„King of Pop“ im Kino: „Michael“ konzentriert sich auf Michael Jacksons Karrierehöhepunkte

Er gehört zu den größten Musikstars aller Zeiten, sein Vermächtnis wird überschattet: Michael Jackson (1958 – 2009) war der „King of Pop“, eines dieser Phänomene, die größer kaum sein konnten. Fast zwei Jahrzehnte nach seinem Tod erscheint nun ein Film über sein Leben – mit seinem Neffen Jaafar in der Hauptrolle.
Während die Band bereits das Intro zu „Wanna Be Startin’ Somethin’“ anstimmt, hüpft sich Michael Jackson in den Gängen des Wembley Stadions warm und schreitet mit beschwingtem Schritt hinaus auf die Bühne, wo ihm 72.000 Fans entgegenfiebern. Die „Bad“-Tour markiert 1988 seinen endgültigen Durchbruch als Solo-Künstler und die Ablösung von der Familienband Jackson 5. In Antoine Fuquas Kinofilm „Michael“ bildet der Auftritt den Ausgangspunkt für eine klassische Rahmenhandlung.
Weniger ein Biopic, mehr ein Musikfilm
Aber eigentlich, so weiß das Branchenmagazin „Variety“ zu berichten, sollte der Film ganz anders beginnen. Mit Polizeisirenen und Blaulichtern auf der Neverland Ranch, wo die anrückenden Beamten 1993 nach Beweisen für die Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegen Michael Jackson suchten. Aber die Jackson-Erbengemeinschaft, die den Film von Anfang an als Produzent unterstützte, hatte eine Vertragsklausel im außergerichtlichen Vergleich übersehen, die dem damaligen Hauptankläger zusicherte, dass seine Person in keinem Film auftauchen werde.
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Mit dem nun gewählten Zeitausschnitt von 1966 bis 1988 werden die Problemzonen in Jacksons Biografie – von den (nicht bewiesenen) Missbrauchsvorwürfen, den zahllosen Schönheits-OPs über die Medikamentensucht bis hin zu den mysteriösen Todesumständen – weitgehend ausgeblendet. Aber kann man ein Michael-Jackson-Biopic anschauen, das die dunkleren Seiten seines Lebens kaum thematisiert? Die Frage nach der Trennung von Werk und Musiker hat Jacksons breite Fanbasis längst für sich beantwortet und dem Filmtrailer innerhalb von 24 Stunden 116 Millionen Klicks beschert. Ohnehin sollte man Fuquas „Michael“ weniger als Biopic, denn als Musikfilm sehen.
Mit gerade einmal acht Jahren steht Michael Jackson (Juliano Valdi) schon als Frontman der Jackson 5 auf der Bühne. Vater Joseph (Coleman Domingo) lässt die Söhne nachts im Schlafanzug zur Probe antreten. Gerade Michael wird immer wieder mit dem Gürtel verprügelt, wenn seine Leistungen nicht den väterlichen Vorstellungen entsprechen.
Der ältere Michael Jackson wird dann von dessen Neffen Jaafar Jackson gespielt, der mit heller Sprechstimme, gesanglicher Brillanz und in den zahlreichen Tanzchoreografien seinen Onkel perfekt imitiert. Von „Beat It“, „Billy Jean“ bis hin zu den Dreharbeiten des legendären „Thriller“-Videos reicht das Hit-Spektrum, welches das mentale Gerüst des Films bildet. Zwischen dem musikalischen Fan-Service streift „Michael“ eher punktuell durch die Biografie des Titelhelden.
Die Tür für eine Fortsetzung bleibt offen
Ausführlich widmen sich Fuqua und sein Drehbuchautor John Logan („Skyfall“) der Beziehung zum gewalttätigen Vater und Manager, der seine Söhne zu Höchstleistungen anstachelt, finanziell ausbeutet und am Ende als Patriarch demontiert wird. Auch als erwachsener, erfolgreicher Musiker fällt es Michael Jackson schwer, sich aus dem autoritären Schatten zu lösen.
Jafaar Jackson spielt seine Figur als zarte, nur langsam zu Selbstbewusstsein heranreifende Persönlichkeit. Aufgrund seiner Popularität hatte er schon als Kind keine Freunde und entwickelt eine illustre Tierliebe. Die herannahenden Krisen von der ersten Nasen-OP bis zu den verhängnisvollen Kopfhautverbrennungen bei einem Drehunfall, deren medikamentöse Behandlung ihn in die Drogenabhängigkeit führen wird, werden nur vage angedeutet.
Immerhin lässt der Film am Ende die Tür für eine Fortsetzung offen. Aber es erscheint fraglich, ob die Filmproduzenten, die Jackson-Familie und die Fans bereit dafür sind, sich der komplexeren und umstritteneren zweiten Lebenshälfte des „King of Pop“ in einem Sequel zu stellen.
USA/GB 2026, von Antoine Fuqua, mit Jafaar Jackson, Juliano Valdi, Coleman Domingo, 127 Minuten, frei ab 6 Jahren