Vom Mediamarkt-Gründer zum Wal-Retter: Was Walter Gunz mit Timmy zu tun hat

Millionen, Management, Mediamarkt – und jetzt Wale retten? Der Unternehmer Walter Gunz begibt sich mit seiner jüngsten Aktion auf neues Terrain. Der Unternehmer beteiligt sich an der Rettungsaktion vom gestrandeten Buckelwal Timmy in der Ostsee. Im Interview spricht Gunz über die Aktion.
Jeder gafft nur, jeder nimmt nur Anteil am Leben des Wals. Man hat sich dem Schicksal ergeben, dass er jetzt sterben muss.“ Walter Gunz klingt entschlossen: Er will – gemeinsam mit anderen – Wal Timmy retten. Dabei war der 79-Jährige vor einigen Tagen selbst noch einer dieser Zuschauer. Anruf um Anruf, zuerst eine Bekannte aus Washington, dann kamen Kontakte aus dem Medienumfeld ins Spiel. Unversehens wird Gunz, wie er später sagt, innerhalb kürzester Zeit vom Beobachter zum Akteur. „Ich bin erst seit vier Tagen dabei“, sagt er, als wolle er selbst noch einmal die plötzliche Verdichtung dieses Engagements sortieren. Aus den Anrufen entsteht kein privates Gesprächsgeflecht, sondern eine Art improvisierte Mobilisierungskette: Kontakte werden weitergegeben, Medien eingeschaltet, Möglichkeiten abgeklopft.
Der Mitgründer der Ingolstädter Elektronikkette Mediamarkt ist bislang nicht so sehr für ein Engagement beim Tierschutz bekannt gewesen. Das will der Mann mit den hellblauen Augen und dem sorgfältig gescheitelten Haar auch nicht in den Vordergrund stellen. Es geht ihm nicht darum, dass er eine institutionelle Verantwortungsträgerschaft an den Tag legt. Mehrfach betont er, dass er keine politische Rolle habe – und sie, so scheint es, auch nicht will. „Dann bin ich plötzlich als der Retter der Nation erschienen, obwohl ich vom Typ her eigentlich überhaupt kein Held bin.“
Neben seinem wirtschaftlichen Hintergrund hat Gunz auch Philosophie studiert und sich als Autor versucht. 2013 schilderte er in dem Buch „Ich bin doch nicht blöd“ – in Anspielung auf seinen bekannten Mediamarkt-Werbeslogan – auf ungewöhnliche Weise die Geschichte seiner Firmengründung und betitelte diese als „spirituelle Reise durch Politik, Ökologie, Philosophie Glauben und Religion“. 2017 erschien dann sein Buch „Das Geschenk“ – ein Plädoyer für ein erfülltes Leben jenseits von Status und Geld.
Walter Gunz: „Ich war nie ein Held, ich war immer ein Teamplayer.“
Im „Manager Magazin“ tauchte Gunz immer wieder auf den Listen der reichsten Deutschen auf. Einem Bericht des Magazins „Forbes“ zufolge wird sein Vermögen auf 1,7 Milliarden US-Dollar geschätzt. Er betont jedoch – oder gerade deswegen –, Geld spiele eine untergeordnete Rolle für ihn. „Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen. Geld ist eine Energie und man muss sorgfältig damit umgehen.“ Geld, Kraft und Energie müsse man für das Richtige und Gute einsetzen. So wie jetzt, wenn es seit Donnerstag um Wal Timmy geht. „Ich bin kein Biologe – aber mein Gefühl sagt mir, man muss es versuchen.“ Aber er legt enormes Engagement an den Tag: „Die letzten sieben Tage mit drei bis vier Stunden Schlaf im Schnitt, mit Hunderten von Mails und Whatsapp-Nachrichten und über 70 Telefonaten pro Tag.“
Kritik von renommierten Wal-Experten an der Wal-Rettungsaktion lässt der Unternehmer nicht gelten. Er stellt stattdessen sein Team nach eigenen Präferenzen zusammen. Der abwechselnd in Bayern und Marokko lebende Gunz will sich dabei auch nicht als Einzelkämpfer sehen, sondern als Teamplayer – wie er es nach eigenen Angaben immer gewesen ist: „Ich war nie ein Held, ich war immer ein Teamplayer.“

Eine eigene Familie hat der Unternehmer nicht. „Ich war viele Jahre mit Mediamarkt verheiratet, das war mein Baby“, sagte er in einem Interview mit dem Portal „GoMagazin“. In seinem Rettungsteam ist neben ihm noch die aus dem Pferdesport bekannte Unternehmerin Karin Walter-Mommert aktiv. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern dulden den Rettungsversuch. „Wir sind im juristischen Niemandsland – da kann ich ja nicht einfach loslegen“, sagt Gunz. Zunächst hatte das Ministerium sein Ansinnen abgelehnt, Mitte der Woche dann aber eingelenkt. Die Verantwortung dafür liegt nach Angaben des Ministeriums allerdings nun ausschließlich bei der privaten Initiative um Gunz und Walter-Mommert.
Das Schicksal des Wals lasse ihn nicht los, sagt Gunz. Aber eigentlich bewege ihn bei der ganzen Sache ein tieferliegendes Problem: „Timmy ist ein Opfer des Irrsinns, der Profitgier und der unüberlegten Handlungen des Menschen.“