Wer muss nochmal zittern? So haben die Oberpfalz und der Landkreis Kelheim gewählt

Von Isolde Stöcker-Gietl · 8. März 2026 um 21:27

In mehreren Landkreisen und Städten werden Stichwahlen notwendig, während die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger trotz einiger Prozentpunkte Verlust sicher im Sattel sitzt. Eine Überraschung wurde in Kelheim ausgezählt. Und interessant sind die Ergebnisse der AfD. Sie kann offenkundig in der Lokalpolitik nicht recht punkten.

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Ab 18 Uhr hieß es Warten, Warten, Warten. Mehr als 10 Millionen Menschen in Bayern waren am Sonntag aufgefordert, ihre kommunalen Vertreter zu wählen, über 800.000 waren es allein in der Oberpfalz.

Diesen Wählerwillen in Kandidaten und Prozente zu übertragen kostete Zeit. Denn es durfte kumuliert und panaschiert werden. Besondere Anspannung herrschte etwa in den Landkreisen Neumarkt und Cham sowie der Stadt Regensburg, wo Nachfolger für die scheidenden Landräte Willibald Gailler (CSU), Franz Löffler (CSU) und Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) gesucht wurden. In allen drei Fällen kommt es in zwei Wochen zur Stichwahl. Auch der Kelheimer Landrat Martin Neumayer (CSU) muss nach zwei Amtsperioden in eine Stichwahl. Gegen die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (FW) und ihren Schwandorfer Kollegen Thomas Ebeling (CSU) waren die Konkurrenten dagegen chancenlos. Die AfD erreichte ihre gesteckten Ziele nicht. Ein Überblick.

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■ Stadt Regensburg: „Es ist so spannend wie lange nicht“, hieß es am Abend unter den Gästen im Marinaforum, wo die Stadt ihre Wahlergebnisse präsentierte. Gegen 18 Uhr waren dort außer den Journalisten allerdings noch kaum Besucher. Es würde eine lange Wahlnacht werden, das war vorab klar. Auch die 12 Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt ließen sich deshalb wohl zunächst nicht blicken. Gegen 19 Uhr zeichnete sich dann ab, dass es auf eine Stichwahl zwischen Astrid Freudenstein (CSU) und Thomas Burger (SPD) hinauslaufen wird. Grünen-Kandidatin Helene Sigloch und Burger hatten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 2 geliefert. „Ich bin total erleichtert und glücklich, dass bei 12 Kandidaten der Vorsprung mit fast 38 Prozent so groß ist“, sagte Freudenstein in einer ersten Reaktion.

■ Landkreis Regensburg: Vor sechs Jahren gelang Tanja Schweiger (FW) ein Erdrutschsieg im Landkreis Regensburg: Mit 68,15 Prozent machte sie bereits im ersten Wahlgang alles klar. Nun trat der CSU-Landtagsabgeordnete Patrick Grossmann gegen die beliebte Politikerin in den Ring und holte sich eine kräftige Abfuhr. Mit 60 Prozent verlor Schweiger allerdings einige Prozentpunkte an Zustimmung.

AfD-Kandidatin erreicht ihre Ziele nicht

■ Landkreis Cham: Nach 16 Jahren hat Franz Löffler (CSU) seinen Landratsposten für die nächste Politikergeneration freigemacht. Sechs Männer und eine Frau bewarben sich um die Nachfolge. Michael Multerer (CSU) und Christian Schindler (Freie Wähler) treten in der Stichwahl gegeneinander an. Die AfD-Kandidatin Christl Fischer – die bisweilen mit provokanten Aussagen Schlagzeilen machte – erzielte am Ende nur 14,6 Prozent der Wählerstimmen. Zum Vergleich: Bei der Bundestagswahl hatten im Landkreis über 29 Prozent der Bürger ihr Kreuz bei den Blauen gemacht. Eine Überraschung gab es in der Gemeinde Pemfling. Veronika Traurig (CSU) ist mit 27 Jahren nun bayernweit eine der jüngsten Bürgermeisterinnen.

