglas endete schließlich Mitte der 1960er Jahre.

Eine Weile war noch ein Getränkemarkt in dem Gebäude untergebracht, Kletterer richteten sich im Erdgeschoss eine Boulderwand ein. Heute wird die Wasserkraft von der Gemeinde zum Antrieb einer kleinen Turbine zur Stromerzeugung genutzt.

Die Kommune hatte das alte Haus im Rahmen der Dorferneuerung erworben. „Es gab eine Förderung beim Kauf“, weiß Manfred Aufleger. Die Förderung vom Amt für Ländliche Entwicklung war gekoppelt daran, dass keine gewerbliche Nutzung stattfindet.

Sechs Künstler haben sich mit ihren Ateliers im Haus eingerichtet. - Foto: Leopold

Das Kraftwerk des Hauses sei „voll in Schuss“, das sei auch der Grund dafür gewesen, dass die Gemeinde zugeschlagen habe. „Es gab auch Investoren, die nur an dem Kraftwerk interessiert waren“, weiß Aufleger. Um die 700 000 Euro boten sie für das Anwesen. „Die hätten das Gebäude sicher verfallen lassen“, ist sich Bürgermeister Diethard Eichhammer sicher. Er wollte die „Quadratur des Dorfplatzes“ mit Metzgerei, Brauerei Goss, Bäckerei und Geiger-Haus als Ortsmitte beibehalten.

Man habe damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Haus zu kaufen, erwarb es für unter 600 000 Euro und versprach den Eigentümern, ihren Namen für das Gebäude beizubehalten und ihnen lebenslanges Wohnrecht zu gewähren. Erst vor rund sechs Jahren hat die Gemeinde Zugriff auf das Gebäude bekommen. Da man in Deuerling nicht warten wollte, bis die aufwendige und teure Restaurierung startet, haben sich sechs Künstler aus der Region „spontan und unkonventionell“, wie Uwe Böduel sagt, angeschickt, ein neues Zuhause in Form von Ateliers im Geiger-Anwesen zu finden. Die Abmachung war: Die Gemeinde stellt den Künstlern die Räume zur Verfügung und zahlt das Material, diese renovieren in Eigenregie. In den Ateliers haben die Künstler die Wände geweißelt und den Boden abgeschliffen.

Eine Machbarkeitsstudie soll die Möglichkeiten aufzeigen

„Das Künstlerquartier ist eine Bereicherung für den Ort“, findet Aufleger. Eine Einweihungsfeier gab es bei der Ausstellung „gut behütet“ im Juni. Im Dezember stellten die Urban Sketchers aus Regensburg dort aus. Für die Versorgung bei Veranstaltungen hat der Verein Freunde des alten Hauses im Erdgeschoss bereits eine Küche eingebaut. Aufleger: „Es ist alles da, Wasser und Strom.“

Blick vom Haus auf das Wasserkraftwerk - Foto: Leopold

Jetzt wartet Deuerling auf eine Machbarkeitsstudie, die zeigen soll, was überhaupt möglich ist. Vorstellen können sich die Bürger und Gemeinderäte ein Künstlerquartier, einen Treffpunkt für die Dorfbewohner, einen Bürgersaal für Konzerte, Lesungen, Vereinsarbeit, Bücherei, Archiv und Trauzimmer, Räume für Bouldern und Kunst. Eine neue Idee ist auch eine Wohnanlage für ältere Mitbürger, Senioren-Wohngemeinschaften und Mehrgenerationenwohnen. Der Geigersteg entsteht gerade. Die Ufermauern, die Laber-Insel und das E-Werk werden hergerichtet.