Servatius, Bonifatius, kalte Sophie und Co.: Fallen die Eisheiligen 2026 aus?

Seit Jahrhunderten beachten Bauern: „Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.“ Auch heutzutage ist es noch eine beliebte Regel, auch unter Hobbygärtnern. Gurken und Tomaten sollte man am besten erst nach dem 15. Mai, dem Tag der heiligen Sophia, oder „kalten Sophie“, pflanzen. Erst danach sei man sicher vor Frost. Doch ist auf diese Regel auch heutzutage noch Verlass und wie werden die Eisheiligen heuer wettertechnisch?
Die Eisheiligen bestehen aus Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und Sophia (15. Mai). Bei Landwirten und Hobbygärtnern steht aber vor allem Sophia im Fokus. Vor ihrem Gedenktag sollten keine frostempfindlichen Pflanzen ausgesät werden, heißt es. Dazu zählen zum Beispiel Tomaten, Gurken, Chilis, Auberginen oder Zucchinis. Auch mediterrane Pflanzen wie die Olivenbäume und Zitruspflanzen oder Lavendel, Geranien und Oleander gehören dazu.
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Das Wetterphänomen der Eisheiligen stellt eine sogenannte „Singularität“ dar. So heißen in der Meteorologie Wetterlagen, die zu bestimmten Zeiten im Jahr mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auftreten, allerdings vom regulären Wetter der gegebenen Jahreszeit abweichen. Dazu gehören beispielsweise auch der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter, erklärt Lothar Bock vom Deutschen Wetterdienst (DWD).
Eisheilige sind beobachtetes Phänomen
„Wenn man sich die Tagestemperaturen der letzten Jahre und Jahrzehnte anschaut, dann ist es eher so, dass es wenige Jahre gibt, in denen die Temperatur im Mai phasenweise deutlich unter dem Erwartungswert liegt“, so Bock. Diese Ausreißer seien allerdings stark genug, um klimatologisch einen Fußabdruck zu hinterlassen – das bedeutet im Sinne einer Mittelwertbildung über mindestens 10 Jahre.
„Schaut man sich die Tagesmitteltemperatur von Metten im Landkreis Deggendorf jeweils als Dekadenmittel von 1966-1975 bis 2016-2025 an, dann lassen sich uneinheitliche Muster sehen“, so Bock. 1976-1985 sei es Anfang Mai recht kühl gewesen, dafür um den 20. Mai sehr warm. 1996 bis 2005 war das genau umgedreht – also eher ein Zeichen, dass die Eisheiligen zugeschlagen hatten. In den vergangenen zehn Jahren zeige sich laut Bock zwar über den ganzen Monat eine generelle Erwärmung. „Diese wurde allerdings um den 5. Mai, den 16. Mai – Eisheilige – und nochmals um den 24. Mai unterbrochen.“
„Die Gründe für Kälterückfälle im Mai liegen in einem Zusammenspiel zwischen der europäischen Land-Meer-Verteilung und der in dieser Jahreszeit deutlich stärkeren Aufheizung des Kontinentes gegenüber den umliegenden Meeren“, heißt es vom Experten des DWD. Das könne im Mai zu einem Tiefdruckgebiet über Mitteleuropa führen, welches polare Luftmassen aus dem kälteren Norden heranführen könne. „Folgt dem Tief dann ein Hochdruckgebiet mit trockener, wolkenarmer Luft und windschwachen Bedingungen, sorgt das in den Nächten für eine starke Abkühlung der Luft bis in den Frostbereich“, erklärt Bock.
Fällt der Spätfrost dieses Jahr aus?
Da es zu den Eisheiligen noch mehrere Wochen hin ist, sind die Vorhersagen der Wetterdienste noch ungenau. Vieles deutet laut dem Internetportal wetter. com aber darauf hin, dass der Mai in diesem Jahr überdurchschnittlich mild oder gar warm, sowie teils zu nass werden soll. „Wie kalt es dann zu den Eisheiligen tatsächlich wird, ist zwar noch offen, aber es zeichnet sich die Tendenz ab, dass sie in diesem Jahr ,ausfallen'“, prognostiziert wetter.com.
Vielleicht könnten sie sich aber auch einfach verfrühen. Genauer gesagt könnten die Eisheiligen schon diese Woche zuschlagen. Denn: Kalte Luft führt vom 20. bis zum 26. April zu unterdurchschnittlichen Temperaturen. Falls die Eisheiligen also wirklich vorgezogen sind, könnten Hobbygärtner nächste Woche in die Saison starten. Genau können es die Meteorologen aber noch nicht sagen.