■ Landkreis Neumarkt: Bislang war der Neumarkter Landratsposten stets in CSU-Hand. Mit Katharina Ziegler geht in zwei Wochen die CSU-Kandidatin als Favoritin in die Stichwahl. Die Nominierung der Juristin galt innerhalb der CSU als Überraschung. In der Stichwahl tritt sie gegen Martin Meier (FW) an. Eine OB-Wahl gab es gestern in der Stadt Neumarkt nicht.

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■ Landkreis Amberg-Sulzbach: Auch nach 18 Dienstjahren hat Richard Reisinger (CSU) noch nicht genug vom Amt des Landrats. Trotz sechs Gegenkandidaten verteidigte er souverän im ersten Anlauf den Posten, wenngleich die Zustimmung mit rund 10 Prozentpunkten weniger als 2020 nicht mehr ganz so hoch war. Damals erzielte er deutlich über 70 Prozent, nun sind es 63,9 Prozent.

■ Landkreis Schwandorf: Ein Wahlkrimi war es diesmal in Schwandorf nicht. Amtsinhaber Thomas Ebeling (CSU), seit 2014 Landrat im Kreis Schwandorf, konnte sich im ersten Anlauf die entsprechende Mehrheit sichern. Mit 55 Prozent setzte er sich klar gegen die vier Herausforderer durch. Wie bereits 2014 war auch diesmal die frühere Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder (SPD) unter den Kandidaten. 2014 zwang sie den CSU-Kontrahenten noch in die Stichwahl. Diesmal blieb sie mit 20,5 Prozent deutlich abgeschlagen. Spannend wird es in zwei Wochen noch einmal in der Stadt Schwandorf. Dort kandidierte Oberbürgermeister Andreas Feller nach Querelen nicht mehr für die CSU. Stattdessen ging er nun mit der „Bürgerliste Schwandorf“ als parteiloser Kandidat an den Start. Feller erzielte 35,3 Prozent der Stimmen und trifft in der Stichwahl auf den CSU-Kandidaten Andreas Wopperer.

■ Stadt Weiden: Bei der Wahl vor sechs Jahren wurde Jens Meyer (SPD) zum ersten Mal zum OB von Weiden gewählt. Er trat damit die Nachfolge seines Parteifreundes Kurt Seggewiß an. Die Entscheidung in der Stichwahl war damals ziemlich knapp: Mit gerade einmal 51,3 Prozent setzte sich Meyer gegen Benjamin Zeitler (CSU) durch. Und nun kommt es zu einer weiteren Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten. Die Voraussetzungen für Meyers Wiederwahl sind allerdings nicht rosig. Zeitler holte am Sonntag 42,8 Prozent der Stimmen, für Meyer votierten 24,4 Prozent.

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■ Landkreis Neustadt/Waldnaab: Hohe Zustimmungswerte sicherte sich im Landkreis Neustadt/Waldnaab der amtierende Landrat Andreas Meier (CSU). Er wurde am Sonntag mit 64,9 Prozent der Wählerstimmen für eine weitere Amtszeit bestätigt.

■ Landkreis Tirschenreuth: Noch eine Stichwahl: Auch im Landkreis Tirschenreuth muss Amtsinhaber Roland Grillmeier (CSU) in die zweite Runde. Mit 42,2 Prozent der Wählerstimmen reichte es nicht für eine nahtlose Fortführung der Amtsgeschäfte. In der Stichwahl tritt Grillmeier gegen Hubert Schicker von den Freien Wählern an.

Kelheimer Landrat Kopf an Kopf mit FW-Kandidat

■ Landkreis Kelheim: Mit 71 Jahren gehört Kelheims Landrat Martin Neumeyer (CSU) zu den ältesten Amtsinhabern in Bayern, die es nochmal wissen wollten. Bei den Wahlen 2016 und 2020 sicherte er sich in der ersten Runde die absolute Mehrheit. Doch diesmal hat sich der Wind gedreht: Mit gerade einmal 0,8 Prozentpunkten Vorsprung geht Neumeyer gegen den FW-Kandidaten Christian Nerb in die Stichwahl. Neumayer erzielte 33,9 Prozent der Wählerstimmen, Nerb 33,1 Prozent. Der Ausgang der Stichwahl? Vollkommen offen.