Bauerntheater in Waldmünchen: „Saggradi“ behält mit Humor „Alles fest im Griff“

Von Mittelbayerische Zeitung · 16. März 2026 um 11:00

Die Lachmuskeln der Zuschauer strapazieren und für ein paar unbeschwerte Stunden sorgen: Diese Ziele setzte sich Andreas Eisenhart am Samstagabend im Gaubaldhaus in Waldmünchen (Landkreis Cham) in seiner Begrüßung zum Schwank „Alles fest im Griff“. Das begeisterte Publikum im nahezu ausverkauften Haus belohnte die exzellente 150-minütige Aufführung in drei Akten mit langem und rhythmischem Schlussapplaus.

Das neue Stück der Theatergruppe „Saggradi“, die seit zehn Jahren humorvolles Bauerntheater präsentiert und in der sich viele Mitspieler der Trenck-Festspiele engagieren, wurde von dem im Sudetenland geborenen Autor Erfried Smija (1939 bis 2022) geschrieben. Unter der Regie von Barbara Heimann und Anna-Lena Roßmann wurde es inszenatorisch und in Bezug auf Text und Inhalt regionalbezogen bearbeitet. Eisenhart dankte dem Stadtpfarrer Albert Hölzl für die Überlassung des Hauses, dem Team im Tourismus-Büro für die Abwicklung des Kartenverkaufs, den Mitwirkenden auf und hinter der Bühne und der Verpflegungscrew.

Peppi nennt die Erbtante (re.) einen Drachen, sie wiederum ihn einen Sittenstrolch. - Foto: Ferdinand Schönberger

Als Ehrengast der Vorstellung am Samstag begrüßte er den aus Bad Kötzting stammenden Film- und TV-Regisseur Thomas Stammberger, der derzeit ein komplett neues Trenck-Festspiel schreibt und dieses ab 2027 als Theaterleiter begleiten wird.

Bühnenbild ist spektakulär und heimatverbunden

Seit November probten die Schauspieler die Verwechslungskomödie, seit Anfang Februar bauten die rund 25 Mitglieder der Theatergruppe um Herbert Heidinger am spektakulären, heimatverbundenen Bühnenbild, in dessen Mittelpunkt eine Wirtsstube mit einem weißen Kachelofen steht. Als ebenso gelungen muss man die Ergebnisse der Arbeiten für die abwechslungsreichen Kostüme (Birgit Frank), die Maske (Steffi Lampatzer) und die Technik (Thomas Heidinger) betrachten.

In dem vor Jahrzehnten im „Komödienstadel“ des BR gezeigten Bühnenstück spielen die Witwe Wally (Katja Heidinger), Betreiberin der kleinen Frühstückspension „Schwanawirt“, und der 48-jährige Peppi Weinberger (Herbert Heidinger) die Hauptrollen. Sie haben vor zwei Tagen heimlich geheiratet – standesamtlich in Tiefenbach, kirchlich in der Stoilouh – und sind „immer noch glücklich“.

Und bei all den Verwicklungen wird es auch mal handgreiflich: Peppi ist eifersüchtig auf den Nachbarssohn Manfred. - Foto: Ferdinand Schönberger

Doch sie geraten gleich in eine verzwickte Situation, als sich Anna Maria Bichler (Martina Ulschmid), eine pensionierte Lehrerin und Tante von Wallys verstorbenem ersten Mann Hubsi, unerwartet zum jährlichen Kontrollbesuch angekündigt hat. Sie hat Wallys Töchter Moni (Laura Beer) und Rosi (Sophia Hetzl) als Erben eingesetzt, ist sittenstreng und eingefleischte Junggesellin: „Ich brauch koin Mo, i hob alles, wose brauch, an Ofa, der raucht, an Papagei, der fluacht, und an Kater, der nächtelang umanandastreunt.“ Weil sie eine erneute Hochzeit von Wally als Verrat an Hubsi empfinden würde und dadurch das Erbe gefährdet wäre, war mit viel Einfallsreichtum ein Plan zur Täuschung der Tante ausgetüftelt worden: Peppi wird als Hausdiener verkleidet und muss aus dem ehelichen Schlafzimmer ausziehen.

Ob Peppi wieder alles fest in den Griff bekommt?

Er ist sicher, alles fest im Griff zu haben, doch die Schwierigkeiten häufen sich. Wally ist unversehens dem Liebeswerben ihres Nachbarn, des Großbauerns, Witwers und Lokalpolitikers Anton Muggentaler (Hans Stautner) ausgesetzt, Peppi dem des jungen weiblichen Feriengastes Mandy Müller (Anna-Lena Roßmann) aus dem Erzgebirge, und immer im falschen Moment erscheint die Erbtante in scheinbar verfänglichen Situationen. Denn da sind auch noch Antons Sohn Manfred (Michael Beer), der für die Rosi schwärmt, und Monis Liebhaber Franz (Joni Dietl). Ob Peppi wieder alles fest in den Griff bekommt?

Die Darstellung betont die komischen Elemente. Alle Laienschauspieler arbeiten mit deutlicher Mimik, klarer Gestik und präzisem Timing, um die Missverständnisse wirkungsvoll herauszustellen. Die Rollen wirken natürlich, lebendig und mit spürbarer Spielfreude verkörpert. Ohne die Leistungen der Nebenfiguren zu schmälern, boten sich natürlich die maßgeschneiderten Hauptrollen als Paradebeispiele an: Der verschmitzte, witzige und selbstbewusste Tausendsassa Peppi, die mal energische, mal nachdenkliche Wally mit unwiderstehlichem Charme bei ihrem Gatten, der dies auch im realen Leben ist, die dominierende und energische Erbtante mit ihrem pädagogischen Befehlston oder der schüchterne Liebhaber Manfred besonders in der Szene, als er sich „Schneid“ angetrunken hatte.

Bravo, Mandy: Umgestellt von Sächsisch auf Oberpfälzisch

Auch die übrigen Akteure entwickelten eine charismatische Bühnenpräsenz, die das Publikum unmittelbar erreichte: Das gstandene Mannsbild Franz, der schon mal zuhaut ohne nachzudenken, die eher naive junge Rosi, ihre schon erfahrenere Schwester Moni, die bereits den dritten Freund hat, der von sich eingenommene Anton, der glaubt, alles – auch die Liebe – mit Geld kaufen zu können, und der geradlinige, kluge Wasti.

Besondere Auftritte waren auch die der Urlauberin Mandy, die den sächsischen Zungenschlag so perfekt beherrschte, dass man sie aus diesem Bundesland wähnte, bis sie am Schluss auflöste, Oberpfälzerin zu sein: „Ich stellme wieda um aafs Bairische, naou vastengma uns wieda.“

Happy End trotz Blessuren: Peppi mit der Wally - Foto: Ferdinand Schönberger

Überhaupt gehörten Mundartwörter und -ausdrücke zum Repertoire: „a junga Duddara, s'Gschwäarl, driedschn, d'Schwodan, naou ies da Daifl laous“. Klaus Hetzl alias Peppis Onkel wandte sich nochmals an die Zuschauer, ehe der Vorhang schloss: „Man sagt ja, Lachen ist die beste Medizin. Ich denk, die meistn va aich hobm hait so vüel glacht, dass haia niadamal an Schnupfm gräing.“

Nochmals lachen angesagt ist in den weiteren Vorstellungen am Freitag, 20. März, und Samstag, 21. März, jeweils um 19.30 Uhr.